BERLINALE 2012

Eine Berlinale-Berichterstattung wird es in diesem Jahr leider nicht geben, da ich leider pleite bin und Geld verdienen muss. Vielleicht schreibt ja Holger was.
Aus den Erfahrungen der letzten Jahre kann ich nur die Generation empfehlen – die beiden Programme sind schon online: Kplus, 14plus Vielleicht schau ich da am Wochenende mal vorbei. In dem Perspektive-Deutsches-Kino-Film Westerland spielt jemand aus meiner Montage-Klasse die Hauptrolle – vielleicht gucke ich auch da mal rein.

Das war die Berlinale 2011

Statistik:

Meine Filme gesamt: 43

In Sektionen: Forum: 23, Generation: 9; Panorama: 6, Wettbewerb: 1, Special: 1, Retro: 1, Shorts: 1, Perspektive: 1

Längster Film: 278 Minuten

Kürzester Film:
8 Minuten

THE BEST:

1. Episch: LAS MALAS INTENCIONES (Kplus, Peru, 2011)

Der Film verknüpft peruanische Landesgeschichte (in den 80ern kämpfte die linksgerichtete Guerilla-Organisation Leuchtender Pfad gegen Regierung und Reiche) mit dem Portrait einer Oberschichtenfamilie aus Sicht der emotional vernachlässigten Cayetana. Als die Mutter schwanger wird, beginnt sie das noch Ungeborene zu hassen – ein komplexer Einblick in die von gesellschaftlichen und familiären Umbrüchen beeinflusste kindliche Psyche.

2. Formal: TOMBOY (Cross: Panorama/14plus, Frankreich, 2011 )

Dieser minimalistische, französische Film problematisiert die soziale Gender-Thematik. Die zehnjährige Laure, herausragend gespielt von Zoé Héran, will einfach nur ein Junge sein und täuscht dies nach einem Umzug in ein Neubaugebiet in der dortigen Kinderclique vor. Sie findet schnell Anerkennung, doch irgendwann muss dieses Gebäude aus kreativen Lügen einstürzen. Es fällt leise, ohne viel Dramatik, aber ohne das Thema zu verraten, in sich zusammen.

3. Experimentell: JESS + MOSS (14plus, USA, 2011)

Dieser Experimentalfilm erzählt retrospektiv und aus der Sicht des 12jährigen Moss, der sich an den Sommer mit seiner Kusine Jess erinnert. Die gewagte Ästhetik, die permanente Verletzung der unsichtbaren Schnittregeln, ist ein beeindruckendes Visualisierungskonzept für Erinnerungsmechanismen.

4. Dokumentarisch: CAVE OF FORGOTTEN DREAMS (SV, USA, 2010)

Durch die starke Betonung seiner subjektiven Sichtweise, schafft es Werner Herzog uns für über 30.000 Jahre alte Wandmalereien und Knochen in der Chauvet-Höhle zu begeistern und unser Blickfeld für existenzielle Fragestellungen zu erweitern. Außerdem erhält man eine Idee davon, was man mit 3-D, über die räumliche Darstellung vom Schlumpfdorf Pandora hinaus, noch alles anstellen kann.

THE WORST

Richtig schlechte Filme habe ich in diesem Jahr eigentlich nur einen einzigen gesehen:

1. LIFE IN A DAY (Panorama, GB, 2011)

Banale YouTube-Alltagsschnipsel, ertränkt im Pathos, streckenweise voyeuristisch. Zusätzlich will uns der Regisseur auch noch die Philosophie verkaufen, dass der Sinn des Lebens in den kleinen Alltagsdingen steckt.


Vier Schlusssätze

1. Enttäuschend war für mich in diesem Jahr das Forum. 2. Viel Gutes habe ich in der Generation gesehen. 3. Die deutschen Filme haben ihren Credit für lange Zeit bei mir verspielt, bis auf ein paar Ausnahme-Regisseure. 4. In der Retrospektive habe ich die Erkenntnis gewonnen, dass ich für Bergman erstmal einen Einsteigerkurs benötige.

