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	<title>Blog zum Hof &#187; Berlinale 2007</title>
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		<title>Shotgun Stories &#8211; eine Choreographie der Rache</title>
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		<pubDate>Sat, 10 Oct 2009 11:29:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>holger</dc:creator>
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		<category><![CDATA[FILM GIBTS AUCH IM ALLTAG]]></category>
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		<description><![CDATA[USA 2007 Regie: Jeff Nichols L&#228;nge: 92 Minuten Kinostart: 8.10.2009 Ein neuer Film des amerikanischen Independent-Kinos zerst&#246;rt ganz beil&#228;ufig den Hollywood-Mythos von der perfekten Rache. Absolut empfehlenswertes Drama aus Arkansas mit fabelhaft aufgelegten (Laien-)Schauspielern. Der alte Hayes war ein Mann mit zwei Gesichtern. Nach jahrelangem Trinken hatte er ein christliches Erweckungserlebnis. Er h&#246;rte mit dem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>USA 2007<br />
Regie: Jeff Nichols<br />
L&#228;nge: 92 Minuten<br />
<strong>Kinostart: 8.10.2009</strong></p>
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<tr>
<td>
<img src="http://www.dasblogzumhof.de/wp-content/uploads/2009/10/shotgunstories_large.jpg" alt="shotgunstories_large" title="shotgunstories_large" width="350" height="263" class="alignleft size-full wp-image-2549" />
</td>
</tr>
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<p><strong>Ein neuer Film des amerikanischen Independent-Kinos zerst&#246;rt ganz beil&#228;ufig den Hollywood-Mythos von der perfekten Rache. Absolut empfehlenswertes Drama aus Arkansas mit fabelhaft aufgelegten (Laien-)Schauspielern.<br />
</strong></p>
<p>Der alte Hayes war ein Mann mit zwei Gesichtern. Nach jahrelangem Trinken hatte er ein christliches Erweckungserlebnis. Er h&#246;rte mit dem Trinken auf, verlies seine Familie und gr&#252;ndete im Nachbarort eine neue. Wird erfolgreicher Farmer. Die verlassene Frau kommt &#252;ber die Trennung niemals hinweg. Ihre drei S&#246;hne werden im Hass auf den Vater gro&#223;gezogen, w&#228;hrend er der neuen Familie ein treusorgender Gatte und liebevoller Vater war. Die Vergangenheit hat er begraben. So tief, dass er die eigenen S&#246;hne verleugnete, denen er nicht einmal Namen zugestanden hatte. Sie hei&#223;en Son, Boy und Kid. Namen f&#252;r Hunde. So leben nur wenige Meilen voneinander entfernt zwei Familien in erbittertem Hass. Dann stirbt der alte Hayes. <span id="more-11"></span></p>
<p>Son, Boy und Kid wagen es, zur Beerdigung zu gehen. Son h&#228;lt am offenen Grab eine kurze Rede, in der er vom anderen Hayes spricht, dem Hayes, der ihm Vater war. Zum Schluss aber spuckt er auf den Sarg. Die drei Br&#252;der werden gewaltsam von der Beerdigung vertrieben. Gleich danach beraten die Br&#252;der der neuen Familie, wie diese Blasphemie ger&#228;cht werden kann. Was nun folgt, ist die pr&#228;zise Choreographie der Blutrache. Obwohl jedem der Beteiligten die Unvernunft ihrer Handlungen erkennbar ist, kann sich doch keiner ihrer logischen Folgerichtigkeit entziehen. Innerhalb beider Lager gibt es die eher vern&#252;nftigen Parts, die vergeblich zu m&#228;&#223;igen versuchen, und die Hei&#223;sporne, die die Eskalation vorantreiben.</p>
<p>Die St&#228;rke des Films besteht darin, die Gewaltakte niemals zu zeigen. Es ist unn&#246;tig. Zu oft hat man die Mechanismen der Rache gesehen. Die Regeln der Eskalation sind bekannt: Jede Handlung der einen Seite erfordert die Gegenhandlung der anderen, jede vollzogene Rache erfordert die Gegenrache. So konzentriert sich Nichols ganz auf das psychologische Innenleben seiner Figuren, der Frage, warum sie einfach keinen Ausweg aus dem archaischen Denkmuster finden.</p>
<p>Der Film erz&#228;hlt in einer lakonischen Ruhe, zeigt immer wieder die Weite der Landschaft Arkansas mit seinen Baumwollpflanzungen. Doch unter der sch&#246;nen Oberfl&#228;che lauert die Gewalt. Als Zuschauer kann man die ruhigen Bilder nie wirklich genie&#223;en, weil immer schon der n&#228;chste Gewaltausbruch droht.</p>
<p>Die Rache ist ein schwieriges Konstrukt ohne Ende. Im Grunde will jede Rache den Konflikt beenden. So wird wiederkehrend auf beiden Seiten immer wieder gesagt: »Irgend jemand wird das beenden m&#252;ssen.« Aber jedes Ende ist nur wieder ein Anfang f&#252;r die Gegenseite. Die Crux ist also, dass der Konflikt ins Unendliche weitergeht, obwohl beide Seiten eigentlich ernsthaft an einem Ende interessiert sind.</p>
<p>Nichols selbst beschreibt die Intention zu seinem Film so: »In der Literatur, im Film, in der Politik oder der Gesellschaft wird Rache, genauer gesagt: das Rachenehmen, h&#228;ufig als Erfolgsgeschichte dargestellt. Ob es Edmund Dantès in >Der Graf von Monte Christo< ist, der seinen Schwur, Danglars zu ruinieren, einl&#246;st, oder ob der Terrorist Hans Gruber in >Die Hard< zu Tode kommt.« Diesen Rachemythos zerst&#246;rt Nichols&#8217; SHOTGUN STORIES: »Rache kann niemals erfolgreich sein.« </p>
<p>Nach dem Film gab es im Delphi minutenlange Ovationen f&#252;r den Regisseur.</p>
<p>Dieser Artikel wurde w&#228;hrend der Berlinale 2007 geschrieben. </p>
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		<title>Knutaufstand: B&#228;ren ziehen mit!!!</title>
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		<pubDate>Thu, 07 Jun 2007 13:57:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>kleo</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Na bitte. Knut erh&#228;lt Hilfe von B&#228;ren aus aller Welt. siehe Beitrag Aufruf Falls Sie ein B&#228;r sind und Knut unterst&#252;tzen m&#246;chten, tragen Sie sich bitte auf dieser Liste ein. Knut: »Vielen, vielen Dank! Doch wo ist der Berlinaleb&#228;r?.« »Jetzt ist es Juni, Knut.« Knut: »Ach, so&#8230;:-(«]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a title="knuti.jpg" href="http://www.dasblogzumhof.de/wp-content/uploads/2007/06/knuti.jpg"><img src="http://www.dasblogzumhof.de/wp-content/uploads/2007/06/knuti.jpg" alt="knuti.jpg" /></a></p>
<h1><strong>Na bitte. Knut erh&#228;lt Hilfe von B&#228;ren aus aller Welt.</strong></h1>
<p>siehe Beitrag <a href="http://www.dasblogzumhof.de/tiere/30.php">Aufruf</a></p>
