Stars auf Plastik – South-Park-Episode: Guitar Queer-O

| Die geniale SOUTH-PARK-Episode GUITAR QUEER-O parodiert das PS- und xbox-Spiel »Guitar Hero«: Die Generation Spielkonsole erlebt dort nämlich nicht nur den kometenhaften Aufstieg eines Rockstars, sondern auch gleich den Absturz mitsamt Drogen und Ausbeutung durch Musikkonzerne. |
Nach 24 Stunden »Heroin Hero« ist Stan ein Wrack.
(Foto: www.southpark.de)
Das Video-Spiel »Guitar Hero« funktioniert folgendermaßen: Auf Plastikcontrollern, die extra für »Guitar Hero« einer Gitarre nachempfunden wurden, werden Songs nachgespielt. Auf dem Bildschirm erscheint dazu eine Art Leiste, die den Guitarrenhals symbolisiert. Es kommt nun darauf an, zur richtigen Zeit die richtigen Knöpfe (= Bünde) und gleichzeitig die richtigen Saiten zu drücken.
Im Karrieremodus spielt man sich und seine Band durch Punktesammeln hoch.

»Neue Generation von Gitarrenvirtuosen, Drummern und furchtlosen Frontmännern«: Werbetext von amazon Deutschland
(Foto: amazon)
Diese Musikspielreihe ist sehr erfolgreich und wird aktuell gehypt. Abgesehen von den diversen Varianten (u. a. »On Tour«, »Legends of Rock«, »Metallica«) kann die Industrie auch eine Menge Zusatzmaterial verkaufen, wie Drums, Drumpads, Mikrofone, Kick Pedalen etc. Jeder kann jetzt ein Rockstar sein – nur eins haben die Entwickler nicht bedacht: Zu einer ordentlichen, klischeehaften Rockstarkarriere gehören auch Drogen, Konzerne und Absturz.
»Wir sind drin« – der Aufstieg

Stan und Kyle haben sich gemeinsam »Guitar Hero« für ihre xbox geholt und spielen sowohl vor einem imaginären Video- als auch vor einem realen Publikum, ihrer Klasse. Als sie die 100.000 Punkte und damit den »Rockstar-Status« knacken, ist der Jubel groß. Papa Marsh will sie wieder zurück auf den Boden der Tatsachen holen. Doch prompt klingelt es an der Tür und ein Manager einer Talentagentur nimmt sie unter Vertrag. Am Abend dürfen sie auf eine Pool-Koksparty mit Promies und stellen fest: »Wir sind drin!« Jetzt gilt es nur noch, die Eine-Million-Punkte zu erspielen.
»Du hattest alles und hast es verbockt!« – der Abstieg
1. Einsamkeit und Ausbeutung: Bei der nächsten »Bandprobe« lockt der Manager Kyle unter einem Vorwand nach draußen und überredet Stan, sich von seinem Freund zu trennen. »Er bremst dich aus. Du erzielst viel mehr Punkte als er.« Gegenargumente werden nicht akzeptiert: »Weißt du, was dir Loyalität einbringt? Rein gar nichts.«
2. Zweifelhafte Freunde: Stattdessen wird Stan Thad Jarvis an die Seite gestellt, ein poserndes, hochgezüchtetes Genie mit einer zweifelhaften Britpop-Frisur, der aber nicht massenkompatibel ist.

Genie Thad Jarvis als Stans neuer Freund.
(Foto: southparkstudios.com)
3. Drogen: Stan plagen schwere Gewissensbisse. Kyle fehlt ihm und außerdem lastet ein enormer Erwartungsdruck auf ihm. Er braucht etwas zur Entspannung und geht in den EV-Games-Shop. Zur »Stressbewältigung« wird ihm ein anderes Spiel angeboten: »Heroin Hero«. Man schießt sich simuliertes Heroin und rennt einem niedlichen Drachen hinterher, den man nur jagt, aber niemals fängt. Stan ist begeistert, weil es dort keine Punkte und kein Publikum gibt. Zu Hause probiert er das neue Spiel aus.