Berlinale – The Finish

Die letzten Festivaltage brechen an. Passend zu SUICIDE ROOM ist es am Donnerstag düster und eisig. Nach dem Film noch eine kleine Lasagne vor dem Ticket-Counter. Keine Schlangen mehr, dafür ein Karten-Marktplatz. Haufenweise Leute, die Tickets für Wettbewerbsfilme loswerden wollen. Wahrscheinlich haben sie inzwischen die Kritiken gelesen – sollte man unterlassen! Die Journalisten sind nach diesem Filmmarathon eh nicht mehr zurechnungsfähig. Jemand will mir V SUBBOTU andrehen. «Uuuh – das ist doch der Tschernobyl-Film, der so schlechte Kritiken bekommen hat…» – «Nö, aber nicht überall.» – Keine Chance! Am Abend seh ich dann JESS + MOSS – endlich mal ein Film, der etwas wagt! Trotzdem geht mir nach 37 Filmen auch langsam die Puste aus.

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Jess + Moss – Reise zurück

Regie: Clay Jeter
USA 2011
84 Min.

19.2. Cubix 8 15.30h
20.2. H.d.K.d.W. 14.00h

Eine halbe Stunde, nachdem im Forum die Weltpremiere des Konzeptfilms TWENTY CIGARETTES durch ist, läuft in der Generation 14plus ein viel radikaleres Filmexperiment als das inzwischen schon hinlängst bekannte und risikolose von James Benning. Regisseur Clay Jeter verzichtet weitestgehend auf eine Storyline, es gibt nur einen Background. Moss erinnert sich in vielen aneinanderreihenden Szenen an die Sommerferien mit seiner Cousine Jess, die auch, wenn es zu Überlagerungen und Wiederholungen kommt, in keinem Zusammenhang stehen. Die Wirkung, die eine 84minütige permanente Verletzung des Unsichtbaren Schnittes hat, ist für mich das eigentlich Faszinierende. More »

Twenty Cigarettes – Zwanzig Einstellungen und zwanzig Raucher

Regie: James Benning
USA: 2010
Länge: 20 Zigarettenlängen (99 Minuten)

19.2. CinemaxX 4 22.00h
20.2. Delphi 14.00h

Rauche eine Zigarette und ich sage Dir, wer Du bist! – Als «Experimentalkino» würde ich die Einstellungsfilme von Benning nicht mehr bezeichnen wollen, denn Experiment impliziert, dass man experimentiert. Jedes Mal das gleiche Prinzip mit anderen Objekten mag zwar in den Naturwissenschaften als Experiment gelten, aber nicht im Film. More »

Suicide Room – (Überschrift fällt mir grad nicht ein)

Regie: Jan Komasa
Polen 2010
110 Min

18.2. Cubix 9 14.30h OmE

Der Protagonist Dominik macht es einem absolut nicht leicht, ihn zu mögen. Er steht kurz vor dem Abschluss einer Eliteschule, wird von einem Chauffeur zwischen Haus, Schule und Training hin- und her kutschiert und gibt allen zu verstehen: Ich bin zu cool für diese Welt – das gelangweilte, arrogant-distanzierte Benehmen der Oberschicht mit einem Touch typischer Werther-Koketterie reicher Jugendlicher. Seine Eltern, zwar erfolgreich, aber eher obere Mittelschicht, erwarten von ihm einen Top-Abschluss.

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Halbzeit. Das kann doch nicht wahr sein…

… denke ich, als ich mir das Schaltwerk meines Rennrads genauer ansehe. Es ist Dienstag und ich bin gerade unterwegs zu den Potse Arcaden, als sich in der Swinemünder Straße ein herumfliegender Müllsack urplötzlich in meinem Hinterrad verfängt. Das Shimano-Ultegra-Schaltwerk ist glatt durchgebrochen. So was kann auch nur mir passieren! Ich schulter mein Rad und trage es zur Fahrradstation nach Mitte. Dort schauen sie fasziniert auf das Dillemma.

Sowas hätten sie noch nicht gesehen. Ich seufze schwermütig, setze dann noch eins drauf und erzähle ihnen die Geschichte vom gebrochenem Leerlaufkörper. Das beeindruckt sie aber nicht so, wie ich es mir erhofft hatte. Wenigstens bauen sie ein Schaltwerk aus einem nagelneuen Cube aus, so, dass ich nach 45 Minuten weiterfahren kann. Außerdem bekomme ich sogar noch meinen 20%igen Kurier-Rabatt. Ist die Sache wenigstens noch mal halbwegs glimpflich abgegangen.

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