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	<title>Blog zum Hof &#187; Dokumentarfilm</title>
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		<title>An Angel in Doel, Matchmaking Mayour &#8211; Aufstand in den Suburbs</title>
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		<pubDate>Tue, 15 Feb 2011 21:47:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>kleo</dc:creator>
				<category><![CDATA[Berlinale 2011]]></category>
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		<description><![CDATA[De Engel von Doel (An Angel in Doel) R: Tom Fassaert NL/B 2011 77 Min 17.2. CinemaxX 4, 19.30h 18.2. CineStar 8, 16.30h 19.2. Delphi, 14.00h Nesvatbov (Matchmaking Mayor) R: Erika Hníková SK/CZ 2010 72 Min 20.2. CineStar 8, 22.00h Diese zwei sehr unterschiedlichen Dokus thematisieren Widerst&#228;nde einzelner Protagonisten gegen den &#246;konomisch bedingten Wandel auf [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="../wp-content/uploads/2011/01/An_Angel_in_Doel.jpg"><img class="alignright size-full wp-image-4607" title="Emilienne by the grave of her husband" src="../wp-content/uploads/2011/01/An_Angel_in_Doel.jpg" alt="" width="300" height="222" /></a><strong>De Engel von Doel (An Angel in Doel)</strong><br />
<strong>R: </strong> Tom Fassaert<br />
NL/B 2011<br />
77 Min<br />
<strong>17.2.</strong> CinemaxX 4, <strong>19.30h</strong><br />
<strong>18.2.</strong> CineStar 8, <strong>16.30h</strong><br />
<strong>19.2.</strong> Delphi, <strong>14.00h</strong></p>
<p><strong>Nesvatbov (Matchmaking Mayor)</strong><br />
<strong>R: </strong> Erika Hníková<br />
SK/CZ 2010<br />
72 Min<br />
<strong>20.2.</strong> CineStar 8, <strong>22.00h<br />
</strong></p>
<p>Diese zwei sehr unterschiedlichen Dokus thematisieren Widerst&#228;nde einzelner Protagonisten gegen den &#246;konomisch bedingten Wandel auf dem Lande. In dem poetischen und &#228;u&#223;erst gelungenen Schwarz-Wei&#223;-Film AN ENGEL VAN DOEL soll ein Dorf wegen des Ausbaus des Antwerpener Hafens umgesiedelt werden &#8211; die 75j&#228;hrige Protagonistin Emilienne und ein Priester k&#228;mpfen dagegen an. In der Slowakischen Republik sind ganze Regionen wegen Landflucht so d&#252;nn besiedelt, dass immer mehr Bewohner Single bleiben, weil ihnen die Auswahl fehlt. Der zwiesp&#228;ltige und konservative B&#252;rgermeister aus NESVATBOV (MATCHMAKING MAYOR) hat sich die absurde Aufgabe gestellt, sie miteinander zu verkuppeln. <span id="more-4605"></span></p>
<p>Sorgf&#228;ltig ausgew&#228;hlte, poetisch-metaphorische Schwarz-Wei&#223;-Bilder pr&#228;gen den Stil von AN ANGEL IN DOEL. Das Dorf Doel, ca. 25 km n&#246;rdlich von Antwerpen, ist ein Geisterdorf mit dem dazugeh&#246;rigen Geisterschiff, einem Frachter, der sich schemenhaft und riesig durch den Nebel am Hafen schiebt. Die kleinen menschenleeren Stra&#223;en und G&#228;sschen sind von zahlreichen, herrenlosen Katzen okkupiert. Die meisten Wohnungen sind verlassen, &#252;berall klappern offene Fenster. An den Fassaden h&#228;ngen Transparente, die Widerstand verk&#252;nden, aber es scheint kaum noch jemand da zu sein, der ihn aus&#252;ben k&#246;nnte.</p>
<p>Es gibt zwei Orte, an denen sich die paar dagebliebenen Alten treffen: die Kirche, in der der alte und kranke Priester versucht, die immer weiter schrumpfende Gemeinschaft durch Glauben zu beschw&#246;ren und  Emiliennes K&#252;chentisch. Meistens reden sie vom Tod: Wer es denn schon hinter sich hat und welche gesetzlichen Bestimmungen es f&#252;r Grabsteine es gibt. </p>
<p>Der Regisseur Tom Fassaert hat &#252;ber einen l&#228;ngeren Zeitraum an dieser Dokumentation gedreht, sich Zeit gelassen. Dabei lassen einen die sorgf&#228;ltig inszenierten Bilder, die erstaunliche N&#228;he der Kamera zu seinen Protagonisten und der Spannungsbogen fast vergessen, dass es sich um eine Doku handelt. Als der alte und kranke Priester von Doel stirbt, flattern die ersten R&#228;umungstermine ins Haus. Vielmehr h&#228;tte man von Emilliennes verr&#252;ckter Freundin erwartet, dass sie sich zur Wehr setzt. Doch es ist Emillienne, die zum B&#252;rgermeister f&#228;hrt und sp&#228;ter die Annahme der R&#228;umungsbriefe verweigert. Zum Schluss erz&#228;hlt sie &#8211; nun das erste Mal direkt in die Kamera &#8211; dass sie jetzt wei&#223;, wie sie sterben m&#246;chte: Mit einer Zigarette, einem Glas Wein und in dem Moment, wenn die Abrissbagger zu ihrem Haus kommen. Trotz seines d&#252;steren Themas bringt AN ANGEL IN DOEL das Kunstst&#252;ck fertig, nicht deprimierend zu wirken &#8211; die Protagonisten sind einfach zu lebendig.  </p>
<p><a href="http://www.dasblogzumhof.de/wp-content/uploads/2011/01/Matchmaking_Major.jpg"><img class="alignright size-full wp-image-4625" title="Matchmaking_Major" src="http://www.dasblogzumhof.de/wp-content/uploads/2011/01/Matchmaking_Major.jpg" alt="" width="320" height="194" /></a></p>
<h6><strong>St&#246;rrische Landeier vs. diktatorischer B&#252;rgermeister</strong></h6>
<p><em>(Foto: Berlinale)</em></p>
<p>Ganz und gar andere T&#246;ne schl&#228;gt NESVATBOV (MATCHMAKING MAJOR) an. Der ruppige B&#252;rgermeister eines slowakischen Dorfes hat rund um das Rathaus Lautsprecher anbringen lassen, aus denen er einen Feldzug gegen das Aussterben der Landbev&#246;lkerung verk&#252;ndet. Er appelliert an jeden Single, sich zu besinnen, seine Pflicht wahrzunehmen und eine Familie zu gr&#252;nden. Sp&#228;ter organisiert er eine Single-Party mit Tombola und Band, die nat&#252;rlich gr&#252;ndlich schief geht. </p>
<p>Der Regisseurin Erika Hníková gelingt es nicht, die Distanz zwischen Kamera und Einwohnern abzubauen. Die Singles, die sie ausgew&#228;hlt hat, bleiben vor der Kamera kleinlaut und verschlossen. Der B&#252;rgermeister gibt sich zwar sehr konservativ, aber offen und logisch argumentierend. Bei den Vorbereitungen zur Party grinst er h&#228;ufig in die Kamera und beschreibt idealisierend und &#252;bertrieben sein eigenes Vorhaben. Man erh&#228;lt den Eindruck, dass alles nur eine sehr spa&#223;ige Angelegenheit ist, die von den Initiatoren selbst nicht allzu ernst genommen wird. </p>
<p>Nur in zwei, kurzen Szenen entlarvt Hníková die ganze Stimmung als weniger harmlose Angelegenheit. Einmal als es gerade wieder aus den Lautsprechern kracht, beschwert sich ein auf der Parkbank sitzendes P&#228;rchen &#252;ber die All&#252;ren des Dorfsherriffs. Er sei schlimmer als ein Diktator. Am Rande eines Fu&#223;ballspiels l&#228;uft die Kamera heimlich mit. Der Chef des Dorfes und ein ambitionierter Single-Mann meckern dort ziemlich aggressiv &#252;ber das vernichtende Ergebnis der Singleparty. Solch enormer Aufwand und hohe Kosten, ohne, dass die ins Bett zu kriegen gewesen w&#228;ren. Mein Vorschlag: Vielleicht sollte man sie einfach zwangsverheiraten. </p>
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		<title>Unter Kontrolle &#8211; das sterbende Monster</title>
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		<pubDate>Fri, 11 Feb 2011 16:31:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>kleo</dc:creator>
				<category><![CDATA[Berlinale 2011]]></category>
		<category><![CDATA[Atomenergie]]></category>
		<category><![CDATA[Dokumentarfilm]]></category>
		<category><![CDATA[Kalkar]]></category>
		<category><![CDATA[Kernenergie]]></category>
		<category><![CDATA[Kernkraftwerk]]></category>