<p>Falls Sie ein B&#228;r sind und Knut unterst&#252;tzen m&#246;chten, tragen Sie sich bitte auf dieser <a href="http://www.dasblogzumhof.de/unterschriftenliste-knut">Liste</a> ein.</p>
<p><strong>Knut: »Vielen, vielen Dank! Doch wo ist der Berlinaleb&#228;r?.«</strong></p>
<p><strong>»Jetzt ist es Juni, Knut.« </strong></p>
<p><strong>Knut: »Ach, so&#8230;:-(« </strong></p>
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		<title>Chronist des Wahnsinns – Okamoto Kihachi-Filmreihe (Forum)</title>
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		<pubDate>Tue, 20 Feb 2007 16:29:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>holger</dc:creator>
				<category><![CDATA[Berlinale 2007]]></category>
		<category><![CDATA[BERLINALE Archiv]]></category>
		<category><![CDATA[Kihachi]]></category>

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		<description><![CDATA[Bewertung: Die Filme Okamoto Kihachis als Tribute im Forum. Nihilistische Samurei-Epen und knallharte Antikriegsfilme. Ohne Wenn und Aber: Die Entdeckung der Berlinale. Die Filme Kihachis werden noch bis Ende M&#228;rz im Kino Arsenal wiederholt. Wo graben die nur diese ganzen geilen Filme aus? Jedes Jahr wird im Forum mit sch&#246;ner Regelm&#228;&#223;igkeit einfach ein neues japanisches [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Bewertung: Die Filme Okamoto Kihachis als Tribute im Forum. Nihilistische Samurei-Epen und knallharte Antikriegsfilme. Ohne Wenn und Aber: Die Entdeckung der Berlinale.</strong><span id="more-10"></span></p>
<p>Die Filme Kihachis werden noch bis Ende M&#228;rz im Kino Arsenal wiederholt.</p>
<p>Wo graben die nur diese ganzen geilen Filme aus? Jedes Jahr wird im Forum mit sch&#246;ner Regelm&#228;&#223;igkeit einfach ein neues japanisches Regiegenie aus der Taufe gehoben, als h&#228;tten die da Anfang der 50&#8242;er ein ganzes Fa&#223; aufgemacht. Nach dem phantastischen Nobuo Nagakawa auf der letzten Berlinale hei&#223;t die neueste Ausgrabung dieses Jahr Okamoto Kihachi. In Europa kannte man bislang nur sein Samurei-Meisterwerk „The Sword of Doom“. Im Forum war jetzt noch mehr zu sehen.</p>
<p>Fangen wir mit seinem bekanntesten Werk an. „The Sword of Doom“ (Daibosatsu toge) aus dem Jahr 1966 erz&#228;hlt die Geschichte des Samurei-Schwertk&#228;mpfers Tsukue Ryunosuke. Nicht zum ersten Mal, drei sehr erfolgreiche Verfilmungen dieses bekannten Romans um einen Krieger am Ende des Tokugawa-Shogunats in Edo (Tokyo), also um ca. 1860, hatte es zuvor schon gegeben. Aber Kihachi findet einen v&#246;llig neuen Zugang zum popul&#228;ren Stoff, indem er das Psychopathische der Hauptfigur in den Vordergrund seiner Inszenierung stellt. Ryunosuke wird zum nihilistischen Monster, hervorragend gespielt von Nakadai Tatsuya mit Buster-Keaton-Mimik. Ryunosuke ist ein Fremdk&#246;rper in dieser Welt, er geh&#246;rt nirgends dazu, er hat keine Freuden, keine Frau, keine Ideale. Er lebt ausschlie&#223;lich f&#252;r den Schwertkampf, in dem er mit unerbittlicher Konsequenz alles abschlachtet, was sich ihm in den Weg stellt, den besten Freund inbegriffen. Gro&#223;artig sind die Choreographien der Schwertk&#228;mpfe, in denen mehrmals ein ganzes Heer von einem einzelnen Samurei hingerichtet wird (warum lassen die sich eigentlich immer sch&#246;n einer nach dem anderen abmurksen, statt einfach alle auf einmal anzugreifen, muss wohl mit dem japanischen Ehrenkodex zusammenh&#228;ngen). Am Ende wird Ryunosuke endg&#252;ltig wahnsinnig. Er sieht &#252;berall Schatten und zerschl&#228;gt in einer gewaltigen Schlacht die Inneneinrichtung des Geisha-Hauses, in dem er sich gerade befindet, w&#228;hrend seine Gegner drau&#223;en auf ihn warten. Es ist das erste Mal im Film, dass sich seine Gesichtsz&#252;ge ver&#228;ndern. Sie entstellen sein Gesicht zu einer Maske des Wahnsinns, w&#228;hrend er auf den Bambus eindrischt. Ryunosuke ist nicht mehr l&#228;nger ein Mensch, er ist nur noch die Verl&#228;ngerung seines Schwertes. Leo gibt f&#252;r Doom die &#220;bersetzungsvarianten „drohendes Unheil, dunkles Schicksal, Untergang, Verh&#228;ngnis“ aus. Passend scheinen alle Varianten. Von daher w&#228;re es interessant zu wissen, was im japanischen Titel denn nun genau steht. In Japan floppte der Film im Gegensatz zum Westen, ein so negatives und d&#252;steres Bild des Kriegers wollte man wohl nicht sehen.</p>
<p>Kihachis Filme zerfallen in zwei gro&#223;e Bl&#246;cke, einerseits die Samurei-Filme, andererseits die zahlreichen Kriegsfilme. Letztere halte ich f&#252;r die gro&#223;e Entdeckung der Berlinale. Zwei v&#246;llig gegens&#228;tzliche Filme markieren dabei die beiden H&#246;hepunkte im Filmschaffen Kihachis. Die Gro&#223;produktion der Produktionsfirma Toho „The Emperor and a General“ (Nihon no ichiban nagai hi) wurde mit Staraufgebot und Riesenbudget zu Ehren des 35-j&#228;hrigen Bestehens der Firma gedreht, die Realisierung von Kihachis pers&#246;nlichstem Projekt „Human Bullet“ (Nikudan) hingegen verweigerte Toho drei Jahre lang, bis Kihachi schlie&#223;lich entnervt aufgab und mit minimalen Produktionskosten das Projekt auf eigene Rechnung drehte. Anzumerken sind die v&#246;llig verschiedenen Produktionsbedingungen den beiden Filmen aber nicht.</p>
<p>„The Emperor and a General“ ist ein spannendes und realistisches Dokudrama &#252;ber die letzten 24 Stunden vor der japanischen Kapitulation im Zweiten Weltkrieg. Gespr&#228;che und Verhandlungen der Regierung sowie die aufbegehrenden Offiziere der kaiserlichen Garde, die eine Verst&#228;rkung der Kamikaze-Angriffe und eine Endschlacht auf dem japanischen Kernland fordern, eskalieren die Situation schnell an den Rand eines Staatsstreiches. Schon nach kurzer Zeit entwickelt der Film die Spannung eines Hollywood-Thrillers, obwohl man das Ende ja eigentlich kennt. Unglaublich be&#228;ngstigend sind die jungen Soldaten, die, moderne Wiederg&#228;nger Ryunosukes, jedem rationalen Argument verschlossen sind. Die fanatische Begeisterung, mit der sie den eigenen totalen Untergang herbeizwingen und ein ganzes Land in den Seppuku-Selbstmord treiben wollen, wird von Kihachi gro&#223;artig in Szene gesetzt. Was f&#252;r Drogen mag er seinen Darstellern gegeben haben, dass diese wie vollkommen Irrsinnige kreischen, dass Hitler auf der Klimax seiner Reden verglichen damit wie ein sachlich und n&#252;chtern argumentierender Intellektueller wirkt.</p>
