8. Fantasy Filmfest Nights – Es darf gern geschrien werden

Nach der Berlinale ist vor den Fantasy Filmfest Nights. Jedes Jahr im März gibt es für Fantasy-Filmfest-Fans einen Appetizer, bevor der Hauptgang im Sommer serviert wird. Ein Wochenende, zehn Filme.

Den Auftakt bilden München und Stuttgart (13.3./14.3.), gefolgt von Berlin und Hamburg (20.3./21.3.), Nürnberg (26.3./28.3.), Köln (26.3./27.3.) und Frankfurt (27.3./28.3.). Die zehn Häppchen bilden einen netten Querschnitt des modernen Genrefilms von der Anime, in der sich ein Hacker der Identität eines fremden Internet-Avatars bemächtigt und damit die Weltherrschaft an sich reißt, über SciFi-Horror, in dem Vampire die Welt regieren und Menschen als Nahrungsqelle halten bis hin zu biogenetischen Tier-Mensch-Hyprid-Experimenten, Zombies in Vorortplattenbauten und J-Horror in 3D. Die Filme kommen aus Japan, Frankreich, Spanien, Großbritannien und den USA. Ein Blick auf die nationalen Filmschmieden des Genrefilms. More »

Forums-Wiederholungen im Arsenal

22.2., 20.00 Uhr, KYOTO STORY (Kyoto Uzumasa monogatari), OmE, 90 Min.
23.2., 20.00 Uhr, NÉNETTE, OmE, 70 Min.
24.2., 19.00 Uhr, SONA, THE OTHER MYSELF (Sona, mo hitori no watashi), OmE, 82 Min.
24.2., 21.00 Uhr, PUTTY HILL, OmU, 89 Min.
25.2., 19.00 Uhr, THE OATH, OmE, 96 Min.
25.2., 21.00 Uhr, IMANI, OmU, 82 Min.

Meine Berlinale 2010

Filmstatistik

Gesehene Filme: 26

Sektionsverteilung: Forum: 13, Wettbewerb: 5, Panorama: 3, Generation: 4, Berlinale Special: 1

Längster Film: IM ANGESICHTS DES VERBRECHENS (240 Minuten)

Kürzester Film: Trailer mit dem tanzenden Typen, der den echten Berlinaletrailer nachtanzt (49 Sekunden)

Geschwänzte Filme: 2

Abgebrochene Filme: 1 (siehe auch nervigstes Erlebnis)

Längste Einstellung: ca. 45 Minuten (DOUBLE TIDE)

Filmranking

Best of: Bill DOUGLAS-TRILOGIE (Forum), I’M IN TROUBLE (Forum), DER RÄUBER (Wettbewerb), WINTER’S BONE (Forum)

Großer Mist: BRAN NUE DAE (Generation): Entschädigung: Hat großen Spaß gemacht, die Story aufzuschreiben. Liest sich zwar trashig, wird aber total klamottig gespielt.

Charaktere

Schrägster Charakter: 16jährige Emma in LES NUITS DE SISTER WELSH (Generation): schafft sich Parallelwelt, in der sich ihre Mutter (Männerhasserin) und eine Schwester Welsh (hoffnungslose Romantikerin) in einem mittelalterlichen Burgverlies rumstreiten

Interessantester Charakter: Johann Rettenberger (DER RÄUBER)

Toughester Charakter: Lee (WINTER’S BONE)

Drumherum

Geht gar nicht: Esserei an der Potse: teuer & schlecht (z.B. Asiate in den Arcarden: 6 € für Tofu, Kokosnusssoße, Reis & angeblichem Gemüse (das sieht nämlich so aus, als ob es ausversehen hineingefallen wäre: 4 Blättchen Petersilie, eine Zuckererbsenschote)

Erstaunlichstes Erlebnis: subjektiv-empfundene Zeit bei Experimentalfilm (DOUBLE TIDE) mit zwei Einstellungen (Gesamtlänge = 99 Minuten) dehnt sich nicht, sondern verkürzt sich (gefühlte Zeit: ca. 50 Min, reale Zeit: 99 Min.)