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		<description><![CDATA[Regie: Volker Sattel Deutschland 2011 98 Min Haben wir nur Angst vor dem Irrationalen? (Foto: Berlinale) 17.2. CineStar 8 19.15h 19.2. Arsenal 1 17.30h 20.2. Cubix 9 20.00h Ein Film &#252;ber Kernenergie kommt genau zur richtigen Zeit. Wer aber eine Anti-Atomkraft-Doku erwartet, wird von UNTER KONTROLLE entt&#228;uscht sein. Wer wissenschaftliche Aufkl&#228;rung erwartet, ebenfalls. Der Dokumentarist [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Regie:</strong> Volker Sattel<a href="http://www.dasblogzumhof.de/wp-content/uploads/2011/01/Unter-Kontrolle_Schaltkreis2.jpg"><img src="http://www.dasblogzumhof.de/wp-content/uploads/2011/01/Unter-Kontrolle_Schaltkreis2.jpg" alt="Haben wir nur Angst vor dem komplizierten Irrationalen? (Foto: Berlinale)" title="Unter Kontrolle_Schaltkreis" width="311" height="210" class="alignright size-full wp-image-4698" /></a><br />
Deutschland 2011<br />
98 Min</p>
<h6><strong>Haben wir nur Angst vor dem Irrationalen?</strong></h6>
<p><em>(Foto: Berlinale)</em></p>
<p><strong>17.2.</strong> CineStar 8 <strong>19.15h</strong><br />
<strong>19.2.</strong> Arsenal 1 <strong>17.30h</strong><br />
<strong>20.2.</strong> Cubix 9 <strong>20.00h</strong></p>
<p>Ein Film &#252;ber Kernenergie kommt genau zur richtigen Zeit. Wer aber eine Anti-Atomkraft-Doku erwartet, wird von UNTER KONTROLLE entt&#228;uscht sein. Wer wissenschaftliche Aufkl&#228;rung erwartet, ebenfalls. Der Dokumentarist Volker Sattel betrachtet das Thema eher etymologisch und mit gro&#223;er Distanz. Seine These: Die Zeit der Atomenergie ist vorbei. Auf der einen Seite stehen die Wissenschaftler, auf der anderen die unb&#228;ndige Angst vor dem Gau und dem Atomm&#252;ll. Eine streitbare Doku. <span id="more-4385"></span></p>
<p>Die Chronologie: Zuerst werden noch in Betrieb stehende Kernkraftwerke in Deutschland und &#214;sterreich gezeigt. Es folgen Beh&#246;rden der Atomindustrie (IAEA, Institut f&#252;r Risikoforschung Wien), dann ein Zwischenlager und das Endlager Morsleben. Zum Schluss sehen wir stillgelegte Atomkraftwerke und solche, die nie in Betrieb genommen wurden. </p>
<p>Die Doku gelangt zu der m. E. streitbaren These, der Traum f&#252;r die einen oder der Alptraum f&#252;r anderen, ist beendet. Ich halte dies f&#252;r sehr gewagt, jetzt nachdem Obama verk&#252;ndet hat, eine neue Generation von «sicheren und sauberen» Kernkraftwerken bauen zu wollen. Nachdem Asiens Industrien wie Pilze aus dem Boden schie&#223;en, nach mehr Energie schreien und daf&#252;r auch die Seelen ihrer Gro&#223;m&#252;tter verkaufen w&#252;rden. Nach der Laufzeitverl&#228;ngerung bei uns. Ist es nicht etwas verfr&#252;ht, diese Energiegewinnung zu den geschlossenen Akten zu legen? </p>
<p>Ein visueller Gewinn f&#252;r den Film ist es, dass Sattel aus diesem Blickwinkel heraus, das Thema mit ruhiger Distanz betrachten kann, anstatt langweilige Talking Heads zu liefern. Wir sehen abgespacte R&#228;ume mit lauter Technikkram, ein Industriebetrieb, der eher einem Hollywood-SciFi-Blockbuster &#228;hnelt. Wir h&#246;ren kryptische Dialoge der morgendlichen Crew-Sitzungen, die sich mit Zahlen- und Buchstabenkollonnen besch&#228;ftigen. Sattel filmt den merkw&#252;rdigen Kontrast zwischen K&#252;hlt&#252;rmen und Naturidylle. Science Fiction, hier und jetzt, aber doch veraltet. &#8211; »Tschernobyl hat uns das Genick gebrochen«, so der Verwalter eines stillgelegten Kraftwerks. </p>
<p>UNTER KONTROLLE sp&#252;rt den brennenden Fragen zwar nach, bohrt aber nicht tiefer. Angesichts der vielen Kubikmeter radioaktiven Abfalls, die im ERAM Morsleben gezeigt werden, erscheint Obamas Forderung utopisch. Ob es theoretisch jemals gelingen k&#246;nnte, Kernenergie ohne Abfall zu produzieren, hinterfragt Sattel nicht. Auch die Sicherheit wird beleuchtet, doch auch hier gewinnt die Doku keine Klarheit. Ja, ja, sie seien sicher, so die Inspektoren. Wenn ich Sicherheitsinspektor w&#228;re, w&#252;rde ich das auch sagen. Atomkraftwerke sind Hochsicherheitstrakts, auf der anderen Seite aber steht der Mensch mit seinen Fehlern und Irrt&#252;mern. Die AKWs seien so konstruiert, dass Bedienfehler ausgeschlossen w&#228;ren, so die Inspektoren. Die Katastrophe von Tschernobyl belegt das Gegenteil. Ist es nicht auch ein Paradox, dass einerseits der Faktor Mensch w&#228;hrend des Betriebs ausgeschlossen wird, der ganze Mechanismus aber andererseits vom Menschen konstruiert wurde? In der Luftfahrt gibt es die Schweizer-K&#228;sescheiben-Theorie: Jedes Loch stellt eine Sicherheitsl&#252;cke dar. Legt man viele K&#228;sescheiben &#252;bereinander, werden die L&#246;cher geschlossen. Treffen durch Zufall aber viele L&#246;cher an derselben Stellen aufeinander, kommt es zur Katastrophe wie 1986.</p>
<p>Der Dokumentarist findet keine Antworten, sucht aber auch nicht danach. Gezeigt wird lediglich der Kontrast zwischen Technikern und Wissenschaftlern mit ihrem kryptischen Gerede einerseits und den recht unbehaglichen Bilder der AKWs andererseits. Faszinierende, flierende, unheimliche Momentaufnahmen von unverst&#228;ndlichen Schalttafeln, der in K&#252;hlfl&#252;ssigkeit lagernden Reaktoren und riesigen Sicherheitskomplexe. Die Schleusen und Kammern, in die die Mitarbeiter m&#252;ssen, die mit der Strahlung in Ber&#252;hrung kamen. Der Wissenschaftler erscheint als ein in Hybris gefangenes Wesen, das einem Roman des beginnenden 20. Jahrhunderts entstiegen ist. Er beschw&#246;rt eine Art Monster, von dem er behauptet, es kontrollieren zu k&#246;nnen. Wenn man noch keine Horrorvision von Atomkraftwerken hatte, so bekommt man sie jetzt. Der Zuschauer kann sich dem Sog schwer entziehen. </p>
<p>Die emotional stark aufgeladenen Bilder spiegeln das Unvorstellbare dieses gef&#228;hrlichen, aber an sich rationalen Prozesses wider und die niemals restlos gekl&#228;rte Sicherheitsfrage. Dagegen stehen die Wissenschaftler mit ihrer Rationalit&#228;t. Das hat Volker Sattel &#252;berzeugend umgesetzt. Was fehlt ist sein Standpunkt &#8211; man sieht das, was man ohnehin schon wei&#223;. </p>
<p><a href="http://www.dasblogzumhof.de/wp-content/uploads/2011/01/Unter-Kontrolle_Karussell.jpg"><img src="http://www.dasblogzumhof.de/wp-content/uploads/2011/01/Unter-Kontrolle_Karussell.jpg" alt="" title="Unter Kontrolle_Karussell" width="300" height="200" class="alignleft size-full wp-image-4703" /></a></p>
<h6><strong>Irdisches Vergn&#252;gen, statt Energie der Zukunft: Wunderland Kalkar<br />
</strong></h6>
<p> <em>(Foto: Berlinale)</em></p>
<p>Epilog: Am Ende ein allegorisches Bild: das Wunderland Kalkar, ein Vergn&#252;gungspark, in dem ein schneller Br&#252;ter steht, der nie in Betrieb ging. Aus den K&#252;hlt&#252;rmen swingt ein vertikales Kettenkarussell. Die Menschen wollen lieber einfaches mechanisches und irdisches Vergn&#252;gen leben, als in einer Zukunftsvision mit unbegrenzten, aber gef&#228;hrlich gewonnenen, Energien. </p>
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		<item>
		<title>Filme gegen Neoliberalismus: The Shock Doctrine und L&#8217;Encirclement zeigen Wege des antikapististischen Films</title>
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		<pubDate>Thu, 19 Feb 2009 19:02:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>holger</dc:creator>
				<category><![CDATA[Berlinale 2009]]></category>