<p>Kihachi selbst hat es sp&#228;ter als gro&#223;es Gl&#252;ck gesehen, dass er den 2. Weltkrieg &#252;berlebt hat. Er geh&#246;rt der verlorenen Generation an, die 1924 geboren wurden. Kein anderer Geburtsjahrgang hatte nach dem Krieg mehr Opfer zu beklagen. F&#252;r Kihachi war der Krieg ein Initiationserlebnis, das er nie vergessen sollte, obwohl er nur die letzten 8 Monate dienen mu&#223;te. Seine pers&#246;nliche Abrechnung mit dem Krieg gelang ihm 1968 mit der rabenschwarzen Satire „Human Bullet“. Wieder steht ein Kamikaze-Krieger im Mittelpunkt der Handlung, aber diesmal wird ein ganz anderer Film daraus. Nicht der Soldat ist der Wahnsinnige, die Umst&#228;nde sind wahnsinnig. Terada Minori spielt den dummschlauen Schelm „Er“, der als menschliches Geschoss (Human Bullet) am Ende des Krieges in einem Fass an einen Torpedo angekettet, den Feind sucht. W&#228;hrend er im Fass seiner Bestimmung entgegenschwimmt, zieht sein bisheriges Leben an ihm vorbei, der Drill und der Hunger nach der Einberufung, die „Bef&#246;rderung“ zum Kamikaze-Krieger, die erste Liebe, die Zerst&#246;rung der Stadt bei einem Fliegerangriff. Die Absurdit&#228;t des Krieges und vor allem der massiven Selbstmordeins&#228;tze in den letzten Tagen kontert Kihachi mit groteskem Witz, vielleicht nur vergleichbar mit dem fast zur selben Zeit entstandenen „Dr. Seltsam oder Wie ich lernte, die Bombe zu lieben“ von Kubrick.</p>
<p>Die Filme Kihachis werden im Februar und M&#228;rz im Kino Arsenal gezeigt. Nach den Erfahrungen der letzten Jahre zu urteilen, d&#252;rfte dies die letzte Gelegenheit sein, die Filme zu sehen. Weder Ozu noch Nagakawa hatten im Anschluss an die Berlinale Eingang ins europ&#228;ische Filmtreiben. Lediglich von „The Sword of Doom“ gibt es eine DVD-Fassung. Ich empfehle ausnahmslos alle Filme, besonders aber „The Emperor and a General“ und „Human Bullet“. Termine gibt es hier: http://www.fdk-berlin.de</p>
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		<title>Wem er noch nicht zum Hals raush&#228;ngt</title>
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		<pubDate>Mon, 19 Feb 2007 18:14:35 +0000</pubDate>
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		<title>„&#8230;. a bude hur&#8221;, It gonna get worse (Forum)</title>
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		<pubDate>Mon, 19 Feb 2007 17:52:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>holger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Regie: Petr Nikolaev, nach dem gleichnamigen Roman von Jan Pelc Tschechische Republik 84 Min. OmE Bewertung:Tschechischer Generationenfilm &#252;ber die Hippie-Jugend in der CSSR der 70&#8242;er Jahre. Recht konventionelles Samstagabend-Popcorn-Kino f&#252;r die reifere Jugend mit interessantem Verleihkonzept. Der Verleih beabsichtigt keine konventionelle Verwertung via Kino/ Fernsehen/ DVD. Der Hippie Olin ist gerade aus der psychiatrischen Anstalt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Regie:</strong> Petr Nikolaev, nach dem gleichnamigen Roman von Jan Pelc<br />
Tschechische Republik<br />
84 Min.<br />
OmE</p>
<p><strong>Bewertung:Tschechischer Generationenfilm &#252;ber die Hippie-Jugend in der CSSR der 70&#8242;er Jahre. Recht konventionelles Samstagabend-Popcorn-Kino f&#252;r die reifere Jugend mit interessantem Verleihkonzept.<br />
Der Verleih beabsichtigt keine konventionelle Verwertung via Kino/ Fernsehen/ DVD.</strong><span id="more-137"></span></p>
<p>Der Hippie Olin ist gerade aus der psychiatrischen Anstalt entlassen worden, in die er eingeliefert wurde, weil er sich die Pulsadern aufgeschnitten hat, um dem Wehrdienst zu entgehen. Er wird schnell Schl&#252;sselfigur einer Gruppe von jugendlichen Underdogs in der CSSR der 70&#8242;er Jahre, also inmitten des politischen Backlash nach dem Prager Fr&#252;hling. Die Gruppe orientiert sich an aus dem Westen bekannten Vorbildern: Sex, Drugs and Rock&#8217;n'Roll. Aber im kommunistischen Polizeistaat gibt es keine Subkultur.</p>
<p>[Mehr:]</p>
<p>Schon bald versch&#228;rfen sich die Konflikte zwischen den nach einem freien Leben gierenden Jugendlichen und den Staatskr&#228;ften. Als es bei einer Razzia zum Gewaltausbruch kommt, wird die Gruppe zerschlagen. Olin gelingt als einzigem die Flucht in den Westen.</p>
<p>Regisseur Nikolaev hat den Film ausschlie&#223;lich mit Laiendarstellern realisiert, um den Film authentischer wirken zu lassen. Der Versuch ist gelungen. Die Verfilmung eines tschechischen Bestsellers ist rundum gelungenes PopCorn-Kino mit einer interessanten Geschichte, sympathischen Figuren und stimmungsvoller Musik. Als filmisches Vorbild eines Generationenfilms nennt Nikolaev „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“, was mich zun&#228;chst &#252;berraschte, aber dann doch passt.</p>
<p>Etwas verwirrt hat mich der Film aber schon. Was hat der denn im experimentell-avantgardistisch ausgelegten Forum zu suchen? W&#228;re das hier nicht eher was f&#252;rs Panorama als kleinem Wettbewerb, so mainstreamig kommt dieser Film daher. Warum der Film dann doch ins Forum passt, erkl&#228;rt ein Blick ins Beiblatt mit einem Interview mit Nikolaev. „&#8230;. a bude hůř“ ist nicht allein ein Film, f&#252;r die Filmmusik wurde eine eigene Band A Bude Hůř gegr&#252;ndet. Da es ein Film &#252;ber Aussteiger ist, schien es dem Verleih falsch, den Film kommerziell auszuschlachten. Der Film w&#252;rde, so Nikolaev, viel von seiner Botschaft einb&#252;&#223;en. Es wird deshalb, zumindest in der Tschechischen Republik, keine Vorf&#252;hrungen im Kino oder Fernsehen und auch keine DVD-Fassung geben. Geplant ist die Vorf&#252;hrung im Rahmen von Kunstevents zusammen mit Konzerten der Band A Bude Hůř in Clubs, Kneipen und auf Musikfestivals. Vielleicht war ich in einer der einzigen vier Kinovorf&#252;hrungen. Ein Filmproduzent steigt aus.</p>
<p>Wenn also der Club Deiner Wahl demn&#228;chst eine tschechische &#8230;. a bude hůř-Nacht anbieten sollte, nimm noch etwas Gras mit.</p>
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		<title>Last Day</title>
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		<pubDate>Mon, 19 Feb 2007 07:16:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>kleo</dc:creator>
