Tropa de Elite

Regie: José Padilha
Brasilien 2007
118 Min.
noch ohne Starttermin

Will aus der Schusslinie raus, weil er Vater wird: Elite-Einsatzleiter Nascimento

Aus einem Versteck beobachten zwei Polizisten eine Party in einer Favela. Ihre Kollegen tauchen auf, doch statt die Dealer zu verhaften, kassieren sie Schmiergeld. Nachdem sich die beiden verständigt haben, dass sie korrupte Bullen noch mehr hassen als Dealer, schießen sie. Daraufhin wird von allen Seiten das Feuer auf sie eröffnet. Nur eine Spezialeinheit kann sie da noch rausholen. Der schwarze Polizist Matias ist über deren Professionalität schwer beeindruckt: »Wie kommt man zu euch?«

TROPA DE ELITE zeigt die Arbeit dieser Eliteeinheit, der BOPE (Batalhão de Operacõ Policiais Especiasis), die in den Favelas Rios zur Bekämpfung der Drogenkriminalität eingesetzt wird. Der Einsatzleiter Nascimento, der die Geburt seines ersten Kindes erwartet, will den Dienst quittieren, muss aber erst einen geeigneten Nachfolger finden. Nascimento ist der Erzähler aus dem OFF, der nicht nur seine Geschichte erzählt, sondern auch die seiner potentiellen Nachfolger, den Expolizisten Matias und Neto. Die Rahmenhandlung schrieb der Regisseur zusammen mit Bráulio Mantovani (»City of God«) und Rodrigo Pimentel, einer der ehemaligen BOPE-Leute, die das Buch »Elite da Tropa« geschrieben haben, auf das der Film basiert.

Man hat José Padilha vorgeworfen, einen »faschistoiden«, »gewaltverherrlichenden« und »gewaltlegitimierenden« Film gedreht zu haben. Denn die drastische Vorgehensweise der BOPE wird mit einem durch und durch korrupten Polizeisystem begründet. Das reicht vom Einsacken von Bußgeldern fürs Falschparken – da der Staat so pleite ist, dass er sich keine Abschleppfahrzeuge mehr leisten kann – über Schutzgelderpressung bis hin zum Abkassieren von Drogengeldern. Um diesen undurchdringlichen Kreislauf zu durchbrechen, wendet die Eliteeinheit derbe Mittel an. Besonders beliebt ist es beispielsweise, den zu verhörenden Opfern Tüten über den Kopf zu stülpen, so dass sie glauben zu ersticken. Nach einem Einsatz der BOPE ist der Boden mit blutigen Plastiktüten übersäht. In dem Ausbildungslager, in dem auch Matias und Neto gedrillt werden, wird den Rekruten der letzte Rest der Persönlichkeit ausgetrieben, so wie man es von »Full Metal Jacket« her schon kennt. Hinzu kommt der dokumentarische Stil mit dem die Einsätze gefilmt wurden: Handkamera, eine extrem hohe Schnittfrequenz und permanente Reißschwenks. Padilha wahrt also filmästhetisch als auch erzähltechnisch konsequent die Perspektive der BOPE (ausgenommen die allerletzte Szene, die aus der Perspektive des Opfers gezeigt wird). Einsatzleiter Nascimento ist zwar völlig ausgebrannt, aber weit davon entfernt kritische Gedanken an das Unternehmen BOPE zuzulassen. Die Sturm-und-Drang-Phase, die er schon längst hinter sich gelassen hat, wird durch Matias und Neto verkörpert, ein effektiver Kunstgriff. Sie wünschen sich nämlich nichts lieber als Polizisten und Dealern mal kräftig in den Hintern zu treten.

Die Kritik bezieht sich also darauf, dass der Regisseur zwar die gewalttätigen Methoden der BOPE zeigt, aber statt distanzierende Mittel einzubauen, drängt er einem vielmehr die Perspektive dieser Eliteeinheit auf.

Was soll daran schlecht sein?

Im Gegenteil: Diese konsequente Einhaltung der Perspektive ist nicht nur mutig, sondern auch sehr effektiv. Es wäre einfach gewesen, Nascimentos Stimme aus dem OFF ein paar Zweifel einzuhauchen. Das spart Padilha aus und der Zuschauer kann sich selbst überprüfen, wie weit er mitgehen und wann er aussteigen möchte. Ob er die Machokultur, den harten militärischen Stil, den die BOPE in der Öffentlichkeit präsentiert, gut findet. Oder ob er die Gewaltorgien, die die BOPE veranstaltet, als legitimiert ansieht.

Resonanz auf den Film: Die BOPE leugnet die Foltermethoden. Doch ihr Emblem spricht für sich.

Die Kritiker, die den Film ablehnen, sind die gleichen, die auch schnell nach Zensur rufen, weil sie nicht an den mündigen Zuschauer glauben. Und wäre es nicht sehr viel zweifelhafter, hätte Padilha die gewalttätigen Szenen gestrichen und die BOPE als die Cleanen hingestellt? Der Gedanke, dass in einer der korruptesten Städte der Welt, in der die Drogengangs ganze Stadtteile beherrschen, ein paar Gutmenschen mit korrekten Mitteln Gutes tun, ist an sich schon vollkommen absurd. Vielmehr wird vorgeführt, wie schematisch militärisches Denken funktioniert: »Du Feind, ich gut« – und das überall auf der Welt.

Inzwischen hat sich die Tropa selbst widerlegt. Zu Beginn des Films wird die Jahreszahl 1997 eingeblendet, die zeigen soll, dass es die BOPE von damals nicht mehr gibt. Das Statement des Regisseurs: »Sie ist heute genauso korrumpiert wie alle Polizeieinheiten Rios.« Dass Padilha gegen das korrupte System Rios ist, daraus macht er keinen Hehl. So verzichtet er auf Joints, um die Drogenhändler nicht zu unterstützen. Den Vorwurf, dass er mit den Gewalttaten der BOPE symphatisiere, findet er jedoch absurd.

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