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	<title>Blog zum Hof &#187; Inglourious Basterds</title>
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		<title>See&#223;len: Tarantino vs. Nazis: Buchkritik (3/3): Referenzen und Schluss</title>
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		<pubDate>Wed, 09 Sep 2009 22:49:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>kleo</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Referenz 1: »American Dirty War Movie«: Das verkommene Subjekt in einem irrealen Schlachtfeld. DAS DRECKIGE DUTZEND (Robert Aldrich, 1967) Das dritte und vorletzte Kapitel von Georg See&#223;lens INGLOURIOUS-BASTERDS-Buch ist f&#252;r den ahnungslosen Kinog&#228;nger &#8211; ich ordne mich da gerne ein &#8211; sicher am interessantesten. See&#223;len sieht die Wurzeln von Tarantinos neuestem Film in den amerikanischen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.dasblogzumhof.de/wp-content/uploads/2009/09/51vwd3J8ToL.jpg" alt="51vwd3J8ToL" title="51vwd3J8ToL" width="250" height="358" class="alignleft size-full wp-image-2429" /></p>
<p><strong>Referenz 1: »American Dirty War Movie«: Das verkommene Subjekt in einem irrealen Schlachtfeld. DAS DRECKIGE DUTZEND (Robert Aldrich, 1967)</strong></p>
<p>Das dritte und vorletzte Kapitel von Georg See&#223;lens INGLOURIOUS-BASTERDS-Buch ist f&#252;r den ahnungslosen Kinog&#228;nger &#8211; ich ordne mich da gerne ein &#8211; sicher am interessantesten. See&#223;len sieht die Wurzeln von Tarantinos neuestem Film in den amerikanischen »Dirty war movies« einerseits und im italienischen Trashfilm andererseits. </p>
<p>Im Gegensatz zu den Propagandafilmen des Pentagon und den patriotischen, sauberen Kriegsfilmen &#8211; in denen die Ordnung am Ende wieder hergestellt ist &#8211;  charakterisiert See&#223;len die »Dirty war movies« als Filme, in denen ein paar wilde und unmoralische Kerle in einen sinnlosen Krieg geschickt werden. <span id="more-2418"></span> Paradebeispiel: DAS DRECKIGE DUTZEND (Robert Aldrich, 1967): Ein paar zum Tode bzw. auch lebensl&#228;nglich verurteilte Schwerverbrecher unternehmen in diesem Actionfilm ein Himmelfahrtskommando: Sie sollen im franz&#246;sischen Hinterland in ein Schloss eindringen und ranghohe SS-Offiziere und Nazis t&#246;ten. In diesen Filmen erscheint alles fragw&#252;rdig: die Protagonisten und der Krieg. Den moralisch sauberen Helden gibt es nicht.</p>
<p>Die Italo-Trashfilme, so See&#223;len, beziehen sich nicht ausschlie&#223;lich auf die amerikanischen »Dirty war movies«, sondern auch auf die neorealistischen Filme. Diese w&#228;ren von den deutschen und den amerikanischen Kriegsfilmen folgenderma&#223;en abzugrenzen: Der Krieg verursacht hier ein solches Chaos, dass es zu einer »Aufl&#246;sung der Fronten« komme. Gute und B&#246;se seien, angesichts eines kriminellen Partisanen (DER BUCKLIGE VON ROM, Carlo Lizzani, 1960) oder einer Kapo-J&#252;din (KAPÒ, Cillo Pontecorvos, 1961) nicht mehr klar trennbar. </p>
<p><img src="http://www.dasblogzumhof.de/wp-content/uploads/2009/09/kapo.jpg" alt="kapo" title="kapo" width="200" height="282" class="alignleft size-full wp-image-2430" /></p>
<p><strong>Referenz 2: Neorealismus: Aufl&#246;sung der Fronten im italienschen Kriegsfilm. KAPÒ (Cillo Pontecorvos, 1961)</strong></p>