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		<category><![CDATA[BERLINALE Archiv]]></category>

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		<description><![CDATA[Den letzten Tag widme ich deutlich mainstreamigeren Filmen. Auf dem Weg zum Berlinalepalast, wo ich mir &#8220;Ich bin ein Cyborg, aber das ist o.k.&#8221; ansehe, duftet die feuchte Erde schon fr&#252;hlingshaft warm. Nein, das passt nicht zur Berlinale und es wird Zeit, das sie zu Ende geht. Ich schaffe, es nicht mehr mich mit Susan [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="bMore">Den letzten Tag widme ich deutlich mainstreamigeren Filmen. Auf dem Weg zum Berlinalepalast, wo ich mir &#8220;Ich bin ein Cyborg, aber das ist o.k.&#8221; ansehe, duftet die feuchte Erde schon fr&#252;hlingshaft warm. Nein, das passt nicht zur Berlinale und es wird Zeit, das sie zu Ende geht.<span id="more-79"></span> Ich schaffe, es nicht mehr mich mit Susan und Frank zu treffen, stattdessen f&#252;hle ich eine Erk&#228;ltung in mir aufsteigen und w&#228;hrend einer Schnellsuppe in den Potsdamer Platz Arcarden bin ich schon am &#252;berlegen, ob ich nicht lieber ins Bett steige, da ich am n&#228;chsten Tag wieder fr&#252;h raus muss. Susan &#252;berzeugt mich, mir den letzten Film &#8220;Beaufort&#8221; doch noch anzusehen. Es ist knackend voll im &#8220;International&#8221;. Und mit einem Abschlu&#223;bier sehe ich mir den letzten Film dieser Berlinale an.</p>
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		<title>Gucha, The Distant Trumpet (Panorama)</title>
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		<pubDate>Sat, 17 Feb 2007 11:48:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>katja huning</dc:creator>
				<category><![CDATA[Berlinale 2007]]></category>
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		<description><![CDATA[Viel Trompete um eine serbische Liebesromanze Regie: Dusan Milic Deutschland, Republik Serbien, Bulgarien, &#214;sterreich 2006 94 Minuten D: Marko Markovic, Aleksandra Manasijevic Deutscher Kinostart: 23.08.07 Bewertung: Wer genauer hinschaut, dem bleibt das schmackhafte Spanferkel, das auf Hunderten von Spie&#223;en zum Sauerkraut gegart wird, im Halse stecken. Romeo liebt Juliana. Mit seiner Trompete hat er ihr [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Viel Trompete um eine serbische Liebesromanze</strong></p>
<p><strong>Regie:</strong> Dusan Milic<br />
Deutschland, Republik Serbien, Bulgarien, &#214;sterreich 2006<br />
94 Minuten<br />
D: Marko Markovic, Aleksandra Manasijevic<br />
<strong>Deutscher Kinostart: 23.08.07</strong></p>
<p><a href="http://www.dasblogzumhof.de/wp-content/uploads/2007/06/gucha.jpg" title="gucha.jpg"><img src="http://www.dasblogzumhof.de/wp-content/uploads/2007/06/gucha.jpg" alt="gucha.jpg" align="left" /></a><strong>Bewertung: Wer genauer hinschaut, dem bleibt das schmackhafte Spanferkel, das auf Hunderten von Spie&#223;en zum Sauerkraut gegart wird, im Halse stecken.</strong><span id="more-13"></span><br />
Romeo liebt Juliana. Mit seiner Trompete hat er ihr Herz erobert, genauso schnell den Zuschauer und –h&#246;rer dieses serbischen Musikfilms. Ihr Vater allerdings, nach seinem Idol Louis Armstrong Satchmo genannt und selbst ein ber&#252;hmter Trompeter, verbietet seiner Tochter die Liebe zu einem Rom. „Sch&#228;m Dich, mit einem Zigeuner herumzulaufen!“ Um sie doch noch lieben zu d&#252;rfen, soll Romeo Julianas Vater bei der „Weltmeisterschaft der Blechbl&#228;ser“ in der serbischen Kleinstadt Gucha schlagen. Gucha! Von der FAZ als „serbisches Woodstock“ gepriesen, l&#228;dt es Serben wie ausl&#228;ndische G&#228;ste zur Romantisierung ein. Wer einmal da war, der sp&#252;rt noch die Rhythmen des ungewohnten 7/8 Takts in seinen Beinen, der sieht noch die Roma-Orchester mit ihren aufgebl&#228;hten Froschbacken und unglaublicher Kondition und erinnert sich der zerdepperten Tuben und Posaunen, in die die Geldscheine nur so hineinflattern.</p>
<p>[Mehr:]</p>
<p>Wer genauer hinschaut, dem bleibt die Romantisierung bzw. das schmackhafte Spanferkel, das auf Hunderten von Spie&#223;en zum Sauerkraut gegart wird, im Halse stecken.Gucha ist kein Fest des lustigen Zigeunerlebens. Es ist ein Saufgelage, auf dem Souvenirs mit dem Konterfei der serbischen Kriegsverbrecher Mladic und Karadzic von Verk&#228;ufern in Kosovo-T-Shirts feilgeboten werden, dazu gerne die M&#252;tzen der Tschetniks getragen werden und im Vollsuff gar Srebrenicaspr&#252;che skandiert werden – so zumindest noch 2004. F&#252;r die Roma scheint Guca in der filmfernen Realit&#228;t vor allem eine Arbeitsst&#228;tte zu sein. Wenn im Vorfeld des Wettbewerbs Roma-Orchester von Festzelt zu Festzelt ziehen und die immer gleichen Klassiker aus den Kusturica-Filmen spielen, verdienen sie damit ihr Geld. Unter den G&#228;sten aber, die sich bespielen lassen, finden sich keine Roma.<br />
Und wenn man die jungen Romni beobachtet, die noch fast Kinder sind, &#228;u&#223;erst sexy tanzen und sich daf&#252;r Geld erhoffen, wird deutlich, wie weit der Alltag vieler Roma in Serbien von dem einiger ber&#252;hmter Musiker entfernt ist und wie sie verzweifelt versuchen, an dem Ruhme Guchas zu partizipieren. Zur&#252;ck auf den Stra&#223;en Belgrads, sind sie wieder ganz normale Bettlerinnen.</p>
<p>Der Regisseur Dusan Milic, nach den Unterschieden zwischen den beiden Nationen befragt, sagt, es gebe eigentlich keinen, sie feiern die gleichen Feste und haben die gleichen Ikonen im Haus, nur wegen der vielen Vorurteile sehen viele diese Gemeinsamkeiten nicht. Die gleichen Ikonen im Haus, aber wie gleich sind die H&#228;user? Die soziale Randlage der meisten Roma interessiert Milic kaum. Er reduziert sein Thema durch die st&#228;ndige Zuschreibung der Roma als „schwarz“ und der Serben als „wei&#223;“ auf eine Frage der Hautfarbe. Gerade diesen konstruierten Gegensatz – zumindest stelle ich mir unter Schwarzen eher Schwarzafrikaner vor – nivelliert er dann interessanterweise mithilfe der Religion. Will es also ein idealistischer Film gegen Vorurteile sein, bleiben muslimische und katholische Serben mit anderen Ikonen im Hause au&#223;en vor.</p>
