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	<title>Blog zum Hof &#187; Gewalt</title>
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		<title>Shotgun Stories &#8211; eine Choreographie der Rache</title>
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		<pubDate>Sat, 10 Oct 2009 11:29:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>holger</dc:creator>
				<category><![CDATA[Berlinale 2007]]></category>
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		<category><![CDATA[FILM GIBTS AUCH IM ALLTAG]]></category>
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		<description><![CDATA[USA 2007 Regie: Jeff Nichols L&#228;nge: 92 Minuten Kinostart: 8.10.2009 Ein neuer Film des amerikanischen Independent-Kinos zerst&#246;rt ganz beil&#228;ufig den Hollywood-Mythos von der perfekten Rache. Absolut empfehlenswertes Drama aus Arkansas mit fabelhaft aufgelegten (Laien-)Schauspielern. Der alte Hayes war ein Mann mit zwei Gesichtern. Nach jahrelangem Trinken hatte er ein christliches Erweckungserlebnis. Er h&#246;rte mit dem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>USA 2007<br />
Regie: Jeff Nichols<br />
L&#228;nge: 92 Minuten<br />
<strong>Kinostart: 8.10.2009</strong></p>
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<tr>
<td>
<img src="http://www.dasblogzumhof.de/wp-content/uploads/2009/10/shotgunstories_large.jpg" alt="shotgunstories_large" title="shotgunstories_large" width="350" height="263" class="alignleft size-full wp-image-2549" />
</td>
</tr>
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<p><strong>Ein neuer Film des amerikanischen Independent-Kinos zerst&#246;rt ganz beil&#228;ufig den Hollywood-Mythos von der perfekten Rache. Absolut empfehlenswertes Drama aus Arkansas mit fabelhaft aufgelegten (Laien-)Schauspielern.<br />
</strong></p>
<p>Der alte Hayes war ein Mann mit zwei Gesichtern. Nach jahrelangem Trinken hatte er ein christliches Erweckungserlebnis. Er h&#246;rte mit dem Trinken auf, verlies seine Familie und gr&#252;ndete im Nachbarort eine neue. Wird erfolgreicher Farmer. Die verlassene Frau kommt &#252;ber die Trennung niemals hinweg. Ihre drei S&#246;hne werden im Hass auf den Vater gro&#223;gezogen, w&#228;hrend er der neuen Familie ein treusorgender Gatte und liebevoller Vater war. Die Vergangenheit hat er begraben. So tief, dass er die eigenen S&#246;hne verleugnete, denen er nicht einmal Namen zugestanden hatte. Sie hei&#223;en Son, Boy und Kid. Namen f&#252;r Hunde. So leben nur wenige Meilen voneinander entfernt zwei Familien in erbittertem Hass. Dann stirbt der alte Hayes. <span id="more-11"></span></p>
<p>Son, Boy und Kid wagen es, zur Beerdigung zu gehen. Son h&#228;lt am offenen Grab eine kurze Rede, in der er vom anderen Hayes spricht, dem Hayes, der ihm Vater war. Zum Schluss aber spuckt er auf den Sarg. Die drei Br&#252;der werden gewaltsam von der Beerdigung vertrieben. Gleich danach beraten die Br&#252;der der neuen Familie, wie diese Blasphemie ger&#228;cht werden kann. Was nun folgt, ist die pr&#228;zise Choreographie der Blutrache. Obwohl jedem der Beteiligten die Unvernunft ihrer Handlungen erkennbar ist, kann sich doch keiner ihrer logischen Folgerichtigkeit entziehen. Innerhalb beider Lager gibt es die eher vern&#252;nftigen Parts, die vergeblich zu m&#228;&#223;igen versuchen, und die Hei&#223;sporne, die die Eskalation vorantreiben.</p>
<p>Die St&#228;rke des Films besteht darin, die Gewaltakte niemals zu zeigen. Es ist unn&#246;tig. Zu oft hat man die Mechanismen der Rache gesehen. Die Regeln der Eskalation sind bekannt: Jede Handlung der einen Seite erfordert die Gegenhandlung der anderen, jede vollzogene Rache erfordert die Gegenrache. So konzentriert sich Nichols ganz auf das psychologische Innenleben seiner Figuren, der Frage, warum sie einfach keinen Ausweg aus dem archaischen Denkmuster finden.</p>
