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	<title>Blog zum Hof &#187; Bindehautentzündung</title>
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		<title>My Own Private Festival (1)</title>
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		<pubDate>Tue, 09 Feb 2010 01:09:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>kleo</dc:creator>
				<category><![CDATA[Berlinale 2010]]></category>
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		<category><![CDATA[Angesichts des Verbrechens Teil 2]]></category>
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		<description><![CDATA[Ein scheinbar unbedeutender Auftakt Mein Start beginnt mit dem Vorverkauf. Genauer, ab dem Moment, um 9.25 Uhr, in dem ich &#252;ber das Eis des Potseplatzes schl&#252;rfend, den ersten Fu&#223; in die Arcarden setze: vier Tage vor dem eigentlichen Festivalbeginn (Donnerstag z&#228;hlt nicht) &#8211; so fr&#252;h war ich noch bei keiner Berlinale dran. Mein linkes Auge [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.dasblogzumhof.de/wp-content/uploads/2010/02/BERLINALE-TAGEBUCH_baer4.jpg"><img src="http://www.dasblogzumhof.de/wp-content/uploads/2010/02/BERLINALE-TAGEBUCH_baer4.jpg" alt="" title="BERLINALE TAGEBUCH_baer" width="125" height="166" class="alignleft size-full wp-image-3058" /></a></p>
<p><strong>Ein scheinbar unbedeutender Auftakt</strong></p>
<p>Mein Start beginnt mit dem Vorverkauf. Genauer, ab dem Moment, um 9.25 Uhr, in dem ich &#252;ber das Eis des Potseplatzes schl&#252;rfend, den ersten Fu&#223; in die Arcarden setze: vier Tage vor dem eigentlichen Festivalbeginn (Donnerstag z&#228;hlt nicht) &#8211; so fr&#252;h war ich noch bei keiner Berlinale dran. Mein linkes Auge puckert komisch. </p>
<p>An einem Montagmorgen im Februar hat doch kein Mensch Zeit sich anzustellen, denke ich noch. Dachte ich noch. In den Arcarden baut sich vor mir das altbekannte, geliebte, gehasste, genervte Berlinalebild, das in den kommenden Tagen jeden Festivaltag er&#246;ffnen wird, auf: Der Rote Teppich vor den Ticketcountern. Eine Menge Kartengieriger lungern darauf mit ihren Klappst&#252;hlen herum, bl&#228;ttern aufgeregt schnatternd in Programmen. Die Schlange dahinter reicht fast bis zu den Ausg&#228;ngen. Diese Szenerie wird wie &#252;blich von Mediengeiern umkreist, die dieser Zeremonie irgendetwas Neues entringen m&#252;ssen: eine innovative Einstellung, ein paar aussagekr&#228;ftige, aktuelle S&#228;tze, vor allem Begeisterung. </p>
<p>Als erstes z&#252;cke ich mein Handy und sage meiner 10.30 Uhr-Verabredung, Katja, dass sie doch bitte bummeln m&#246;ge. Und dann: Warten. 10 Uhr. Ein Schritt vor. Warten. Ein Schritt vor. Warten&#8230;<span id="more-2995"></span></p>
<p>Noch bin ich nicht genervt, wei&#223; aber jetzt schon, dass es in den kommenden Tagen anders sein wird. Ich will jetzt nur eine einzige Karte. Entspannt lausche ich der Frauentruppe hinter mir, die noch damit ringt, das komplizierte Vorverkaufssystem zu erfassen: Was wird heute verkauft? Ich helfe ihnen ein bisschen: Alle (drei) Er&#246;ffnungsfilme f&#252;r Donnerstag, Wettbewerbswiederholungen am Freitag, s&#228;mtliche Karten f&#252;r den Friedrichstadtpalast, s&#228;mtliche Karten f&#252;r den Publikumstag am 21.2. &#8211; und offenbar auch schon (das wusste ich selbst nicht) die Berlinale-goes-Kiez-Karten. </p>
<p><a href="http://www.dasblogzumhof.de/wp-content/uploads/2010/02/Berlinale_8.2.10.bmp"><img src="http://www.dasblogzumhof.de/wp-content/uploads/2010/02/Berlinale_8.2.10.bmp" alt="" title="Berlinale_8.2.10" class="alignright size-full wp-image-3041" /></a></p>