<p>Nach seinem Interesse am Topoi Gucha befragt, verweist Milic auf die zwei Arten, die Trompete zu blasen, die „schwarze“ und die „wei&#223;e“. aus diesem Wettkampf zwischen schwarzer und wei&#223;er Trompete macht er den Wettkampf zwischen schwarz und wei&#223;, zwischen serbischer Mehrheitsbev&#246;lkerung und der Minderheit der Roma. Kein Sozialdrama aber wollte er machen, sondern eine serbische Romeo und Julia Lovestory mit Happy End. Angek&#252;ndigt als Melodram ist diese temperamentvolle Liebesgeschichte eher ein Musikfilm, der sich zwischen Kitsch und Klamauk, Western, Heimatfilm und M&#228;rchen bewegt. Und am Ende gewinnt die Liebe und wenn sie nicht gestorben sind, dann lieben sich Romeo und Juliana noch heute.</p>
<p>Bevor es aber soweit kommt, m&#252;ssen einige Abenteuer bestanden werden. Denn wenn „Gucha“ ein M&#228;rchen ist, ist Satchmo der K&#246;nig, der seine Tochter – die Prinzessin mit Zahnspange, aber langem goldenen Haar – Romeo zur Braut, zumindest aber zur Freundin verspricht, wenn er ihn in Gucha mit seiner Trompete besiegt. Die Trompete, deren T&#246;ne weite Entfernungen &#252;berwinden kann, ist der virtuose Zauberstab, the distant trumpet. Drei Hindernisse liegen auf dem Weg nach Gucha: Romeos Familie muss vor dem Rachefeldzug von Satchmos Meute nach einem ersten Fluchtversuch unseres Liebespaares gerettet werden; Romeos Stiefbruder Ricky, ein derber Gegenpol zum zarten Romeo, der sich intrigant den Platz als erster Trompeter bei den „Sandokan Tigern“ erobert hat, muss mit Rizinus&#246;l auf das Klo verbannt werden und die sch&#246;ne Juliana von ihrem im Rollstuhl sitzenden Bruder aus dem v&#228;terlichen Schuppen befreit werden.</p>
<p>Drei Proben sind bestanden und Romeo steht endlich auf den B&#252;hnenbrettern Guchas, die Trompetern die Welt bedeuten. Er gewinnt die &#8220;Goldene Trompete&#8221; als bester Trompeter, Satchmo jedoch gewinnt sie ebenfalls, indem er als bestes Orchester gek&#252;rt wird. Der Wettkampf muss also in eine weitere Runde: Romeo gegen Satchmo. Beide im Triumph nach dem Sieg der &#8220;Goldenen Trompete&#8221; getragen und in den Himmel gereckt von ihren Freunden. Von dort oben setzen sie noch einmal ihre Trompeten an zum letzten Duell. Die Kamera schwenkt auf Romeo, schwenkt auf Satchmo, zeigt Angriff, zeigt Paroli der virtuosen Tonk&#252;nstler. Schwenkt die Kamera auf Romeo, ist sein Gesicht gekr&#228;nzt vom Riesenrad, das leuchtet in allen Farben in dieser Nacht der Trompete. Schwenkt sie zur&#252;ck auf Sachmo, wird sein Gesicht eingerahmt von dem Blau-Wei&#223;-Rot der serbischen Fahne, die jemand genau hinter ihm schwenkt. Das fahrende Volk gegen die wei&#223;e serbische Nation? Im Kampf der virtuosen Finger, der atemberaubenden T&#246;ne muss Satchmo schlie&#223;lich einr&#228;umen: „Du hast gewonnen.“<br />
Die Liebe und die „schwarze“ Art, die Trompete zu spielen, haben gewonnen. Dies ist aber nur m&#246;glich, weil Romeo und Satchmo als begnadete Tompeter gleichberechtigt zum Duell antreten konnten. Dies aber bleibt wohl den meisten Roma des Balkans in ihrer Lebenssituation verwehrt.</p>
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		<title>Kino als Zeitmaschine (Forum)</title>
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		<pubDate>Sat, 17 Feb 2007 10:31:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>holger</dc:creator>
				<category><![CDATA[Berlinale 2007]]></category>
		<category><![CDATA[BERLINALE Archiv]]></category>

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		<description><![CDATA[Prater, &#214;sterreich/ Deutschland 2007, R: Ulrike Oettinger, Deutsch, 104′ Potosi, le temps du voyage, Israel/ Frankreich 2007, Englisch/Spanisch/Hebr&#228;isch/Quechua, R: Ron Havilio, 246′ The Halfmoon Files, Deutschland 2007, R: Philip Scheffner, Englisch/ Deutsch, 87′ Village People Radio Show (Apa khabar orang kampung), Malaysia 2007, Malaiisch/ Thai, R: Amir Muhammad, 72 &#8216; Sammelkritik zu 4 Dokumentationen im [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Prater</strong>, &#214;sterreich/ Deutschland 2007, R: Ulrike Oettinger, Deutsch, 104′<br />
<strong>Potosi, le temps du voyage</strong>, Israel/ Frankreich 2007, Englisch/Spanisch/Hebr&#228;isch/Quechua, R: Ron Havilio, 246′<br />
<strong>The Halfmoon Files</strong>, Deutschland 2007, R: Philip Scheffner, Englisch/ Deutsch, 87′<br />
<strong>Village People Radio Show (Apa khabar orang kampung)</strong>, Malaysia 2007, Malaiisch/ Thai, R: Amir Muhammad, 72 &#8216;</p>
<p><strong>Sammelkritik zu 4 Dokumentationen im Forum. Ich empfehle mit Einschr&#228;nkungen „Potosi“ und vor allem „Village People Radio Show“. „Prater“ kann man sehen, wenn man eh nichts besseres vorhat, von den „Halfmoon Files“ rate ich ab.</strong><br />
<span id="more-7"></span><br />
Die Dokumentationen des Forums 2007 richten ihren Blick in die Vergangenheit und versuchen Spuren des Vergangenen wiederaufzusp&#252;ren. Was sich zu Beginn mit „Le cercle des noyes“ bereits andeutete, scheint dabei einen Trend zu markieren. Die Dinge nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, ist ein Hauptanliegen des modernen Dokumentarfilms. Ist die Gegenwart wirklich so langweilig, oder sind wir dabei, wichtige Informationen zu verlieren? 4 Filme des Forums geben ganz verschiedene Antworten.</p>
<p>Fangen wir hinten an, beim letzten Film.“The Halfmoon Files“ von Philip Scheffner ist eine Geistergeschichte. Der Film erz&#228;hlt die Geschichte einer Recherche. Per Zufall st&#246;&#223;t Scheffner auf das Tonarchiv der Humboldt-Universit&#228;t. Dieses Archiv hat seinen Ursprung im 1. Weltkrieg. Exotische Gefangene aus Kampfverb&#228;nden der Alliierten wurden zentral im Kriegsgefangenenlager W&#252;nsdorf bei Berlin (der heutigen „B&#252;cherstadt“) gefangengesetzt. Tartaren aus Zentralasien, Schwarze aus Afrika und Inder werden gemeinsam einkasarniert. Die Wissenschaftler entdecken das Potential und beginnen, die einmalige Chance nutzend, Untersuchungen an den fremdartigen Menschen. Vorreiter sind dabei die Linguisten, die in wenigen Jahren ein gewaltiges Lautarchiv anlegen, mit Stimmen und Musik der infaftierten Kriegsgefangenen. Auch ein Propagandafilm wird mit den exotischen Darstellern gemacht. Sp&#228;ter kommen Ethnologen hinzu, die die Gefangenen fotografieren und ihre K&#246;rper genauestens