Verbildlichung des englischen »catch the dragon« (Heroin rauchen).
4. The Fall: Am nächsten Tag ist er extrem schlecht gelaunt und spielt keinen einzigen Ton richtig. Jarvis verlässt ihn. Als sein Manager »Heroin Hero« in seiner Tasche findet, ist er entsetzt: »Spielst du etwa Heroin-Hero?« – »Nur ein bisschen.« – »Niemand spielt dieses Spiel nur ein bisschen.«
Er soll Recht behalten. Am Tag des großen Auftritts an dem Stan die Eine-Million-Marke knacken soll, findet ihn sein Manager völlig vollgepumpt in der versifften Wohnung. Den Auftritt verpatzt Stan völlig – seine Karriere ist damit gelaufen.
Von jetzt ab – alles richtig machen?
So ganz kann es Stan immer noch nicht lassen: Er geht wieder in den Games-Shop. Als der Dealer merkt, dass Stan nicht gut drauf ist, will er ihm das Spiel “Entzug-Hero” andrehen (»Da wird man von einem Drachen verfolgt« – netter Weiterdreh des vorangegangen Wortspiels). Stan entscheidet sich für Soft-Drugs und nimmt nur eine »einfache Rennsimulation«. Während er spielt, läuft plötzlich »ihr« Song im Radio und Stan weiß, was zu tun ist. Er sucht Kyle auf, der in einer heruntergekommenen Spielhalle traurige Balladen spielt. Sie söhnen sich aus und wollen dem Spiel »mal kräftig in den Arsch treten«. Gemeinsam knacken sie die Million. Doch dann tritt das Spiel ihnen in den Arsch: “Ihr habt die Million geknackt. IHR – SEID – SCHWUCHTELN”.

Zu viel Erfolg ist uncool.
Die Story steht exemplarisch für den South-Park-Style: Sie spult das gesamte Programm, das absolute Klischee einer Rockstarkarriere ab, das man auch von diversen schlechten Filmen wie THE DOORS oder Biographien (Cobain) her schon kennt. Gleichzeitig parodiert SOUTH PARK dieses Klischee, entweder in dem maßlos übertrieben wird – wie in der 24-Parodie (auch 11. Staffel), wo in Hillary Clintons »Sumsum« eine »Bumbum« versteckt war – oder aber in dem noch etwas Neues hinzukommt: In GUITAR QUEER-O kommt Parker/Stone das echte Spiel zu Hilfe, das zu den Viertklässlern wie angegossen passt. Die Konsolen-Besessenheit war immer wieder Thema einzelner Folgen.
Moralapostel, die Spiele nur als dumme Unterhaltung, als Plastikträume bezeichnen, hätten wahrscheinlich den Unterschied zwischen Realität und Simulation thematisiert. Mit den Marsh-Eltern gehen die South-Park-Macher diesem Ansatz auch kurz nach: »Wenn sie nur halb so viel Zeit damit vergeuden würden, ein richtiges Instrument zu spielen, könnten sie vielleicht mal was erreichen«, beklagt sich Sharon Marsh. Und Randy Marsh spielt den Jungs etwas auf einer »echten(!)« Gitarre vor, doch statt der erhofften Begeisterung wird das als »schwul« bezeichnet. Verblüfft kontert er: »Aber das ist echt!« – »Echte Guitarren sind was für alte Leute.« Und als Randy Marsh nachts, als er sich unbeobachtet fühlt, runterschleicht, um im Schlüpfer zu »Guitar Hero« auf dem Plastikcontroller rumzuklampfen, muss er feststellen, dass er zu den alten Leuten gehört. Denn er, der fast perfekt auf einer echten Guitarre spielen kann, wird vom Videopublikum ausgebuht.
Jedem das seine!

Eine Simulation hat auch ihr Gutes. Man kann im Schlüpfer auftreten. (Foto: comedycentral)
Diesen oberflächlichen Standpunkt, nämlich, dass nur das real ist, was nicht simuliert, geträumt oder erdacht wurde, erteilt SOUTH PARK also eine Abfuhr. Dieses Thema wird übrigens in der Trilogie FANTASIELAND (ebenfalls 11. Staffel) aufgegriffen: Träume und (Simulationen) sind demnach genauso real wie alles andere auch.
Vielmehr denken Parker/Stone in dieser Episode das »Guitar-Hero«-Konzept konsequent zu Ende und übertragen es in das Games-Milieu. Die Spielhölle entspricht dem heruntergekommenen Motel, in dem der einstige Star nun für gute Trinkumsätze sorgen soll. Der schon erwähnte Gamedealer sorgt für einen scheinbaren Ausweg, reitet aber den anderen Star nur noch tiefer rein. Wenn Rockstar – dann richtig! Ein Klischee wäre kein Klischee, wenn es nicht auch wahr wäre. Aber auch hier haben die SOUTH-PARK-MACHER vorgesorgt und weisen es – zumindest am Schluss – als solches aus:
Als Stan und Kyle enttäuscht ihre Gitarrenkontroller fallen lassen und nach draußen zum Spielen gehen, übernehmen Cartman und Butters die Controller – Butters: »Ich darf der sein, der dich nach den Drogenpartys betrügen tut.«