		<category><![CDATA[Dokumentarfilm]]></category>
		<category><![CDATA[Finanzkrise]]></category>
		<category><![CDATA[Globalisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Kapitalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Mat Whitecross]]></category>
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		<category><![CDATA[Naomi Klein]]></category>
		<category><![CDATA[Neoliberalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Richard Brouillette]]></category>
		<category><![CDATA[Theorie]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[The Shock Doctrine GB 2009, Michael Winterbottom, Mat Whitecross, 90 Min. L&#8217;Encirclement CA 2008, Richard Brouillette, 160 Min. The Shock Doctrine (Foto: Berlinale 09) und L&#8217;Encirclement verhandeln den antikapitalistischen Diskurs in Zeiten der Finanzkrise und zeigen zwei ganz verschiedene Wege auf, die der Dokumentarfilm nehmen k&#246;nnte. &#220;ber alle Filme, die derzeit erscheinen und irgendwie mit Wirtschaft [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>The Shock Doctrine</strong><br />
GB 2009, Michael Winterbottom, Mat Whitecross, 90 Min.</p>
<p><strong>L&#8217;Encirclement</strong><br />
CA 2008, Richard Brouillette, 160 Min.</p>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-2183" title="shock_doctrine" src="http://www.dasblogzumhof.de/wp-content/uploads/2009/02/shock_doctrine.jpg" alt="shock_doctrine" width="300" height="240" /></p>
<p><strong><em>The Shock Doctrine</em> (Foto: Berlinale 09) und <em>L&#8217;Encirclement</em> verhandeln den antikapitalistischen Diskurs in Zeiten der Finanzkrise und zeigen zwei ganz verschiedene Wege auf, die der Dokumentarfilm nehmen k&#246;nnte.<br />
</strong></p>
<p>&#220;ber alle Filme, die derzeit erscheinen und irgendwie mit Wirtschaft zu tun haben, hei&#223;t es, sie k&#228;men genau zur richtigen Zeit. Das mag sein &#8211; ber&#252;cksichtigt man aber, wie lange ein Film von der Idee bis zur Postproduktion braucht, d&#252;rfte jedem klar sein, dass Michael Winterbottom und Mat Whitecross ebenso wie der franz&#246;sischsprachige Kanadier Richard Brouillette einfach Gl&#252;ck gehabt haben. 12 Jahre lang hat Brouillette an seinem Film angeblich gearbeitet, genauso gut h&#228;tten es vermutlich zehn oder 20 Jahre werden k&#246;nnen, dann w&#228;re der Film halt zur Unzeit gekommen. <span id="more-2163"></span></p>
<p><em>The Shock Doctrine</em> hei&#223;t ein Buch von Naomi Klein. Es ist ein Weltbestseller und gilt als Bibel der Globalisierungskritiker. In dem Buch schildert Klein, wie im Gefolge von Katastrophen oder Kriegen neoliberale Wirtschaftskonzepte durchgesetzt werden. Davon erf&#228;hrt der Zuschauer im Film <em>The Shock Doctrine</em> von Michael Winterbottom und Mat Whitecross leider nur sehr wenig. Die beiden Regisseure trauen ganz offensichtlich nicht dem gesprochenen Wort und ersetzen Theorie oder auch nur Information durch einen entfesselten antikapitalistischen Bildersturm. Atemlos l&#246;sen sich da Pinochet, Thatcher, Bush Senior und Bush Junior ab, inmitten einer bunten Flut aus fallenden Bomben, toten Kindern und gefolterten Opfern.</p>
<p><img class="alignright size-full wp-image-2640" title="shock-doctrine2-300x240" src="http://www.dasblogzumhof.de/wp-content/uploads/2009/02/shock-doctrine2-300x2401.jpg" alt="shock-doctrine2-300x240" width="300" height="240" /></p>
<p style="text-align: left;"><strong>Montage des Greuels: <em>The Shock Doctrine</em> (Foto Berlinale 09). </strong></p>
<p>Dass es bei <em>The Shock Doctrine</em> um Wirtschaft geht, merkt man nur an den h&#228;ufigeren Einblendungen von Milton Friedman. So entfaltet der Film seine st&#228;rksten Momente, wenn er kurz inneh&#228;lt und einfach nur eine Rede Naomi Kleins zeigt. </p>
<p>Nun ist man von Winterbottom gewohnt, dass er nicht wie sein Vorbild Godard mit dem argumentativen Florett fechtet, sondern lieber die Streitaxt nimmt. Mit <em>The Shock Doctrine</em> haben Winterbottom und Whitecross in ihrer sturen Fixiertheit auf bekannte politische Gegner aber ein gro&#223;es Thema verschenkt.<br />
So kann man dem Film zu Recht vorwerfen, dass er mit propagandistischen Kurzschl&#252;ssen, bei denen dann z.B. kurz hintereinander erst fallende Bomben auf den Irak, dann Bush, dann Leichen gezeigt werden, auf billigen Applaus schielt, schlie&#223;lich sind inzwischen selbst die Republikaner gegen den Irakkrieg. </p>
<p>Schlimmer aber ist, dass sich die Filmemacher in ihrem eigenen Konzept verheddern und Kleins Thesen immer mehr aus den Augen verlieren. Geht es bei Klein noch um die Wirtschaftsreformen im Gefolge von Katastrophen, so montiert der Film <em>The Shock Doctrine</em> die Kriegs- und Greuelbilder so gekonnt hintereinander, dass man am Ende glaubt, Milton Friedman habe als Mastermind und Reinkarnation von Dr. Mabuse alle diese Kriege beschlossen, um seine Wirtschaftskonzepte weltweit durchzusetzen. Dieser reine Propagandafilm verr&#228;t leider kaum etwas von der Schocktheorie Naomi Kleins.</p>
<p>Wie wenig Interesse die Filmemacher an einer ernsthaften Auseinandersetzung mit den wirtschaftspolitischen Implikationen hatten und wie sehr sie auf die alten Gegner Thatcher, Pinochet und Bush eingeschworen waren, kann man an den Auslassungen erkennen. Zwei der wichtigsten Beispiele, die Naomi Klein nennt, S&#252;dafrika nach der &#220;bernahme durch den ANC und Sri Lanka nach dem Tsunami, werden im Film weggelassen &#8211; den Tsunami konnten Winterbottom/Whitecross beim besten Willen nicht Bush in die Schuhe schieben.</p>
<p><img src="http://www.dasblogzumhof.de/wp-content/uploads/2009/02/noamchomsky.jpg" alt="noamchomsky" title="noamchomsky" width="250" height="188" class="alignleft size-full wp-image-2658" /></p>
<p><strong>Eisernes Talking-Head-Pic und dennochThriller: <em>L&#8217;Encirclement</em>: hier Noam Chomsky </strong></p>
<p>Wie man es ganz anders und dabei viel besser macht, zeigt der Kanadier Richard Brouillette mit seinem Film <em>L&#8217;Encirclement</em> (Encirclement). <em>L&#8217;Encirclement</em> ist ein Monstrum von Film in fast jeder Hinsicht. Gedreht in harten SW-Bildern n&#228;hert sich dieser Film der Kritik des Kapitalismus in einer v&#246;llig unzeitgem&#228;&#223;en formalen Strenge und asketischen Brillanz. Richard Brouillette traut den Bildern nicht und zeigt deshalb nur redende Menschen. Nur minimal wird Archivmaterial genutzt, und wenn, dann meist nur als Foto. Ansonsten sehen wir mit unbeweglicher Kamera einen Theoretiker, der uns seine Wirtschaftstheorie erl&#228;utert, darunter bekannte Kapitalismuskritiker wie Noam Chomsky, aber auch neoliberale Vordenker. Der Gedankengang der Wissenschaftler wird  nicht durch Fragen unterbrochen, so kann man sich beim Zuh&#246;ren ganz auf die Entwicklung der Argumentation konzentrieren. Richard Brouillette arbeitet als Filmemacher vor allem im Nachhinein, das Material ordnend, der Film wird s&#228;uberlich in zwei Teile und beide Teile wieder in f&#252;nf Kapitel eingeteilt. Jedes Kapitel wird mit einem Zwischentitel angek&#252;ndigt und beinhaltet Redebeitr&#228;ge von ein bis drei Denkern.</p>