<p>Der Film erz&#228;hlt in einer lakonischen Ruhe, zeigt immer wieder die Weite der Landschaft Arkansas mit seinen Baumwollpflanzungen. Doch unter der sch&#246;nen Oberfl&#228;che lauert die Gewalt. Als Zuschauer kann man die ruhigen Bilder nie wirklich genie&#223;en, weil immer schon der n&#228;chste Gewaltausbruch droht.</p>
<p>Die Rache ist ein schwieriges Konstrukt ohne Ende. Im Grunde will jede Rache den Konflikt beenden. So wird wiederkehrend auf beiden Seiten immer wieder gesagt: »Irgend jemand wird das beenden m&#252;ssen.« Aber jedes Ende ist nur wieder ein Anfang f&#252;r die Gegenseite. Die Crux ist also, dass der Konflikt ins Unendliche weitergeht, obwohl beide Seiten eigentlich ernsthaft an einem Ende interessiert sind.</p>
<p>Nichols selbst beschreibt die Intention zu seinem Film so: »In der Literatur, im Film, in der Politik oder der Gesellschaft wird Rache, genauer gesagt: das Rachenehmen, h&#228;ufig als Erfolgsgeschichte dargestellt. Ob es Edmund Dantès in >Der Graf von Monte Christo< ist, der seinen Schwur, Danglars zu ruinieren, einl&#246;st, oder ob der Terrorist Hans Gruber in >Die Hard< zu Tode kommt.« Diesen Rachemythos zerst&#246;rt Nichols&#8217; SHOTGUN STORIES: »Rache kann niemals erfolgreich sein.« </p>
<p>Nach dem Film gab es im Delphi minutenlange Ovationen f&#252;r den Regisseur.</p>
<p>Dieser Artikel wurde w&#228;hrend der Berlinale 2007 geschrieben. </p>
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		<title>Tropa de Elite</title>
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		<pubDate>Thu, 24 Jul 2008 11:49:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>kleo</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Regie: José Padilha Brasilien 2007 118 Min. noch ohne Starttermin Will aus der Schusslinie raus, weil er Vater wird: Elite-Einsatzleiter Nascimento Aus einem Versteck beobachten zwei Polizisten eine Party in einer Favela. Ihre Kollegen tauchen auf, doch statt die Dealer zu verhaften, kassieren sie Schmiergeld. Nachdem sich die beiden verst&#228;ndigt haben, dass sie korrupte Bullen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Regie:</strong> José Padilha<br />
Brasilien 2007<br />
118 Min.<br />
noch ohne Starttermin</p>
<p><a href="http://www.dasblogzumhof.de/wp-content/uploads/2008/07/tropa.jpg"><img class="alignnone size-medium wp-image-365" title="tropa" src="http://www.dasblogzumhof.de/wp-content/uploads/2008/07/tropa.jpg" alt="" width="200" height="200" /></a></p>
<h4>Will aus der Schusslinie raus, weil er Vater wird: Elite-Einsatzleiter Nascimento</h4>
<p>Aus einem Versteck beobachten zwei Polizisten eine Party in einer Favela. Ihre Kollegen tauchen auf, doch statt die Dealer zu verhaften, kassieren sie Schmiergeld. Nachdem sich die beiden verst&#228;ndigt haben, dass sie korrupte Bullen noch mehr hassen als Dealer, schie&#223;en sie. Daraufhin wird von allen Seiten das Feuer auf sie er&#246;ffnet. Nur eine Spezialeinheit kann sie da noch rausholen. Der schwarze Polizist Matias ist &#252;ber deren Professionalit&#228;t schwer beeindruckt: »Wie kommt man zu euch?«<br />
<span id="more-358"></span><br />
TROPA DE ELITE zeigt die Arbeit dieser Eliteeinheit, der BOPE (Batalhão de Operacõ Policiais Especiasis), die in den Favelas Rios zur Bek&#228;mpfung der Drogenkriminalit&#228;t eingesetzt wird. Der Einsatzleiter Nascimento, der die Geburt seines ersten Kindes erwartet, will den Dienst quittieren, muss aber erst einen geeigneten Nachfolger finden. Nascimento ist der Erz&#228;hler aus dem OFF, der nicht nur seine Geschichte erz&#228;hlt, sondern auch die seiner potentiellen Nachfolger, den Expolizisten Matias und Neto. Die Rahmenhandlung schrieb der Regisseur zusammen mit Bráulio Mantovani (»City of God«) und Rodrigo Pimentel, einer der ehemaligen BOPE-Leute, die das Buch »Elite da Tropa« geschrieben haben, auf das der Film basiert.</p>
