Opening Film: ROAD, MOVIE (Generation 14plus)

Regie: Dev Benegal
Indien 2009
95′, Hindi (with English subtitles)
1:2.35

Desert Cinema (Foto: Berlinale 2010)

Dev Benegal gehört zu einer neuen Generation indischer Arthouse-Regisseure. Sein größter Erfolg war ENGLISH, AUGUST (1994). Er wurde als erster indischer Independent von 20th Century Fox unter Vertrag genommen und zeigte damit den Multiplex-Gängern der Welt, dass indisches Kino nicht nur aus Bollywood besteht. Sein neuester Film, ein Roadmovie, entstand aus nostalgischen Kindheitserinnerungen: Lange Pilgerfahrten und der Liebe zum Widescreen-Kino.

Der Plot: Vishnu arbeitet ohne rechte Lust im Haarölgeschäft seines Vaters – er leidet an Fernweh. Als ein Oldtimer quer durch die Wüste bis hin zu einem Museum am Meer überführt werden soll, ergreift er seine Chance und zieht los. Mitten in der Einöde entdeckt er plötzlich im Heck des alten Chevy-Busses zwei 40 Jahre alte Filmprojektoren und eine ausgefallene Filmsammlung.

Der Oldtimer ist in Wirklichkeit ein »touring cinema«. (Foto: Berlinale 2010)

Unterwegs gabelt er noch einen kleinen Ausreißer, einen schwatzhaften alten Mann und eine hübsche Zigeunerin auf. Sie müssen allerlei Gefahren überstehen und merkwürdigerweise ist die Filmsammlung der Schlüssel dafür: Sind die Filme langweilig, ist der Sensenmann nicht weit – sind sie aber gut, bleiben sie wie Scheherazade am Leben, und dürfen ihre Reise fortsetzen.

Inspiriert wurde Benegal durch ein eigenes Erlebnis. Er wollte einen Open-Air-Film mitten in der Wüste sehen, aber es war weit und breit kein Mensch in Sicht. Als die Sonne unterging, und er schon dachte, dass die Vorstellung wohl ausfällt, konnte er plötzlich am Horizont eine Figur ausmachen. Und eher er sichs versah, tauchten plötzlich aus allen Himmelsrichtungen 5000 Menschen auf, nur um einen Film mitten in der Wüste zu sehen. Die Verbindung von weiter Landschaft und Open-Airkino war eine mystische Erfahrung für Benegal, die ihn auf die Idee brachte, daraus einen Film zu machen.

Als Kind ist er oft durch weite, offene Landschaften gewandert. Aber so genau kann sich der Regisseur nicht mehr erinnern, ob es vielleicht nicht auch die 70mm-Landschaften der John-Ford-Western waren, die er im Kino gesehen hatte. Auf alle Fälle war das Kino für ihn die erste Kommunikationsmöglichkeit: »They (movies) were my world even before I interacted or met the real world outside.«

ROAD, MOVIE symbolisiert aber auch den Generationskonflikt. So ist das Produzieren und Verwenden von Haaröl traditionell und typisch für die ältere Generation, während die Jüngeren westliche Produkte wie Condishener und Gels bevorzugen. Auch das Figurenensemble, Kind, Frau, alter Mann, symbolisiert das alte, untergehende Indien – genau wie die sich rapide ändernden Landschaften, die zum Großteil nach dem Vorbild Chinas zu Sonderwirtschaftszonen erklärt wurden.

Der Film eröffnet die Sektion Generation 14plus.

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