<p>Brouillettes Konzept geht auf, die Konzentration auf das gesprochene Wort, die Ideen, machen aus dem scheinbar langweiligen Thema Wirtschaftstheorie einen intellektuellen Thriller, der einen 160 Minuten lang gebannt zuh&#246;ren l&#228;sst. Erst die filmische Beschr&#228;nkung der Mittel macht diese Spannung m&#246;glich. W&#228;hrend Michael Winterbottom und Mat Whitecross Naomi Kleins Thesen in einer Flut aus Bildern ertr&#228;nken, gelingt es Richard Brouillette mit einfachsten Mitteln uns die Freude daran zur&#252;ck zu geben, Menschen beim Denken zusehen zu k&#246;nnen.</p>
<p><em>L&#8217;Encirclement</em> ist ein filmisches Experiment und Wagnis, das auch den Caligari-Filmpreis h&#228;tte gewinnen k&#246;nnen. Ob damit die schleichende Michael-Moorisierung des politischen Dokumentarfilms aufgehalten werden kann, muss aber bezweifelt werden. Den Panorama-Publikumspreis hat <em>The Yes-Men fix the World</em> gewonnen.</p>
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		<title>Teenage Response &#8211; Teenage-Monologe</title>
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		<pubDate>Thu, 12 Feb 2009 23:58:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>kleo</dc:creator>
				<category><![CDATA[Berlinale 2009]]></category>
		<category><![CDATA[Dokumentarfilm]]></category>
		<category><![CDATA[Experimentalfim]]></category>
		<category><![CDATA[Installation]]></category>
		<category><![CDATA[Interviews]]></category>
		<category><![CDATA[Jugendliche]]></category>
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		<description><![CDATA[Regie: Eleni Ampelakiotou Deutschland 2009 156 Min. Zehn Minuten nach Filmbeginn sag ich mir in einem ersten &#252;berm&#252;deten Impuls: Nee, das h&#228;ltst du nicht durch: Die Regisseurin l&#228;sst Teenager &#252;ber sich erz&#228;hlen &#8211; der Erz&#228;hlstream bestimmt die Visualit&#228;t. Ungewohnt! Als pl&#246;tzlich der Abspann &#252;ber die Leinwand flimmert, schaue ich verwundert auf die Uhr: Was schon [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Regie: Eleni Ampelakiotou<br />
Deutschland 2009<br />
156 Min.</p>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-1903" title="teenage-response" src="http://www.dasblogzumhof.de/wp-content/uploads/2009/02/teenage-response.jpg" alt="teenage-response" width="315" height="165" /></p>
<p>Zehn Minuten nach Filmbeginn sag ich mir in einem ersten &#252;berm&#252;deten Impuls: Nee, das h&#228;ltst du nicht durch: Die Regisseurin l&#228;sst Teenager &#252;ber sich erz&#228;hlen &#8211; der Erz&#228;hlstream bestimmt die Visualit&#228;t. Ungewohnt! Als pl&#246;tzlich der Abspann &#252;ber die Leinwand flimmert, schaue ich verwundert auf die Uhr: Was schon zu Ende?</p>
<p><span id="more-1895"></span></p>
<p>13 Teenager oder junge Erwachsene erz&#228;hlen &#252;ber ihre Gedanken, ihr Leben, &#252;ber das, was sie grad am meisten besch&#228;ftigt &#8211; Sexualit&#228;t, Rollenverhalten, Drogen, Eltern, Anekdoten, Arbeit, Freunde &#8211; mit einer Wahrhaftigkeit und Offenheit, die einen erstaunt. Und die Protagonisten sind nicht alle extrovertiert &#8211; es sind auch solche dabei, die Schwierigkeiten haben, sich auszudr&#252;cken, die ein bisschen kryptisch und metaphorisch reden. Und es sind auch welche, die die Gesellschaft als problematisch einstufen w&#252;rde. Wie der &#252;bergewichtige Dieter, der auf Drogen vor die Kamera tritt, und erz&#228;hlt, dass er jetzt schon fast 40 Stunden wach ist. Er spricht &#252;ber sein ADS-Syndrom und wie sie ihn mit Psychopharmaka vollstopft haben. Er wirkt depressiv. Ein anderer bekam die gleiche Diagnose &#8211; und hat einfach gelassen gesagt: »Lasst mich doch so sein wie ich bin. Ich komme gut damit zurecht. Bin eben ein bisschen lebhaft.«</p>
<p>TEENAGE RESPONSE ist ein Kaleidoskop v&#246;llig unterschiedlicher Pers&#246;nlichkeiten. Der Film ist kein Interviewfilm: Man h&#246;rt keine Fragen aus dem Off, er kommentiert und wertet nicht. Er l&#228;sst die Jugendlichen einfach reden, und sie erz&#228;hlen so, wie man in ein Tagebuch schreibt, und das gleicht eher einem Monolog als einem Dialog. Das 160-min&#252;tige Projekt ist nicht voyeuristisch, sondern expressiv.</p>
<p>Man sieht sie sprechen oder wie sie sich das Gesprochene noch einmal anh&#246;ren und mit ihrer Mimik schweigend kommentieren. Bis zu drei Drehtagen haben sie jeweils vor der Kamera gestanden und die Regisseurin hat das Substantielle gefiltert. Dazu wurden R&#228;ume mit unterschiedlichem Licht entworfen &#8211; je nach Stimmungslage des Teenagers. In diesen R&#228;umen, die eher an eine Kunsthalle erinnern, als an Interviewsituationen &#8211; befinden sich Installationen: ein Auto, an dem ein Technikfreak rumbastelt und es besprayt, w&#228;hrend er spricht, um es dann am Ende zu zerst&#246;ren. Oder ein Plattenspieler, der eine Droge symbolisiert, die ein Performance-K&#252;nstler umtanzt. Damit zeigt er die Up and Downs einer Drogenkarriere. </p>
<p>TEENAGE-RESPONSE ist einer der ungew&#246;hnlichen Filme, die man nur auf Festivals zu sehen bekommt, da er auch Kunst- und Experimentalfilm ist. Er sprengt die Grenzen des Gewohnten: Statt Interviews sehen wir Teenage-Monologe, statt kommentierendes und visualisierendes Dokumentarmaterial sehen wir Raum-Lichtinstallationen als Echo des Selbstbildes.</p>
<p><strong>Auf der Berlinale nicht mehr zu sehen. </strong></p>
]]></content:encoded>
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		<title>Die H&#246;lle, made by Ikea &#8211; Zwei schwedische Filme sezieren das Furchtbare im Gew&#246;hnlichen</title>
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		<pubDate>Mon, 09 Feb 2009 21:00:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>holger</dc:creator>
				<category><![CDATA[Berlinale 2009]]></category>
		<category><![CDATA[FESTIVALS]]></category>
		<category><![CDATA[Cinéma vérité]]></category>
		<category><![CDATA[Direct Cinema]]></category>
		<category><![CDATA[Dokumentarfilm]]></category>
		<category><![CDATA[Fredrik Wenzel]]></category>
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		<category><![CDATA[Måns Månsson]]></category>
		<category><![CDATA[politik]]></category>
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		<description><![CDATA[MAN T&#196;NKER SITT (Burrowing);  Schweden 2009, 76&#8242; Regie: Henrik Hellstr&#246;m, Fredrik Wenzel H:R LANDSH&#214;VDING (Mr. Governor); Schweden 2008, 81&#8242; Regie: Måns Månsson So ganz hat man dem schwedischen SPD-Paradies ja noch nie getraut. Zwei v&#246;llig unterschiedliche Filme zeigen jetzt aus ungew&#246;hnlichen Perspektiven Abgr&#252;nde des skandinavischen Kleinb&#252;rgertums. Ein kleiner Junge beobachtet in Man t&#228;nker sitt das [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>MAN T&#196;NKER SITT (Burrowing);  Schweden 2009, 76&#8242;<br />
Regie: Henrik Hellstr&#246;m, Fredrik Wenzel</p>
<p>H:R LANDSH&#214;VDING (Mr. Governor); Schweden 2008, 81&#8242;<br />
Regie: Måns Månsson</p>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-1627" title="man_tanker" src="http://www.dasblogzumhof.de/wp-content/uploads/2009/02/man_tanker.jpg" alt="man_tanker" width="292" height="173" /></p>
<p><strong>So ganz hat man dem schwedischen SPD-Paradies ja noch nie </strong><strong>getraut. Zwei v&#246;llig unterschiedliche Filme zeigen jetzt aus ungew&#246;hnlichen Perspektiven Abgr&#252;nde des skandinavischen Kleinb&#252;rgertums.<br />
</strong></p>