vermessen. Scheffners Interesse gilt Mall Singh, einem indischen Sikh, der zu den wenigen Aufnahmen geh&#246;rt, in denen der Untersuchte frei sprechen darf (fast alle Aufnahmen beinhalten, da es sich um linguistische Untersuchungen handelt, abgelesene Texte und Worte. Mall Singh erz&#228;hlt seine Geschichte, wie er von Indien als Kolonialsoldat der Engl&#228;nder in ein deutsches Kriegsgefangenenlager kam. Scheffner versucht die Nachfahren Singh zu finden und zu interviewen. Der Versuch scheitert. Zwar findet sich noch ein Gro&#223;enkel in Indien, aber Scheffner bekommt keine Drehgenehmigung. Auch andere Spuren versiegen. Der Propagandafilm ist nicht mehr aufzufinden, T&#252;ren mit Namen der Infaftierten wurden von den neuen Besitzern der Baracken verbrannt. Es bleibt eine Geistergeschichte, nur die Stimme Singhs ist erhalten geblieben und spricht noch nach fast 100 Jahren &#252;ber den Phonographen. Ein Problem f&#252;r Scheffner sind auch die fehlenden Bilder, da er nur ein paar Tondokumente hat. So entsteht ein Film, der eher die (erfolglose) Recherche zum Thema hat, v.a. Gespr&#228;che in der indischen Botschaft. Als st&#246;rend habe ich zudem die moralinsaure Emp&#246;rung empfunden, mit der Scheffner die wissenschaftlichen Untersuchungen geschildert hat und unterschwellig in die N&#228;he der nationalsozialistischen Rassentheoretiker gestellt hat (von denen allerdings einige in untergeordneter Position tats&#228;chlich in W&#252;nsdorf auch dabei waren). Den Vorwurf, die individuellen Geschichten und Schicksale h&#228;tten die Wissenschaftler nicht interessiert, kann ich bei einer linguistischen Forschung beim besten Willen nicht nachvollziehen.</p>
<p>Der zweite deutsche Beitrag ist Prater von Ulrike Ottinger. Ottinger n&#228;hert sich ihrem Gegenstand, indem sie aus alten Filmaufnahmen, Fotografien, Schallplatten, Textausz&#252;gen (darunter ein extra f&#252;r diesen Film geschriebener Prater-Bekenntnis-Text von Elfriede Jelinek, die den Text auch selber vorliest), Beobachtungen und Interviews mit Budenbetreibern so etwas wie ein filmisches &#196;quivalent zum Wiener Vergn&#252;gungspark erschafft. Sie selbst nennt das abwechselnd Kaleidoskop oder Mosaik. So wie im alten Prater fr&#252;her ganze Orte nachgebildet wurden (als kolonialistischer Extremfall ein ganzes “Negerdorf” Ende des 19. Jahrhunderts, f&#252;r das man ein echtes afrikanisches Dorf komplett mit Menschen f&#252;r mehrere Monate importierte), habe sie mit dem Film den Prater als Kulisse zeigen wollen. Ottinger hat ohne Zweifel ein Gesp&#252;r f&#252;r interessante Bilder und Einstellungen und der Film gro&#223;e St&#228;rken im Visuellen. Vielleicht muss man wie die Regisseurin vom Jahrmarkt fasziniert sein, was f&#252;r den Rezensenten nicht gilt, um diesen Film faszinierend zu finden. Ulrike Ottinger hat genug gro&#223;artige Filme gemacht. Da darf sie auch mal ein etwas m&#252;des Alterswerk vorlegen.</p>
<p>Eine &#228;hnliche Herangehensweise &#252;ber alte Fotografien versucht der israelische Filmemacher Ron Havilio in seinem Film „Potose, le temps du voyage“. Ausgangsmaterial seiner Spurensuche sind die Fotografien, die er gemeinsam mit seiner Frau auf einer Reise vor 30 Jahren nach Potosi gemacht hat. Potosi, in den bolivianischen Anden auf 4500 Metern H&#246;he gelegen, war zur Zeit der Inka wegen der zahlreichen Silberminen eine der gr&#246;&#223;ten und wohlhabendsten St&#228;dte der Welt. Heute versinken die Menschen in Armut. Ihre Arbeit besteht immer noch im Silberabbau, wobei sich die Bev&#246;lkerung aufteilt in die, die bei einem internationalen Unternehmen mit Maschinen abbauen, und diejenigen, die in einer Kooperative nach alter Art in Handarbeit mit Dynamit das Silber abbauen. Wegen der staubhaltigen Luft in den Minen ist die Lebenserwartung f&#252;r die in den Minen arbeitenden M&#228;nner gering, Kinderarbeit ist normal. Havilio bereist die Stadt erneut, diesmal mit seiner Frau und den 3 T&#246;chtern, die inzwischen geboren wurden. Gemeinsam machen sie sich auf die Suche nach den Menschen, die auf den alten Fotografien zu sehen sind. Es entsteht ein wundersch&#246;ner Filmessay &#252;ber die Stadt, die Menschen, die gemeinsame Reise einer Familie und dar&#252;ber, wie wir die Wirklichkeit, die wir sehen, immer schon in unserer Beobachtung beeinflussen. Am Ende muss der Vater seiner Tochter recht geben, die ihn darauf hinweist, wie fr&#246;hlich die Menschen alle trotz ihrer Armut sind. Er selbst ist es, der seine eigene Traurigkeit in die Stadt hineingelegt hat. Nach dem gro&#223;angelegten „Jerusalem. Fragments“ von 1999 legt Havilio hier erst seinen zweiten Film vor, der aber wieder &#252;berzeugen konnte. Das sollen mehr als 4 Stunden gewesen sein? Mir kamen 80-Minuten-Filme schon l&#228;nger vor. Allein die vielen unglaublich sch&#246;nen S/W-Fotografien von 1970 lohnen den Film.</p>
<p>Eines der Highlights im Forum 2006 war sicherlich Amir Muhammads Doku-Musical „The Last Communist“ &#252;ber den im thail&#228;ndischen Exil lebenden letzten gro&#223;en F&#252;hrer der kommunistischen KP. In seinem neuen Film „Village People Radio Show“ hat Muhammad eine Nebenlinie des Projekts, das damals nicht realisiert werden konnte, weiterverfolgt. Es ist die Geschichte der in einem thail&#228;ndischen Dorf als Bauern im Exil lebenden malaiischen Kommunisten. Es sind keine normalen malaiischen Kommunisten. W&#228;hrend die meisten Kommunisten Malaysias aus der eher atheistisch eingestellten chinesisch-st&#228;mmigen Minderheit stammten, was auch von der Propaganda Malaysias bis heute so dargestellt wird, ist in diesem Dorf eine Unterabteilung der kommunistischen Guerilla aus muslimischen Malaien zu sehen, die bis heute ihrem Glauben nachgehen. Wie schon in seinem letzten Film h&#228;lt sich Muhammad nicht mit Archivbildern auf. Er l&#228;&#223;t die noch lebenden Kommunisten vom jahrelangem Guerillakrieg erz&#228;hlen, dazwischen sind immer wieder Bilder des idyllischen Dorflebens und der allgegenw&#228;rtigen H&#252;hner zu sehen. Der Film ist sehr viel ruhiger und langsamer geworden als das schrille „The Last Communist“. Aber auch hier hat Muhammad wieder Brechungen der Erz&#228;hlung eingebaut. Da ist zum einen ein (selbstproduziertes) H&#246;rspiel mit einem Eifersuchtsdrama zwischen K&#246;nig Tong und K&#246;nig Panu um die K&#246;nigin Chalida, das locker auf dem „Winterm&#228;rchen“ Shakespeares aufsetzt, und das geschilderte politische Geschehen illustriert. Zum anderen wird der Film immer wieder von St&#246;rbildern und schrillen St&#246;rger&#228;uschen unterbrochen, um die Zerbrochenheit der Biographien der Personen zu verdeutlichen. Muhammad kommt dem auch experimentellen Anspruch des Forums sicherlich am weitesten entgegen, ganz die Klasse des schr&#228;gen „The Last Communist“ erreicht die „Village People Radio Show“ aber nicht.</p>