<p><strong>Schlangen am ersten Vorverkaufstag. Sehen vielleicht nicht so dramatisch aus, aber es dauert ca. anderthalb Stunden bis man an der Reihe ist. Liegt haupts&#228;chlich daran, dass die Verweildauer an der Kasse lang ist, da sehr viele die Vorverkaufsregeln nicht checken. </strong></p>
<p>Nebenbei beobachte ich die N24-Interviewerin, die mit ihrem Kameratypen ein paar Schritte vor mir steht, und mit ihrer hypermunteren Showmine und dem verzerrten Dauergrinsen, Leute dazu animiert, ein paar begeisterte S&#228;tze in die Kamera zu sprechen. Von hinten st&#246;&#223;t ein Typ vor, h&#228;lt sein Mikrofon dem Opa vor mir in den Mund und nuschelt:»Berliner Rundfunk&#8230;.« Der Opa ist auf Zack! Sch&#252;ttelt nur unwirsch den Kopf. Das Mikrofon entschwindet &#8211; Richtung nachvorn.  </p>
<p><strong> Doch dann ein Aufschrei</strong></p>
<p>Jetzt fehlt nur noch der Kurier! Und wie auf Bestellung dackelt M 18 in diese Szenerie, (ich verstecke mich schnell hinter meiner zivilen Skim&#252;tze) der wegen seiner Cleats komisch l&#228;uft. Kurz darauf stelzt er zufrieden von dannen. Wahrscheinlich mit einem RBB-Tape, einem gutbezahlten Superrush in Richtung Masurenallee im Sack. Ich: ein Schritt vor. Eine SMS trudelt ein: Gooree, wie immer versp&#228;tet, teilt mit, dass er sich auf den Weg in Richtung Arcarden begibt, um erstmal gedruckte Programme zu holen. Pl&#246;tzlich ein Aufschrei hinter mir&#8230; </p>
<p>Entsetzt schaue ich mich um! Er kam von der Frauengruppe. Sie weisen in Richtung Screen, der sich &#8211; eine Neuerung von letztem Jahr &#8211; &#252;ber den Countern befindet und alle Filme auflistet, die man an diesem Tag kaufen kann: Gr&#252;n = reichlich Karten, gelb = kritisch, rot = gnadenlos ausverkauft. Ein erstes rotes K&#228;stchen ist jetzt zu sehen. </p>
<p><strong>PANORAMAPUBLIKUMSPREIS schl&#228;gt METROPOLIS E.V.<br />
</strong></p>
<p>Ich schaue auf die Uhr und notiere: 23 Minuten nach der ersten &#214;ffnung aller drei zentralen Vorverkaufsstellen ist die PANORAMAPUBLIKUMSPREIS-Vorstellung (21.2., CinemaxX, 17.00 Uhr) der erste Film der 60. Berlinale, der ausverkauft wurde. Und erst eine Minute sp&#228;ter, exakt um 10.24 Uhr, ist die restaurierte Metropolis-Vorstellung ausverkauft. Moment &#8211; Stop! Eine kurze Vergegenw&#228;rtigung! </p>
<p>1927: Einer der bekanntesten Science-Fiction-Filme der Stummfilmzeit wird ver&#246;ffentlicht. Fritz Langs METROPOLIS. In allen Film-Unis dieses Universums wird METROPOLIS als einer der bedeutendsten Filme der Filmgeschichte gelehrt. 2008: Schock: In Buenes Aires werden 30 Minuten bisher unver&#246;ffentlichtes Material dieses Films entdeckt. </p>
<p><a href="http://www.dasblogzumhof.de/wp-content/uploads/2010/02/Metropolis.bmp"><img src="http://www.dasblogzumhof.de/wp-content/uploads/2010/02/Metropolis.bmp" alt="" title="Metropolis" class="alignleft size-full wp-image-3044" /></a></p>
<p><strong>Teile von METROPOLIS wurden k&#252;rzlich wiederentdeckt. M&#252;ssen wir jetzt Filmgeschichte umschreiben? (Foto: Berlinale 2010)</strong></p>