<p>Ein kleiner Junge beobachtet in <em>Man t&#228;nker sitt</em> das Leben in der schwedischen Kleinb&#252;rgersiedlung am Waldrand. Das Leben ist beherrscht von Langeweile und kleinen Kr&#228;nkungen und Dem&#252;tigungen, mit denen sich die Nachbarn das Leben schwer machen. <span id="more-1580"></span></p>
<p>Zweite Hauptfigur neben dem Jungen Sebastian ist Jimmy, ein alleinerziehender arbeitsloser junger Mann, der immer noch bei seinen Eltern leben muss und keinen Schl&#252;ssel f&#252;r das Haus bekommt. Die zahlreichen Dem&#252;tigungen eskalieren schlie&#223;lich in einem Schlag mit der Schaufel auf den Hinterkopf eines Nachbarn, danach fl&#252;chtet er mit seinem Jungen in den Wald. Auch Sebastian dr&#228;ngt es immer wieder in den Wald und ins Wasser. Ausdruck dieser Sehnsuch nach der Natur geben die beiden jungen Filmemacher durch ein dem Film vorangestelltes Zitat aus Thoreaus <em>Walden</em>, der Bibel aller Aussteiger. Der Film krankt leider an der falschen Konstellation, dass der 11-j&#228;hrige Sebastian einerseits als allwissender Erz&#228;hler mit philosphischem Tiefgang, andererseits aber auch als ganz normaler Bengel dargestellt wird. Die beiden gegens&#228;tzlichen Rollen f&#252;gen sich nicht zusammen und lassen den Zuschauer etwas ratlos zur&#252;ck.</p>
<div id="attachment_1582" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><img class="size-medium wp-image-1582" src="http://www.dasblogzumhof.de/wp-content/uploads/2009/02/mrgovernor-300x168.jpg" alt="Filmstill: H:r Landsh&#246;vding" width="300" height="168" /><p class="wp-caption-text">Filmstill: H:r Landsh&#246;vding</p></div>
<p>Måns Månsson n&#228;hert sich den schwedischen Abgr&#252;nden mittels eines Dokumentarfilms &#252;ber den Gouverneur von Uppsala, den ehemaligen schwedischen Au&#223;enminister Anders Bj&#246;rck. Dieser Landsh&#246;vding ist eine 400 Jahre alte schwedische Institution. Die Gouverneure werden nicht gew&#228;hlt, sondern vom K&#246;nig ernannt. Ihre Aufgaben sind rein repr&#228;sentativer Natur, sie m&#252;ssen Essen geben, Denkm&#228;ler einweihen, bei Festbanketten des schwedischen K&#246;nigshauses anwesend sein. Wir sehen Bj&#246;rck beim Planen, bei Einweihungen, beim Telefonieren und Zeitung lesen.</p>
<p>Regisseur Månsson hat H:r Landsh&#246;vding als moderne Cinéma vérité Doku angelegt und wie die gro&#223;en Vorbilder Leacock, Maysles und Wiseman auf k&#246;rnigem 16 mm SW-Filmmaterial gedreht. In der st&#228;rksten Szene des Films sehen wir in einer grandiosen Hommage an die legend&#228;re Szene in <em>Primary</em> von Robert Drew, in der John F. Kennedy von der Kamera verfolgt einen endlos langen Gang entlang geht, um am Ende beim jubelnden Wahlpublikum anzukommen, wie Anders Bj&#246;rk einen endlos langen Gang entlang geht. Aber auf Bj&#246;rk wartet am Ende keine jubelnde Menschenmenge, Bj&#246;rks Weg f&#252;hrt ins Nichts.</p>
<p>MAN T&#196;NKER SITT <strong>10.02. 22.30, CineStar 8<br />
ZUSATZVORSTELLUNG: 11.2., 15.30, Arsenal 2</strong><br />
H:R LANDSH&#214;VDING 15.02. 14:30, CineStar 8 </p>
]]></content:encoded>
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		<title>Waltz with Bashir (FFF): Was vom Massaker bleibt</title>
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		<pubDate>Mon, 18 Aug 2008 05:04:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>holger</dc:creator>
				<category><![CDATA[FFF 2008]]></category>
		<category><![CDATA[Animationsfilm]]></category>
		<category><![CDATA[Autobiographie]]></category>
		<category><![CDATA[Dokumentarfilm]]></category>
		<category><![CDATA[FFF]]></category>
		<category><![CDATA[Israel]]></category>
		<category><![CDATA[Kriegsfilm]]></category>
		<category><![CDATA[Libanon]]></category>
		<category><![CDATA[Trickfilm]]></category>
		<category><![CDATA[Zeichentrick]]></category>

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		<description><![CDATA[Regie: Ari Folman Israel/ Frankreich/ Deutschland 2008 87 Min. Sektion: Selected Features Deutscher Kinostart: 6.11.2008 Foto: FFF Drei Soldaten liegen nackt im Meer vor Beirut. Sie erheben sich, gehen langsam ans Ufer, ziehen sich an und gehen in die zerst&#246;rte Stadt. Die Szene ist die einzige Erinnerung, die der israelische Dokumentarfilmer Ari Folman an seine [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Regie:</strong> Ari Folman<br />
Israel/ Frankreich/ Deutschland 2008<br />
87 Min.<br />
Sektion: Selected Features<br />
<strong>Deutscher Kinostart: 6.11.2008</strong></p>
<p><a href="http://www.dasblogzumhof.de/wp-content/uploads/2008/08/waltz-with-bashir_stills_4.jpg"><img src="http://www.dasblogzumhof.de/wp-content/uploads/2008/08/waltz-with-bashir_stills_4.jpg" alt="" title="waltz-with-bashir_stills_4" width="300" height="226" class="alignnone size-medium wp-image-773" /></a></p>
<h4>Foto: FFF</h4>
<p>Drei Soldaten liegen nackt im Meer vor Beirut. Sie erheben sich, gehen langsam ans Ufer, ziehen sich an und gehen in die zerst&#246;rte Stadt. Die Szene ist die einzige Erinnerung, die der israelische Dokumentarfilmer Ari Folman an seine Zeit in der israelischen Besatzungsarmee im Libanon Anfang der 80er Jahre, auf dem H&#246;hepunkt des libanesischen B&#252;rgerkrieges noch hat. Wahrscheinlich hat es die Szene niemals gegeben. Sie existiert nur in der Erinnerung von Ari Folman.<span id="more-763"></span></p>
<p>Als ihm ein Freund von seinen n&#228;chtlichen Alptr&#228;umen erz&#228;hlt, in denen er von den 26 Hunden gejagt wird, die er im Krieg erschie&#223;en musste, nimmt Ari dies zum Anlass seine eigene Zeit, an die er sich nicht mehr erinnern kann, aufzuarbeiten. Er spricht mit seinen damaligen Kameraden und mit Psychologen auf der Suche nach seiner privaten Kriegsgeschichte. Aus den Erz&#228;hlungen und Interviews macht er anschlie&#223;end einen Dokumentarfilm, der zugleich ein Dokumentarfilm &#252;ber eines der schlimmsten Massaker der j&#252;ngeren Kriegsgeschichte wird.</p>
<p>Das Gemetzel, das die mit Israel verb&#252;ndeten christlichen Phalange-Milizen vom 16.-18. September 1982 in den pal&#228;stinensischen Fl&#252;chtlingslagern Sabra und Schatila anrichten, steht paradigmatisch als erstes Kriegsverbrechen, das direkt vor den Augen einer unt&#228;tigen Schutzarmee begangen wird. Die Opferzahlen sind noch nicht so hoch wie bei den sp&#228;teren Massakern in Srebrenica oder Ruanda, sie schwanken zwischen den 460 Toten, die die libanesiche Polizei z&#228;hlte und einigen Tausend, die Beobachter sch&#228;tzten. Rund 800 vermutet die israelische Armee. Inwieweit der damalige israelische Verteidigungsminister Ariel Scharon von den Vorg&#228;ngen wusste bzw. diese in Kauf genommen hat, ist bis heute umstritten. Auch dieses Massaker ist niemals wirklich aufgearbeitet worden.</p>
<div id="attachment_768" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><img class="size-medium wp-image-768" title="waltz-with-bashir-2" src="http://www.dasblogzumhof.de/wp-content/uploads/2008/08/waltz-with-bashir-2.gif" alt="Bild: Fantasy Film Fest" width="300" height="168" /><p class="wp-caption-text">Bild: Fantasy Film Fest</p></div>
<p>WALTZ WITH BASHIR ist aber weit mehr als nur ein sehr pers&#246;nlicher Dokumentarfilm &#252;ber ein Kriegsverbrechen. Dokumentarfilmer Ari Folman hat gleich ein ganz neues Filmgenre erfunden: Den Zeichentrick-Dokumentarfilm. Damit umschifft Folman nicht nur elegant das Problem, dass f&#252;r die meisten Interview-Aussagen kein Archivmaterial zur Verf&#252;gung stand, sondern schafft der Distanziertheit und Unsicherheit der Erinnerung auch bildgestalterisch Ausdruck. Gro&#223;es Lob geb&#252;hrt dabei dem Zeichentrick-Team um Yoni Goodman, das mit 2300 Illustrationen einen Trickfilm auf technisch sehr hohem Niveau geschaffen hat.</p>