<p>Diese Sichtweise passte nat&#252;rlich nicht in das deutsche Bild vom Nationalsozialismus: »Der italiensche [Kriegs-]Film der f&#252;nfziger und sechziger Jahre hatte eine Aufl&#246;sung der Fronten beschrieben, in denen es die Konvention des deutschen Genres von der Auseinandersetzung der guten Soldaten mit den b&#246;sen Nazis nicht geben konnte. Der Widerstand war schon so prek&#228;r und irreal, wie er zuerst in den Trash-Movies und dann bei Tarantino wieder erscheint«. Parallel dazu liefen aber auch konventionelle patriotische Kriegsfilme im Italien der 60iger, die direkt an die »Mussolinische Heldenverehrung« ankn&#252;pften. </p>
<p>Ab 1967, so See&#223;len, explodierte der italienische Kriegs-Trashfilm, teilweise in europ&#228;ischer Co-Produktion (auch mit deutscher Beteiligung!): Das war eine wilde Mixtur aus Abenteuer-, Kriegsfilm und Gangstergeschichte, in der der 2. Weltkrieg nur noch Background war. Meistens ging es um eine abenteuerliche Mission hinter der Frontlinie. Beispiel UND MORGEN FAHRT IHR ZUR H&#214;LLE (Alberto De Martino, 1967): Drei fliehen aus einem deutschen Kriegsgefangenenlager in Holland und rauben den Nazis einen Diamantenschatz, den dann aber doch die holl&#228;ndischen Partisanen bekommen. Weitere seien, wegen der »wunderh&#252;bschen« deutschen Titel, nur benannt: TOTE FAULEN IN DER SONNE (1969), STOSSTRUPP AVOLA &#8211; JA, WO SIND DENN DIE KANONEN (1970), DIE HELDEN VON AFRIKA/5 GALGENV&#214;GEL AUF DEM WEG NACH TOBRUK (1973), HIMMELFAHRTSKOMANDO IN DIE H&#214;LLE (1971) etc. Es geht immer um eine Handvoll Soldaten, die irgendeinen Geheimauftrag erhalten, wobei sie dann Undercover operieren: »Mit nur wenigen &#196;nderungen h&#228;tte man in der Regel ein Drehbuch von einen ins andere Genre [z.B. Western, K.H.] &#252;bertragen k&#246;nnen [...]. Seinen eigenen Charakter erhielt der italiensche Trash-Kriegsfilm indes durch eine Beimengung von Elementen aus <em>giallo</em> und »gothischem« Empfinden des Schreckens. Die Ikonografie des Kriegsfilms verband auf direkte Weise pure, lustvolle Action mit dem Thrill von Camouflage, Verschw&#246;rung und Verrat mit einer manchmal reichlich infantilen Art von Humor [...].« (See&#223;len)</p>
<p>Und wie das beim Exploitation-Kino so ist: Wenn er sein Publikum irgendwann nicht mehr findet, transformiert er sich und mengt neue, verwertbare Stoffe bei, wie die Vietnam-und S&#246;ldner-Thematik, [»die jedem aufrechten, liberalen Kritiker die Galle &#252;berlaufen lie&#223;en, [weil] so randvoll mit Sexismus, Rassismus, Militarismus und Gewalt«] </p>
<p><img src="http://www.dasblogzumhof.de/wp-content/uploads/2009/09/salon-kitty.jpg" alt="salon-kitty" title="salon-kitty" width="246" height="334" class="alignright size-full wp-image-2425" /></p>
<p><strong>Referenz 3: Naziploitation (Sadiconazista): Gewalt und Sex &#8211; Historie nur als Background. SALON KITTY (Tinto Brass, 1976)</strong></p>
<p>Hinl&#228;nglich bekannt ist wohl SALON KITTY (dt. Titel: DOPPELSPIEL, 1976): Die SS funktioniert ihre Abh&#246;rzentrale in ein Bordell um. Alle Zimmer werden mit Abh&#246;rvorrichtungen versehen, die von Gestapo-Leuten im Keller &#252;berwacht werden. Das als Prostituierte getarnte BDM-M&#228;dchen Margherita verliebt sich in einen Flieger, der ihr von einem Sabotage-Akt erz&#228;hlt und daraufhin hingerichtet wird. Daraufhin r&#228;cht sie sich und bombt die »Diplomatenfalle« in die Luft. </p>