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		<title>Teeth (Panorama) &#8211; Horrortrashkom&#246;die &#252;ber bei&#223;ende Vagina</title>
		<link>http://www.dasblogzumhof.de/festivals/allgemein/teeth-panorama-horrortrashkomoedie-ueber-beissende-vagina.php</link>
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		<pubDate>Fri, 16 Feb 2007 10:21:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>kleo</dc:creator>
				<category><![CDATA[Berlinale 2007]]></category>
		<category><![CDATA[BERLINALE Archiv]]></category>

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		<description><![CDATA[Regie: Mitchell Lichtenstein USA 2007 88 Minuten OmU 16.2., 14.30 Uhr, Cubix 9 18.2., 21.00 Uhr, CinemaxX 7 Bewertung: Highschoolfilm &#252;ber ein M&#228;dchen, das ein Keuschheitsgel&#252;bte ablegt und entdecken muss, dass ihre Vagina scharfe Z&#228;hne hat. Stellenweise ganz witzig, aber ansonsten einfallsloser Trashbl&#246;dsinn. Versetzt mit Horrorelementen. Beim Highschoolm&#228;dchen Dawn stellen sich die ersten sexuellen Bed&#252;rfnisse [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Regie:</strong> Mitchell Lichtenstein<br />
USA 2007<br />
88 Minuten<br />
OmU<br />
16.2., 14.30 Uhr, Cubix 9<br />
18.2., 21.00 Uhr, CinemaxX 7</p>
<p><a href="http://www.dasblogzumhof.de/wp-content/uploads/2008/01/teeth_still02.jpg" title="teeth_still02.jpg"><img src="http://www.dasblogzumhof.de/wp-content/uploads/2008/01/teeth_still02.jpg" alt="teeth_still02.jpg" /></a><br />
<strong>Bewertung: Highschoolfilm &#252;ber ein M&#228;dchen, das ein Keuschheitsgel&#252;bte ablegt und entdecken muss, dass ihre Vagina scharfe Z&#228;hne hat. Stellenweise ganz witzig, aber ansonsten einfallsloser Trashbl&#246;dsinn. Versetzt mit Horrorelementen.</strong><br />
<span id="more-102"></span></p>
<p>Beim Highschoolm&#228;dchen Dawn stellen sich die ersten sexuellen Bed&#252;rfnisse ein, aber sie und ihr zuk&#252;nftiger Lover haben ein Keuschheitsgel&#252;bde abgelegt. Als ihr Lover, in einer romantischen Grotte &#252;ber sie herf&#228;llt und Dawn zwischen Lust und Gewissen hin- und hergerissen wird, &#252;bernimmt ihre Vagina die Entscheidung f&#252;r sie &#8211; happs ist es ab, das gute St&#252;ck.<br />
Der Lover stirbt vor Schreck und Dawn geht zum Gyn&#228;kologen. Was dort passiert, kann man sich vorstellen.<br />
Um diese schwachsinnige Trashstory irgendwie nicht ganz so einfallslos aussehen zu lassen, legitimiert Regisseur Mitchell Lichtenstein sie mit dem Mythos der Vagina dentata, haupts&#228;chlich durch Sigmund Freud bekannt, der besagt, dass es untenrum bezahnte Frauen g&#228;be. Laut Freud ein m&#228;nnlicher Ausdruck von Kastrationsangst, vor allem in asiatischen Kulturen.  Dawn entdeckt, dass sie ihre Waffe gegen allzu aufdringliche Kerle, die sie nur als Sexspielzeug sehen, einsetzen kann. Der Witz besteht darin, dass die Zuschauer und Dawn schon Bescheid wissen, w&#228;hrend die M&#228;nner ahnungslos sind. Sie halten Dawns begr&#252;ndete &#196;ngste f&#252;r einfallsreiche jungfr&#228;uliche Ausreden und werden nur noch mehr angeheizt. &#8220;Teeth&#8221; nimmt Charakterz&#252;ge einer Rachestory an. Damit wird ein bisschen die Pr&#252;derie von Amerika aufs Korn genommen und es werden alte Horrortrash-Sachen, wie die Tranatulla-Filme, zitiert. </p>
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		<title>Gen Zong (Eye in the Sky) im Forum – You must remember everything!</title>
		<link>http://www.dasblogzumhof.de/festivals/allgemein/gen-zong-eye-in-the-sky-im-forum-you-must-remember-everything.php</link>
		<comments>http://www.dasblogzumhof.de/festivals/allgemein/gen-zong-eye-in-the-sky-im-forum-you-must-remember-everything.php#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 14 Feb 2007 21:27:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>holger</dc:creator>
				<category><![CDATA[Berlinale 2007]]></category>
		<category><![CDATA[BERLINALE Archiv]]></category>

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		<description><![CDATA[Land: Hongkong 2007 Regie: Yau Nai Hoi L&#228;nge: 90 Minuten Sprache: Kantonesisch mit englischen UT Wertung: Experimenteller Polizeifilm, postmoderner Edelthriller, harter und schneller Hongkong-Stadtfilm, metaphysischer Punk-Videoclip. Der Hongkong-Thriller ist wieder da. Ganz starkes Deb&#252;t. Colosseum 1 18.02. 20:00 Uhr Ein Film wie ein fiebriger Rausch. Unglaublich schnelle, harte Schnitte. Handkamera, schnelle, verwackelte Schwenks, unscharfe Aufnahmen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p> Land: Hongkong 2007<br />
Regie: Yau Nai Hoi<br />
L&#228;nge: 90 Minuten<br />
Sprache: Kantonesisch mit englischen UT</p>
<p>Wertung: Experimenteller Polizeifilm, postmoderner Edelthriller, harter und schneller Hongkong-Stadtfilm, metaphysischer Punk-Videoclip. Der Hongkong-Thriller ist wieder da. Ganz starkes Deb&#252;t.</p>
<p>Colosseum 1 18.02. 20:00 Uhr</p>
<p><span id="more-104"></span></p>
<p>Ein Film wie ein fiebriger Rausch. Unglaublich schnelle, harte Schnitte. Handkamera, schnelle, verwackelte Schwenks, unscharfe Aufnahmen von &#220;berwachungskameras, die Bilder unterlegt mit ultraharten Technorocksounds. Ich sitze in der 9. oder 10. Reihe des Cubix-Kinos und was ich sehe, geht hart an die physische Schmerzgrenze. Meine Augen beginnen schon nach wenigen Minuten zu flimmern. Hoffentlich geht das nicht den ganzen Film lang so. Es ging nicht den ganzen Film lang, aber immer wieder, bei den &#220;berwachungsszenen. Wer glaubt, &#220;berwachung habe etwas mit Ruhe und Geduld zu tun, wird hier eines Besseren belehrt. &#220;berall passieren Dinge, die Blicke hetzen von Mensch zu Mensch, von Stra&#223;enecke zu Stra&#223;enecke, der Mann am Imbiss, der Abfalleimer an der Stra&#223;enlaterne, die Zeitung auf der Bank: You must remember everything!</p>