<p>Zum Sinnbild der Sinnlosigkeit des gesamten Krieges und des Feldzuges in den Libanon wird dabei die Erz&#228;hlung eines Freundes, der, als sie von Hochh&#228;usern aus beschossen werden, mit dem Maschinengewehr in der Hand aus der Deckung mitten auf die Stra&#223;e rennt und, wild um sich schie&#223;end, einen Tanz auff&#252;hrt, im Hintergrund ist ein riesiges Plakat des gerade eben ermordeten libanesischen Pr&#228;sidenten Bashir Gemayel zu sehen. Dieser Bashir, der da im Hintergrund mittanzt, ist f&#252;r die christlichen Milizen des Libanon eine vererhrte Lichtgestalt wie Kennedy es in der westlichen Welt war.</p>
<p>Seine Ermordung (wahrscheinlich durch den syrischen Geheimdienst) ist der Auftakt des Kriegsverbrechens, auf den der Film von Beginn an hinsteuert. Folgerichtig kippt der Film dann ganz am Ende doch aus den gezeichneten Erinnerungen in zeitgen&#246;ssische Filmbilder. Es sind die Bilder der zerst&#246;rten Fl&#252;chtlingslager, &#252;berall liegen Schutt und Leichen herum, dazwischen laut klagende und schreiende Frauen. Es sind Originalaufnahmen, die unmittelbar nach Beendigung des Massakers aufgenommen wurden und die nun die &#228;sthetische Distanz des Zuschauers urpl&#246;tzlich aufbrechen. Aber auch f&#252;r die Trickfigur Ari Folman sind die Archivaufnahmen am Ende eine Erl&#246;sung. Er hat seine Erinnerung wiedergewonnen.</p>
<p>In Cannes wurde der Film angeblich &#228;hnlich bejubelt wie letztes Jahr Persepolis.</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Obcan Havel, B&#252;rger Václav Havel (Forum) &#8211; Pl&#246;tzlich im internationalen Rampenlicht</title>
		<link>http://www.dasblogzumhof.de/festivals/allgemein/obcan-havel-buerger-vaclav-havel-forum.php</link>
		<comments>http://www.dasblogzumhof.de/festivals/allgemein/obcan-havel-buerger-vaclav-havel-forum.php#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 11 Feb 2008 13:14:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>kleo</dc:creator>
				<category><![CDATA[Berlinale 2008]]></category>
		<category><![CDATA[BERLINALE Archiv]]></category>
		<category><![CDATA[Dokumentarfilm]]></category>
		<category><![CDATA[Miroslav Janek]]></category>
		<category><![CDATA[Pavel Kouteký]]></category>

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		<description><![CDATA[Regie: Pavel Kouteký, Miroslav Janek Tschechische Republik 120 Min. Kein allt&#228;glicher Pr&#228;sident: der intellektuelle Schriftsteller Václav Havel »Wenn man ein Jahr lang im Schneideraum mit einem Menschen verbringt, dann ist es, als h&#228;tte man ihn unter dem Mikroskop untersucht. Das ist wie eine t&#228;gliche Dosis von der man beinahe abh&#228;ngig wird.« (Miroslav Janek, Quelle: Forumskatalog) [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Regie:</strong> Pavel Kouteký, Miroslav Janek<br />
Tschechische Republik<br />
120 Min.</p>
<p><a href="http://www.dasblogzumhof.de/wp-content/uploads/2008/02/havel.jpg" title="havel.jpg"><img src="http://www.dasblogzumhof.de/wp-content/uploads/2008/02/havel.jpg" alt="havel.jpg" /></a></p>
<h4> Kein allt&#228;glicher Pr&#228;sident: der intellektuelle Schriftsteller Václav Havel</h4>
<p>»Wenn man ein Jahr lang im Schneideraum mit einem Menschen verbringt, dann ist es, als h&#228;tte man ihn unter dem Mikroskop untersucht. Das ist wie eine t&#228;gliche Dosis von der man beinahe abh&#228;ngig wird.« (Miroslav Janek, Quelle: Forumskatalog)</p>
<p>11.2., 19.30 Uhr, CineStar 8, OmE<br />
12.2., 16.30 Uhr, Delphi, OmU<br />
14.2., 20.00 Uhr, Colosseum 1, OmE</p>
<p><span id="more-195"></span></p>
<p>Die Geschichte &#252;ber die Entstehung des Films muss man zu Beginn erz&#228;hlen:</p>
<p>Als der Dokumentarfilmer Pavel Kouteký 1989 erfuhr, dass Havel vielleicht Pr&#228;sident wird, dachte er sofort, dass man dar&#252;ber einen Film drehen m&#252;sse. Er lag gerade in einem englischen Krankenhaus und sah zu, dass er so schnell wie m&#246;glich nach Prag kam. Dort angekommen, drehte er einen ironischen Zehnmin&#252;ter &#252;ber den Tag als Havel Pr&#228;sident der Tschechoslowakei wurde. Da der Sekret&#228;r von Havel diesen Kurzfilm mochte, erlaubte Havel Kouteký, dass das Filmteam ihn begleiten darf, unter der Bedingung, dass der Film auch die gesellschaftspolitischen Ereignisse des Landes festhalten soll. Und so beginnt der Film OBCAN HAVEL mit der zweiten Pr&#228;sidentschaftskandidatur Havels nach der Teilung des Landes.</p>
<p>Das Filmteam wird zum gelegentlichen Begleiter des Pr&#228;sidenten &#8211; bis zu jenem tragischen Tag im Jahre 2006. Kouteký st&#252;rzte w&#228;hrend Dreharbeiten von einem Prager Hochhaus und starb an den Komplikationen. Daraufhin f&#252;hrte Miroslav Janek, hauptberuflich Cutter, das Projekt weiter. Er schloss sich mit seiner Frau, auch Cutterin, zehn Tage zu Hause ein und sah sich 40 dreist&#252;ndige VHS-Kassetten mit dem ungeschnittenen Material an. Sie hatten M&#252;he, den Fernseher abends auszuschalten, so interessant fanden sie das Rohmaterial. Irgendwann gingen sie in den Schneiderraum und schnitten aus 120 Stunden 120 Minuten.</p>
<p>Der Film ist ungew&#246;hnlich. Es passiert nicht alle Tage, dass ein Dramatiker Pr&#228;sident wird, dass zudem das politische System wechselt und dass dies auch noch von einem Bekannten gefilmt wird. Der Schriftsteller Václav Havel, dessen St&#252;cke in der Tradition des absurden Theaters stehen, ist als Oppositioneller zur Politik gekommen. Nach der Niederschlagung des Prager Fr&#252;hlings war er dreimal im Gef&#228;ngnis. Insgesamt f&#252;nf Jahre. Er war einer der Hauptinitiatoren der Charta 77, einer tschechischen B&#252;rgerrechtsbewegung, und Anf&#252;hrer der so genannten Samtenen Revolution, die im November 1989 den Systemwechsel einleutete.</p>
<p>Als Kouteký 1992/93 mit dem Dreh beginnt, bereiten Havels Leute gerade eine Wahlkampagne vor. Die Trennung des Landes war soeben erfolgt und Havel, der kurz vorher abgew&#228;hlt worden war, weil er die Teilung verhindern wollte, kandidiert erneut. Diesmal f&#252;r Tschechien. Das Material, das Janek vorlag, reichte von 1992 bis 2005 und der Cutter sah schnell, dass der Regisseur, Havel ungew&#246;hnlich nahe gekommen war.</p>
<p>Havel war auch ein dankbarer Protagonist. Er verhielt sich nat&#252;rlich vor der Kamera, inszenierte sich nicht wie andere Politiker. Zu Beginn, w&#228;hrend der Wahlkampagne und seiner Ernennung zum Pr&#228;sidenten, wirkt Havel wie ein distanzierter Intellektueller, der der Inszenierung eines komischen Theaterst&#252;cks beiwohnt. Er scheint fast belustigt &#252;ber die Inszenierung auf der politischen »B&#252;hne«. Nur wenn es um die Fussel auf seinen Klamotten geht, da versteht er keinen Spa&#223; mehr.</p>