<p>METROPOLIS wurde bisher falsch und unvollst&#228;ndig rezipiert, in s&#228;mtlichen wissenschaftlichen Publikationen, Seminaren, Vorlesungen. Auf dieser Berlinale, konkret, am Freitag, den 12.2.2010, wird der richtige Cut im Friedrichstadtpalast (was f&#252;r ein Frevel) gezeigt, mit Original-Partitur, zeitgleich mit der Auff&#252;hrung in der Alten Oper (Frankfurt). METROPOLIS EXTENDED VERSION wird zus&#228;tzlich auf das Brandenburger Tor projeziert und arte &#252;bertr&#228;gt live. Und der PANORAMA-PUBLIKUMSPREIS, ein zeitgen&#246;ssischer Film, der &#252;berhaupt noch nicht feststeht, schl&#228;gt dieses Ereignis um eine Minute im Vorverkauf! Das nenn ich einfach schon einmal Historie. Exakt notiert um 10.24 Uhr. </p>
<p>&#8230;ein bekanntes Gesicht taucht auf! Katja. Sie zeigt mir einen Zahnfingerling, den sie soeben erstanden hat. F&#252;r ihren kleinen Sohn Moritz &#8211; der zahnt n&#228;mlich. Ich schlucke. Mein Auge puckert. Fritz Lang!&#8230;<br />
Filmhistorie, Panoramapublikumspreis&#8230;. </p>
<p>Ich steh eigentlich nur f&#252;r »Im Angesichts des Verbrechens, Teil 2« an, den eh keiner kaufen wird, weil niemand riskiert, einen zweiten Teil zu kaufen, wenn man nicht wei&#223;, ob man auch den ersten bekommt. So bl&#246;d kann nur ich sein. Exakt!   </p>
<p>Katja und ich fr&#252;hst&#252;cken. Wir reden &#252;ber Jobs, Hochzeitstermin, ob ich backen will&#8230; und wie Sch* Berlin zur Zeit ist. Irgendwann taucht Gooree auf. Komischerweise mit einem riesigen Stapel Programme. Will er die in der Uni auslegen? Ich geh zum Berlinaleverkaufsstand, um zu gucken, ob es schon Verkaufskataloge gibt. Jemand rempelt mich dreist an, weil angeblich mein Schn&#252;rsenkel offen ist. Es ist Olof, der wie immer den Schilder-Job bei der Berlinale macht. Er steht mit einer Frau da und beide mimen die entr&#252;ckten K&#252;nstler, die mit Abstand ihr Werk betrachten: die Schriften auf den Berlinale-Schildern. Gooree hat noch eine Verabredung und haut mit seinem Stapel in Richtung Uni ab. Olof und Begleiterin, beide akkrediertiert, wollen von mir das Berlinale-Programm schnell erl&#228;utert bekommen&#8230;</p>
<p><strong>Berlinale-Metamorphose </strong></p>
<p>Um ca. 13.50 Uhr verlasse ich endlich die Arcarden. Meine Augen schmerzen unglaublich. Besonders links. Vor dem Ausgang dr&#252;ckt sich schon wieder ein Kurier von uns herum, aber ich kann kaum noch gucken. Ich fahre zu irgendeiner Augen&#228;rztin in meinem Viertel. Es dauert noch 30 Minuten bis zur Sprechstunde, ich warte auf dem Treppenabsatz und komme als erste Wartende als Letzte in die Sprechstunde. Habe Gl&#252;ck &#252;berhaupt geh&#246;rt zu werden: Zwei Leute haben ihren Termin abgesagt. Die &#196;rztin findet mich nicht lustig, ist aber sehr nett: »Tragen Sie <em>etwa</em> noch Kontaktlinsen?«, fragt sie als sie sich meine roten Augen ansieht. &#8211; »Ja, seit fast zw&#246;lf Jahren. Nachts nehme ich sie aber raus.« Befund: Starke Bindehautentz&#252;ndung. Beide Augen vereitert. Links sehr stark. Eventuelle Sch&#228;den der Hornhaut. Kontaktlinsen: vollkommen induskutabel. Und das vier Tage vor der Berlinale!</p>
<p>Ich schl&#252;rfe nach Hause. Durch die vereisten Stra&#223;en. Mit einer Berlinale-Karte in der Tasche. Bei meinem Fahrrad ist in der letzten Woche die Felge gebrochen und mein Auge tut weh, als bohre dort jemand herum.  Fritz Lang hat gegen den Panorama-Publikumspreis verloren. Ich hasse den Winter. Ich wollte nie dieses Metropolis-Spektakel sehen. Ich h&#228;tte einfach mal bei -15-Grad eine Fahrradbrille tragen sollen, dann w&#228;ren jetzt die Augen i. O. Und vielleicht h&#228;tte Fritz eine Chance gehabt, wenn er nicht in diesem d&#228;mlichen Friedrichstadtpalast gespielt worden w&#228;r. In diesem kinountauglichem Saal. So ein Ereignis. Und das bei dem Glatteis.  </p>
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