Nervigstes Erlebnis: ZONA SUR im Cinemaxx: Overbooked! Leute saßen zu dritt auf einer Treppenstufe. Nach 20 Minuten war die Luft so heiß und stickig, dass ich mit meinen Fahrradklamotten komplett nass war. Musste Vorstellung abbrechen und brauchte von der allerletzten Reihe eine ganze Weile, ehe ich mich zum Ausgang gekämpft hatte. (Dazu ein Film, der vorgibt, das alltägliche Gelaber von Boliviens Oberschicht nachzuempfinden und einem die englischen Untertitel mit belanglosem Inhalt im Stakkato nur so reinknallte, war das absolut Nervigste auf dieser Berlinale.)

Zweites nervigstes Erlebnis: Ich schreib andauernd »Die Räuber«… also falls es noch irgendwo falsch stehen sollte, Schiller ist dran schuld.

Warum immer wieder Berlinale? nach wie vor – viele unterschiedliche Filme nacheinander sehen

Lesson learned: Berlinale und die Zukunft des Films

Event Kino

Ich war auf der Berlinale, ja. Natürlich. Es hat mir Freude bereitet, neue Einsichten beschert (z.B. das Thema Commons in lebensbedrohender Realität in wundervollen indischen Filmen gezeigt). Und nun habe ich einen Essay von Ekkehard Knörer (Redakteur von CARGO) gelesen, der mir folgende Frage in schonungsloser Offenheit beantwortet: warum funktioniert die Berlinale, und warum funktioniert sie jedes Jahr größer und erfolgreicher? More »

Zitat des Tages

»Noch beim Bombenalarm entführt die Frau, Gattin eines widerwärtigen Nazi-Generals, den gefeierten Star ins Dachgewölbe des Hauses. Während ringsum die Bomben fallen und knallen, bespringt Marian die Frau a tergo, vögelt sie bei offenem Fenster mit Panoramablick auf das brennende Berlin, während sie lautstark danach verlangt, vom »Juden« genommen zu werden.«

(Perlentaucher beschreibt eine Szene, die bei der Pressevorführung von Roehlers JUD SÜß – FILM OHNE GEWISSEN »Pfui«-Rufe auslöste.)

Double Tide (Forum) – Zwei Einstellungen und eine Muschelsammlerin

Regie: Sharon Lockhart
USA/Österreich 2009
99 Minuten

Der ungefähre Bildausschnitt von DOUBLE TIDE (Foto: Berlinale 2010)

Als ich mir die Karte für diese Vorstellung holte, meinte Holger: »Du weißt schon auf was du dich da einlässt? Du musst einer Muschelsammlerin 99 Minuten bei der Arbeit zu sehen.« – »Kein Problem – ich liebe Muschelnsammeln!« More »

I’m in Trouble, Au Revoir Taipeh, Our Fantastic 21st Century: Das junge asiatische Kino entdeckt die Nouvelle Vague

Filme aus dem fernen Osten sind bekannt für skurille Figuren, schräge Martial-Arts-Action und seltsam Übernatürliches. Seit einigen Jahren allerdings deutete sich schon eine Hinwendung zu realistischeren Erzähltechniken an, auch im Forum wie bspw. im Film My Dear Enemy im letzten Jahr. Dieses Jahr hat sich eine ganze neue Filmgeneration aufgemacht und verbindet das asiatische Kino mit dem europäischen Kino der 60′er Jahre. Anknüpfungspunkt der neuen Welle asiatischer Independent-Produktionen ist die französische Nouvelle Vague. More »

Der Räuber (Wettbewerb), Im Schatten (Forum) – Gangster auf der Berlinale

Regie: Benjamin Heisenberg
Österreich, Deutschland 2009
96 Min.
Läuft nicht mehr auf der Berlinale.
Deutscher Kinostart: 4.3.2010

»Niemand hätte dem unauffälligen und nur in seiner Eigenschaft als guter Sportler bekannten Rettenberger jene ungeheure Serie an Straftaten zugetraut.« (Zeitungszitat, in: Der Räuber, Martin Prinz)

»Die Figur ist in meinen Augen sehr konsistent und eigentlich nicht schwer zu fassen.« (Benjamin Heisenberg, cargo 4/2009)

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Zitat des Tages

»Ich hab grad angerufen. Eis wird noch weggemacht, Steine weggefegt. Und dann werden wir’s uns noch hübsch gemütlich machen auf die letzten drei Tage.«

(Dieter Kosslick auf Radio Eins)

Satz des Tages

Im breiten Österreichisch: »Bei der Tötung eines Beamten ist die Polizei etwas… energischer.«

(Beim Verhör von Rettenbergers Freundin, DIE RÄUBER, Text dazu in Kürze)