<p>Der Regisseur beobachtet wie Havel in sein Amt hineinw&#228;chst, h&#228;lt die H&#246;hepunkte aber auch die Tiefschl&#228;ge fest. Den Dokumentarfilmer interessieren weniger die gesellschaftspolitischen Ver&#228;nderungen des Landes, sie sind nur der Background f&#252;r Havel, der mehr B&#252;rger als Pr&#228;sident ist. Er schafft es mit kleinen subtilen Gesten, die innere Stimmung von Havel in Szene zu setzen: &#196;u&#223;erlich mag er bei einem &#246;ffentlichen Empfang ruhig wirken, doch ein Zoom auf Havels zappelnde H&#228;nde, die er hinter dem R&#252;cken verbirgt, zeigen, wie er wirklich drauf ist. Diese Einstellungen verraten, dass Havel gerne den distanzierten Intellektuellen herauskehren m&#246;chte, der er ja auch irgendwie ist, aber so ganz ohne Herrscherlampenfieber l&#228;uft es eben doch nicht. Besonders angespannt wirkt er, wenn es um offizielle Empf&#228;nge von Halbg&#246;ttern wie den Rolling Stones oder Pr&#228;sident Clinton geht. Oder aber wenn er in den USA eine Rede auf Englisch halten muss.</p>
<p>Kouteký interessiert aber auch das Private &#8211; das Private was wiederum auch &#246;ffentlich wird, wenn man Pr&#228;sident ist. Die Szene, die das am eindrucksvollsten widerpiegelt, ist die als seine Frau Olga stirbt, mit der Havel 36 Jahre verheiratet war: Sein Gesicht vor der Kamera verbergend, blickt er hinter einer Gardine versteckt, hinaus auf die lange Schlange von Kondolenzbesuchern. Eine Einstellung, voll mit Einsamkeit und doch von tausend Leuten umgeben.</p>
<p>In einer langen Szene diskutiert Havel mit jemanden, wie er sich gegen&#252;ber den Oppositionsf&#252;hrern zu verhalten hat. Havel ist der Ansicht, dass er sie &#252;ber ein Treffen zuerst informieren muss, bevor das an die Medien weitergegeben wird. Doch der andere h&#228;lt das f&#252;r unn&#246;tig: »Du bist der Pr&#228;sident. Du musst nicht vorher um Erlaubnis fragen.« Havel schweigt. Die Chefrolle bereitet ihm &#228;u&#223;erstes Unbehagen und die Diskussion dauert noch lange. Sehr viel sp&#228;ter sehen wir eine Szene, in der Havel, pl&#246;tzlich laut und bestimmt wird. Fast polternd.</p>
<p>Vielleicht ist er doch irgendwann ein bisschen Pr&#228;sident geworden, zumindest ahnt er, was es hei&#223;t, Pr&#228;sident zu sein: Ziemlich viel Gepose, eine gute Figur machen, viel Party. Hartes Verhandeln, aber auch mal einstecken. Man steht st&#228;ndig im Rampenlicht, auch wenn man nicht will. Fehler? In der &#214;ffentlichkeit: So was gibt es nicht. Den Gegner fragt man nicht, sondern man diktiert. Und wenn man das alles beherrscht, darf man auch mal ein bisschen Mensch sein und zusammen mit Bill Clinton ganz locker Musik machen. Wenn man sich vor lauter Steifheit noch irgendwie bewegen kann.</p>
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		<title>Yasukuni (Forum) &#8211; Japans Vergessen</title>
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		<pubDate>Mon, 11 Feb 2008 11:38:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>franziska rofards</dc:creator>
				<category><![CDATA[Berlinale 2008]]></category>
		<category><![CDATA[BERLINALE Archiv]]></category>
		<category><![CDATA[Dokumentarfilm]]></category>

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		<description><![CDATA[»Ich wollte die Erinnerungen der Menschen auf einer gro&#223;en B&#252;hne zusammenbringen.« (Regisseur Li Ying) Regie: Li Ying Japan/China 2007 123 min. Am 60. Jahrestag der Beendigung des zweiten Weltkriegs in Asien beobachtet der Regisseur das Aufeinandertreffen von Kriegsveteranen und Politikern am Yasukuni-Schrein. Wie ein Heiligtum steht der Schrein im Zentrum der Verehrung des japanischen Militarismus. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>»Ich wollte die Erinnerungen der Menschen auf einer gro&#223;en B&#252;hne zusammenbringen.« (Regisseur Li Ying)</strong></p>
<p><strong>Regie:</strong> Li Ying<br />
Japan/China 2007<br />
123 min.</p>
<p><a href="http://www.dasblogzumhof.de/wp-content/uploads/2008/02/yasukunidoc.jpg" title="yasukunidoc.jpg"><img src="http://www.dasblogzumhof.de/wp-content/uploads/2008/02/yasukunidoc.jpg" alt="yasukunidoc.jpg" /></a></p>
<p>Am  60. Jahrestag der Beendigung des zweiten Weltkriegs in Asien beobachtet der Regisseur das Aufeinandertreffen von Kriegsveteranen und Politikern am Yasukuni-Schrein. Wie ein Heiligtum steht der Schrein im Zentrum der Verehrung des japanischen Militarismus. Soldaten und Kriegsverbrecher werden dort als Helden und M&#228;rtyrer der Nation gefeiert, w&#228;hrend Kritikern der Mund verboten wird.</p>
<p>11.02., 17:15, Arsenal 1 (OmU)<br />
12.02., 12:45, CineStar 8 (OmE)<br />
14.02., 20:00, Cubix 9 (OmU)</p>
<p><span id="more-218"></span></p>
<p>Kriegsveteranen, umringt von Touristen, marschieren mit Japans Milit&#228;rflagge auf, alte Frauen diskutieren &#252;ber den Schrein-Besuch des damaligen Premierministers Koizumi und verstehen die Kritik des Auslands nicht. Eine Gedenkfeier singt die Nationalhymne und ein Redner bezeichnet den 2. Weltkrieg als einen Verteidigungskrieg Japans. Zwei junge M&#228;nner, die gegen die Veranstaltung protestieren, werden schlie&#223;lich mit Rufen wie„Geh zur&#252;ck nach China, du Idiot“ – &#252;ber den Platz gedr&#228;ngt, einer von ihnen dann mit blutendem Gesicht in ein Polizeiauto verfrachtet. Ein US-Amerikaner im wei&#223;en Hemd erkl&#228;rt sich solidarisch mit Koizumi. Doch weil er eine amerikanische Flagge schw&#228;ngt, f&#252;hlen sich die Schreinbesucher provoziert und beschimpfen ihn w&#252;st. Schlie&#223;lich wird er vom Platz verwiesen.</p>
<p>Skurriler k&#246;nnte die Situation kaum sein. Die &#220;berlebenden des 2. Weltkrieges, etwa in China, warten bis heute noch auf eine offizielle Entschuldigung Japans. Das Massaker von Nanking im Dezember 1937 forderte Hunderttausenden chinesischen Zivilisten das Leben. Doch am Yasukuni-Schrein wird das Massaker als L&#252;ge bezeichnet.  Neben der Kritik an dieser Erinnerungskultur verlangen Hinterbliebene taiwanesischer und koreanischer Kolonialsoldaten, welche namentlich im Yasukuni-Schrein erw&#228;hnt werden, die L&#246;schung der Namen. Die Shintō-Religion, f&#252;r die der Schrein ebenfalls steht, ist f&#252;r sie ein Teil japanischer Kolonialgeschichte. Die ehemalige Besatzungsmacht beantwortete die koreanische Unabh&#228;ngigkeitsbewegung mit Repression, strich die koreanische Sprache 1938 aus den Lehrpl&#228;nen und zwang alle Koreaner einen japanischen Namen anzunehmen. Millionen wurden schlie&#223;lich zum Kriegsdienst gezwungen, einige von ihnen werden heute im Schrein verehrt, neben ihren Namen die von Kriegsverbrechern.</p>
<p>Li kommentiert erst am Ende das Geschehen. Er zeigt Photografien und alte Filmaufnahmen von Kriegsverbrechen, die er mit einer Trauermusik unterlegt. Damit stellt er der Heldenverehrung die Trauer entgegen. Stellvertretend f&#252;r die fehlende Auseinandersetzung steht ein Schmied, der letzte der Yasukuni-Schwerter herstellen kann. Als er nach seinen Erinnerungen befragt wird, schweigt er lange in die Kamera.</p>
<p>Li Ying kommentiert seinen Film so: „Ich wollte die Erinnerungen der Menschen auf einer gro&#223;en B&#252;hne zusammenbringen. Unterschiedliche Nationen haben unterschiedliche Erinnerungen. Yasukuni handelt von der Erinnerung, aber auch vom Vergessen. Ich benutze Ausschnitte aus Kriegsfilmen, um japanische Zuschauer mit diesen Erinnerungen zu konfrontieren. Der Schwertschmied verk&#246;rpert das Vergessen.“</p>
<p>Die B&#252;hne das sind die Nationalisten, die die Toten als Helden verehren. Das sind die Vergessenden wie der Schmied. Aber das sind auch die vielen Kritiker, denen am Schrein, der Mund verboten wird. Sie wollen trauern, doch die Heldenverehrung verhindert das. Li verleiht ihnen eine Stimme.</p>