<p>Die junge Polizistin Bo f&#228;ngt neu an beim Central Intelligence Bureau CIB in Hongkong, einer Spezialabteilung zur Observation. Ihr Kollege und v&#228;terlicher Freund wird Captain Huang. Gemeinsam suchen die beiden nach einem Juwelenraub einen Verd&#228;chtigen. Nach und nach kommen sie der Bande auf die Spur. Als ein zweiter Juwelenraub in letzter Sekunde vom Chef der Bande Chen abgesagt wird, kommt es zu einer wilden Verfolgungsjagd, in deren Verlauf nach und nach fast alle Verbrecher erschossen werden. Bo verliert aber Chen aus den Augen, als dieser einen unbeteiligten Polizisten t&#246;tet, und Bo bei diesem bleibt, bis er in ihren Armen verblutet ist. Durch einen Zufall begegnet sie ihm wenige Tage sp&#228;ter wieder. Bei der nun folgenden Verfolgungsjagd verletzt Chen Captain Huang schwer an der Halsschlagader. W&#228;hrend Captain Huang wie durch ein Wunder nicht stirbt, verletzt sich Chen schlie&#223;lich beim Fl&#252;chten auf ein Boot durch einen herabh&#228;ngenden Fleischerhaken, den er &#252;bersieht, selbst an seiner Halsschlagader t&#246;dlich. Am Ende steht Piggys Bef&#246;rderung f&#252;r ihren ersten Einsatz. Sie hei&#223;t jetzt Doggy.</p>
<p>Auf psychologische Tiefe verzichtet der Film weitgehend. Den Protagonisten werden sprechende Codenamen zugewiesen, Bo ist Piggy, Captain Huang Dog-Head. Auch die Verbrecher tragen Codenamen, Fatman und Hollowman. Filme, die von der Beobachtung leben, gibt es eine Reihe. Bekannte Beispiele sind „Fenster zum Hof“ von Hitchcock oder „Blow Up“ von Antonioni. „Eye in the Sky“ ist aber wohl der erste Film, in dem &#220;berwachungskameras die Hauptrolle &#252;bernehmen. „Eye in the Sky“ ist die Geschichte der &#220;berwachungsgesellschaft, in der wir leben. Die Allgegenw&#228;rtigkeit der Aufnahmeger&#228;te wird immer wieder motivisch integriert, ob als verwackelte S/W-Aufnahmen der Handlung oder als allgegenw&#228;rtiges Dekoelement der H&#228;userw&#228;nde und Decken in Innenr&#228;umen. Im Bus, im Restaurant, im Juweliergesch&#228;ft, auf der Stra&#223;e, jede Bewegung der Verbrecher kann minuti&#246;s nachvollzogen werden. Und wo die Bilder fehlen, k&#246;nnen sie schnell produziert werden. So fotografiert Piggy Hollowman im Vorbeigehen einfach mit ihrem Handy, das sie sich zur Tarnung ans Ohr h&#228;lt.</p>
<p>Aber nicht nur die Polizei beobachtet die Verbrecher, umgekehrt beobachten die Verbrecher ebenfalls vor und w&#228;hrend der Raubz&#252;ge den Tatort und die sie verfolgenden Polizisten. Als Hollowman Piggy im Restaurant enttarnt, nutzt er die f&#252;r G&#228;ste einsehbare &#220;berwachungskamera des Restaurants, um ihren herbeieilenden Kollegen Dog-Head auszumachen und kurz darauf abzumurksen. „Beobachtung ist eine Technik, die von beiden Seiten eingesetzt wird“, erl&#228;utert Regisseur Yau Nai Hoi sp&#228;ter im Publikumsgespr&#228;ch. Jede Beobachtung erzwingt die Gegenbeobachtung, zeitweise entsteht so ein Gleichgewicht. Beobachtung ist ein kreisf&#246;rmiger Prozess.</p>
<p>&#220;berwachung ist die M&#246;glichkeit, Dinge, die passiert sind, sich wiederholen zu lassen, wieder geschehen zu lassen. Dies findet seinen filmischen Ausdruck darin, dass sich fast alles irgendwie wiederholt. Piggy ger&#228;t anfangs bei einer &#220;bung in eine Situation, in der sie Captain Huang in einem Restaurant enttarnt. Sp&#228;ter wiederholt sich die Szene einer Enttarnung im Restaurant mit Hollowman. Erst verblutet ein unbekannter Polizist in Piggys Armen, sp&#228;ter Dog-Head. In beiden F&#228;llen reagiert sie das erste Mal falsch, das zweite Mal richtig. Erst wird Dog-Head die Halsschlagader aufgerissen, dann Hollowman, es finden zwei nahezu identische Juwelenraube statt, usw.</p>
<p>Ein weiteres wichtiges Motiv des Films ist die Undurchf&#252;hrbarkeit einer reinen Beobachtung. Beide Seiten, Verbrecher wie Polizisten, werden immer wieder gezwungen, den Beobachtungsposten aufzugeben und in das Geschehen einzugreifen. So bspw. wenn Piggy den Verblutenden verzweifelt die Wunden mit Kleidungsst&#252;cken zu verstopfen versucht. Die Szenen dieses &#220;bergangs vom passiven Beobachten zum aktiven Eingreifen sind von einer eindringlichen und verst&#246;renden K&#246;rperlichkeit. Man sieht f&#246;rmlich die Herzpumpe arbeiten und mit 60 Pumpschl&#228;gen/ Minute immer wieder ein neue Schw&#228;lle Blut durch alle Kleidungsst&#252;cke hindurch pressen. Dog-Head &#252;berlebt schlie&#223;lich nach minutenlangem Ausbluten in Nahaufnahme in einer Lache aus mindestens 10 Litern Filmblut liegend.</p>
<p>Was mit „Eye in the Sky“ genau gemeint ist, erl&#228;utert Yau Nai Hoi im Publikumsgespr&#228;ch. Das kantonesische „Gen Zong“ (Eye in the Sky) hat zwei Bedeutungen. Zum Einen das &#220;berwachen selbst, mittels Kameras, Augen, etc. Andererseits hat Gen Zong aber auch die Bedeutung eines himmlischen Auges, eines g&#246;ttlichen Sehens, zugespitzt auf so etwas wie Schicksal. So gesehen kann man „Eye in the Sky“ als Illustration von Foucaults Grundthese aus „&#220;berwachen und Strafen“ sehen. Nach Foucault hat die S&#228;kularisierung die Menschen gezwungen, das g&#246;ttliche Sehen, das bis dahin das Wohlverhalten der Menschen kontrolliert und im Jenseits sanktioniert hat, zunehmend selbst zu &#252;bernehmen. Dieser Prozess nimmt seinen Anfang im Gef&#228;ngnis, das damit den Kerker des Mittelalters abl&#246;st. Am Anfang des 21. Jahrhunderts scheint der Prozess nun abgeschlossen zu sein. Die gesamte Welt ist ein gro&#223;es &#252;berwachtes Gef&#228;ngnis, in dem wieder, wie im Mittelalter, jeder noch so kleine Schritt jedes Menschen von einer &#252;bergeordneten Instanz jederzeit &#252;berwacht werden kann.</p>
<p>Yau Nai Hoi arbeitet seit &#252;ber 10 Jahren als Drehbuchschreiber. Er hat mit einigen der bekanntesten Regisseure Hongkongs zusammengearbeitet. Dies ist seine erste eigene Regiearbeit. Nach einigen schw&#228;cheren Jahren hat sich der Hongkong-Thriller mit „Eye in the Sky“ eindrucksvoll im Forum der Berlinale zur&#252;ckgemeldet. Und abseits von allem intellektuellem Geschwafel: Dit wa&#8217;n jeiler Film, Leute.</p>
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