<p>Man hat José Padilha vorgeworfen, einen »faschistoiden«, »gewaltverherrlichenden« und »gewaltlegitimierenden« Film  gedreht zu haben. Denn die drastische Vorgehensweise der BOPE wird mit einem durch und durch korrupten Polizeisystem begr&#252;ndet. Das reicht vom Einsacken von Bu&#223;geldern f&#252;rs Falschparken &#8211; da der Staat so pleite ist, dass er sich keine Abschleppfahrzeuge mehr leisten kann &#8211;  &#252;ber Schutzgelderpressung bis hin zum Abkassieren von Drogengeldern. Um diesen undurchdringlichen Kreislauf zu durchbrechen, wendet die Eliteeinheit derbe Mittel an. Besonders beliebt ist es beispielsweise, den zu verh&#246;renden Opfern T&#252;ten &#252;ber den Kopf zu st&#252;lpen, so dass sie glauben zu ersticken. Nach einem Einsatz der BOPE ist der Boden mit blutigen Plastikt&#252;ten &#252;bers&#228;ht. In dem Ausbildungslager, in dem auch Matias und Neto gedrillt werden, wird den Rekruten der letzte Rest der Pers&#246;nlichkeit ausgetrieben, so wie man es von »Full Metal Jacket« her schon kennt. Hinzu kommt der dokumentarische Stil mit dem die Eins&#228;tze gefilmt wurden: Handkamera, eine extrem hohe Schnittfrequenz und permanente Rei&#223;schwenks. Padilha wahrt also film&#228;sthetisch als auch erz&#228;hltechnisch konsequent die Perspektive der BOPE (ausgenommen die allerletzte Szene, die aus der Perspektive des Opfers gezeigt wird). Einsatzleiter Nascimento ist zwar v&#246;llig ausgebrannt, aber weit davon entfernt kritische Gedanken an das Unternehmen BOPE zuzulassen. Die Sturm-und-Drang-Phase, die er schon l&#228;ngst hinter sich gelassen hat, wird durch Matias und Neto verk&#246;rpert, ein effektiver Kunstgriff. Sie w&#252;nschen sich n&#228;mlich nichts lieber als Polizisten und Dealern mal kr&#228;ftig in den Hintern zu treten.</p>
<p>Die Kritik bezieht sich also darauf, dass der Regisseur zwar die gewaltt&#228;tigen Methoden der BOPE zeigt, aber statt distanzierende Mittel einzubauen, dr&#228;ngt er einem vielmehr die Perspektive dieser Eliteeinheit auf.</p>
<p>Was soll daran schlecht sein?</p>
<p>Im Gegenteil: Diese konsequente Einhaltung der Perspektive ist nicht nur mutig, sondern auch sehr effektiv. Es w&#228;re einfach gewesen, Nascimentos Stimme aus dem OFF ein paar Zweifel einzuhauchen. Das spart Padilha aus und der Zuschauer kann selbst &#252;berpr&#252;fen, wie weit er mitgehen und wann er aussteigen m&#246;chte. Ob er die Machokultur, den harten milit&#228;rischen Stil, den die BOPE in der &#214;ffentlichkeit pr&#228;sentiert, legitim findet. </p>
<p>TROPA DE ELITE ist damit ein Zeugnis der Ohnmacht im Kampf gegen die organisierte Drogenkriminalit&#228;t, die die Favellas beherrscht. Der Film legitimiert die Gewalt nicht, sondern ist vielmehr realistisch, in dem was er zeigt. </p>
<p><a href="http://www.dasblogzumhof.de/wp-content/uploads/2008/07/figura_caveirao1.gif"><img class="alignnone size-medium wp-image-361" title="figura_caveirao1" src="http://www.dasblogzumhof.de/wp-content/uploads/2008/07/figura_caveirao1.gif" alt="" width="210" height="202" /></a></p>
<h4>Resonanz auf den Film: Die BOPE leugnet die Foltermethoden. Doch ihr Emblem spricht f&#252;r sich.</h4>
<p>Inzwischen hat sich die Organisation selbst widerlegt. Zu Beginn des Films wird die Jahreszahl 1997 eingeblendet, die zeigen soll, dass es die BOPE von damals nicht mehr gibt. Das Statement des Regisseurs: »Sie ist heute genauso korrumpiert wie alle Polizeieinheiten Rios.« Dass Padilha gegen das korrupte System Rios ist, daraus macht er keinen Hehl. So verzichtet er auf Joints, um die Drogenh&#228;ndler nicht zu unterst&#252;tzen. Den Vorwurf, dass er mit den Gewalttaten der BOPE symphatisiere, findet er jedoch absurd.</p>
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