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		<title>Substitute (Forum) &#8211; Ersatzspieler sind die einsamsten Menschen auf der Welt</title>
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		<pubDate>Sun, 11 Feb 2007 23:50:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>kleo</dc:creator>
				<category><![CDATA[Berlinale 2007]]></category>
		<category><![CDATA[BERLINALE Archiv]]></category>
		<category><![CDATA[Dokumentarfilm]]></category>
		<category><![CDATA[Fred-Poulet]]></category>
		<category><![CDATA[Super8]]></category>
		<category><![CDATA[Vikash-Dhorasoo]]></category>
		<category><![CDATA[WM-2006]]></category>

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		<description><![CDATA[Dokument eines Scheiterns Regie: Fred Poulet, Vikash Dhorasoo Frankreich 2006 72 Minuten englische UT Bewertung:»Trotz unscharfer Bilder mit zum Teil eigenwilligen Bildausschnitten und nicht synchron laufendem Ton ist SUBSTITUTE von einer nicht zu leugnenden melancholischen Sch&#246;nheit. Der Film ist der pers&#246;nliche Bericht &#252;ber eine Entt&#228;uschung.« (Le Monde) Durch Zufall las der Fu&#223;ballspieler Vikash Dhorasoo einen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Dokument eines Scheiterns</strong><br />
<strong>Regie:</strong> Fred Poulet, Vikash Dhorasoo<br />
Frankreich 2006<br />
72 Minuten<br />
englische UT</p>
<table border="0">
<tr>
<td>
<img src="http://www.football.fr/fr/images/20073/dho.jpg" alt="Vikash Dhorasoo" title="Vikash Dhorasoo" align="left" hspace="14" />
</td>
</tr>
</table>
<p><strong>Bewertung:»Trotz unscharfer Bilder mit zum Teil eigenwilligen Bildausschnitten und nicht synchron laufendem Ton ist SUBSTITUTE von einer nicht zu leugnenden melancholischen Sch&#246;nheit. Der Film ist der pers&#246;nliche Bericht &#252;ber eine Entt&#228;uschung.« (Le Monde)</strong><br />
<span id="more-8"></span></p>
<p>Durch Zufall las der Fu&#223;ballspieler Vikash Dhorasoo einen Artikel &#252;ber sich, geschrieben vom Sportjournalisten Fred Poulet. Sie lernten sich kennen und Poulet gab Dhorasoo eine Super-8-Kamera, damit er seine pers&#246;nlichen WM-Erlebnisse filmt. Damit beginnt der Film: Poulet erkl&#228;rt Dhorasoo die Super-8-Kamera, die ohne Ton filmt und bei der keine Aufnahme l&#228;nger als drei Minuten dauert. Wer schon einmal Super 8 gefilmt hat, wei&#223;, was das bedeutet: Die Kamera ist extrem laut und im Vergleich zu den kleinen Digicams ein umst&#228;ndliches Riesenunget&#252;m. Das Filmmaterial ist empfindlich und schwer zu handhaben. Aufnahmen nebenbei und Schnappsch&#252;sse kann man vergessen. Man muss sich ganz konzentrieren. Genau das war der Hintergedanke Poulets: Dhorasoo sollte nicht wahllos 100 digitale B&#228;nder mit un&#252;berlegtem Zeugs vollfilmen, sondern er sollte wenige konzentrierte Aufnahmen machen. Herausgekommen ist ein einzigartiges Dokument eines gescheiterten Sportlers auf der Ersatzbank. Ein Antifilm des Profifu&#223;balls.<br />
Die Aufnahmen sind alles andere als professionell: Verwackelte, unscharfe, unterbelichtete Bilder &#8211; doch sie haben eine ungeheure Aussagekraft. Immer wieder tauchen die leeren, einsamen G&#228;nge der Hotels, vier wei&#223;e W&#228;nde und Dhorasoos hoffnungsloses Gesicht auf. Was auff&#228;llt: Die Abwesenheit von Menschen, seinen Mitspielern, dem Team.</p>
<p>Da die Super-8-Kamera keinen Ton hat, benutzt Dhorasoo ein Tonbandger&#228;t, das er anfangs wenig, sp&#228;ter immer h&#228;ufiger einbezieht. Deshalb hat Poulet zu Beginn des Films viele Telefongespr&#228;che mit ihm hineingeschnitten. Von Spiel zu Spiel hofft er dort auf einen lohnenden Einsatz &#8211; letztendlich stand er w&#228;hrend der gesamten WM nur sechzehn Minuten auf dem Rasen. &#220;ber seinen Ziehvater Domenech, der f&#252;r die Auswahl der Spieler verantwortlich war, sagt er: »Ich war sein Sohn, und er l&#228;sst den Sohn des Nachbarn spielen!« Wenn er mal auf dem Feld ist, &#252;bergibt er irgendjemandem die Kamera. Davon gibt es nur ganz wenige Aufnahmen und wer ihn dort sieht, wei&#223; genau, dieser Mann hat sich l&#228;ngst aufgegeben. Er l&#228;uft ganz gerade und stocksteif. Nach dem Sieg gegen Brasilien im Viertelfinale taucht er auf einmal zwischen den feiernden Teammitgliedern auf, doch dann dreht er sich ganz pl&#246;tzlich um und geht vom Feld. Als ob ihm im &#220;berschwang ein Ausrutscher passiert w&#228;re.<br />
Im Laufe der WM gew&#246;hnt sich der Spieler des fr&#252;heren Erstligisten <em>Paris St. Germain</em> an das technische Equipment. Er stellt sich vor den Spiegel in seinem Hotelzimmer, legt sich aufs Bett, spricht ins Tonbandger&#228;t und versucht sich zu rechtfertigen: Auch wenn er jetzt der Au&#223;enseiter sei, k&#246;nne er sp&#228;ter zumindest nicht sagen, er w&#228;re dabei gewesen? Wenn er in diesen tragischen Momenten pl&#246;tzlich in den Postkartenjargon &#252;berwechselt, »ich habe gut gegessen, vermisse aber meinen Schokoladenkuchen«, &#228;ndert sich die Tonlage ins Komisch-Banale. Absolute Sitcom ist auch ein Opa in irgendeinem deutschen Kaff, der die muckende Super-8-Kamera reparieren soll. Das wird noch von Poulets Kamera gefilmt, der ihn zu Beginn begleitet. Jedenfalls will der Opa &#8211; absolut berechtigt &#8211; herausfinden, warum zum Teufel heute im Zeitalter der Digitalisierung jemand auf Super 8 filmt. Er macht das sehr dezent, aber der Zuschauer wei&#223; genau, worauf er hinaus will, da er genauso denkt. Diese Szene ist witzig. Doch die tragische Qualit&#228;t des Ersatzspielers liegt so hoch, dass die wenigen deutschen Provinzszenen dem Ganzen nur einen genialen Hauch des Tragikkomischen geben k&#246;nnen. Ein paar mehr davon und dieser Film w&#228;re vielleicht ein Publikumsrenner. Nat&#252;rlich bekommt eine tragische Figur immer den Publikumsbonus und weckt mehr Sympathien als die erfolgreiche. Das liegt offenbar in der Natur des Menschen. Man erinnere sich nur an das Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft beim Italienspiel. Doch reicht dieser Umstand aus, um zu erkl&#228;ren, warum ein, nach Publikumsquote gemessen, erfolgreicher deutscher Kinofilm, der die WM aus einer anderen Perspektive schildert und der von professioneller Digi-Hand gefilmt wurde, um so vieles schlechter ist als ein verwackelter Super-8-Film eines Amateurs?</p>
<p>Kurz nachdem Poulet Dhorasoo die Super-8-Kamera gezeigt hat, sieht der Zuschauer ein paar Jungs, die mit einer lockeren Behendigkeit kicken, als w&#228;re es ihnen angeboren. Nichts davon steckt mehr in Dhorasoos Bewegungen. Doch er spielt in der Nationalmannschaft und war mal ein Erstligist. Er ist zwar oben angekommen, doch eigentlich ist er ein Nobody unter den Stars. Aber zu gut, um in der Ligue Fédérale du Football Amateurs zu spielen. Wenn man im Profisport ganz unten steht, ist man schlimmer dran als ein Amateur in irgendeiner Liga. In diesem Film verbirgt sich eine kritische Sprengkraft bez&#252;glich des Profisports. Was dieser anrichtet und auf welcher Ebene dort verhandelt wird, bassiert auf Erfahrungen, die nur Insider kennen.  Kein Wunder, dass der franz&#246;sische Fu&#223;ballverband &#252;ber »Substitute« nicht gerade begeistert war.  Dhorasoo wurde aus seinem Verein ausgeschlossen.</p>
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