<p>In einem Teil geht See&#223;len direkt auf THE INGLOURIOUS BASTARDS (Enzo G. Castellari, 1978) ein, den Tarantino sich immer und immer wieder angesehen haben soll. Die direkten Bez&#252;ge zu diesem Film sind laut See&#223;len nicht so relevant, da er sich vom Italo-Trash und dessen Motiven nicht gro&#223;artig unterscheide. Tarantino sei wohl eher vom Style dieses Regisseurs, seinem Hang zu »bizarren Crossovern«, inspiriert gewesen. So hat Castellari z. B. Shakespeare mit Western vermischt (DJANGO &#8211; Die Totengr&#228;ber warten schon, 1968). Der urspr&#252;ngliche Titel sollte JOHNNY HAMLET lauten, war aber dem Verleih zu offensichtlich. Castellari hat auch ein freches Plagiat zu Spielberg gewagt (DER WEISSE KILLER, 1981), den die Spielberg-Produzenten erfolgreich aus den US-Kinos klagten. Bekannt wurde er vor allem durch seine Zusammenarbeit mit Franco Nero. Im Original-INGLOURIOUS BASTARDS gibt es wieder einen »schmutzigen Haufen«, der gegen die Deutschen antritt, aber eher im Style des Italo-Western gehalten wird (»kein Mythos, keine Geschichte«) &#8211; im Gegensatz zu Tarantinos INGLOURIOUS BASTERDS. </p>
<p>Dieses Kapitel (»Aufl&#246;sung der Frontlinien: Tarantino und die verwirrten Kriegsfilme«) ist vollkommen &#252;berzeugend und beschreibt die Referenzen an das italiensche Genrekino. </p>
<p>Um so &#228;rgerlicher ist das letzte Kapitel, in dem See&#223;len, der Versuchung nicht widerstehen kann und einen intellektuellen Einordnungsversuch wagt: Dort geht es um das Wesen des Nationalsozialismus und um Tarantinos Filmende: Die Nazis samt Hitler und Goebbels sterben im Kino. </p>
<p>Es ist ein schwierig zu lesendes Res&#252;mee ungeordneter, wenn auch nicht unkluger, Gedankeng&#228;nge. See&#223;len ringt damit, dass sich Tarantino &#252;ber die wirkliche Geschichte »r&#252;pelhaft« hinwegsetzt und stellt sich die Frage: Was mag dies hinsichtlich der Nationalsozialismus-Debatte bedeuten. Zum anderen sieht er in der Figur des Hans Landa einen neuen Diskurs &#252;ber das Wesen des Nationalsozialismus und das B&#246;se im Menschen er&#246;ffnet, da mit ihr der aristokratische B&#252;rgerliche nicht nur eine das System unterst&#252;tzende Funktion erh&#228;lt, sondern zu einem wesentlichen Drahtzieher wird. Im Gegensatz zu den anderen ist er keiner Ideologie verfallen, sondern verf&#252;gt lediglich &#252;ber keinerlei moralische Grunds&#228;tze &#8211; egal in welchem System er operiert. Zus&#228;tzlich geht es auch um den Umgang mit nationalsozialistischer Symbolik, die viele Filme (z. B. Fassbinders LILI MARLEEN, 1981) wiederholen und ihr damit erliegen, w&#228;hrend Tarantino sich dieser enth&#228;lt. </p>
<p>Die Gedanken, die See&#223;len in diesem Kapitel &#228;u&#223;ert, sind generell nicht neu. Das Hauptproblem aber ist, ich will dieser Debatte so nicht folgen &#8211; nach mehreren Kapiteln, die etliche Filmreferenzen aufgez&#228;hlt haben. Der Film ist in erster Linie ein Genre-Film, eine Revenge-Story à la Tarantino &#8211; und von dort aus kann diese Diskussion gef&#252;hrt werden. See&#223;len z&#228;umt das Pferd von hinten auf.  </p>
<p>Tarantino baut eine spannende Collage von vielen schon vorhandenen (Film-)Diskursen zusammen und mixt sie neu. So stellt er Typen neben den Charakter Hans Landa. Er mischt also Trash- und Genreelmente mit einem Dramenelement. INGLOURIOUS BASTERDS enth&#228;lt den Genderaspekt asiatischer Rache-Filme, die Tarantino-Filme immer enthalten: Weibliche Shosanna r&#228;cht sich an m&#228;nnlichen Nazis. Der Film verweist auf die Naziploitation-Filme der 70er: Die Bastards k&#228;mpfen gegen die Nazis. Und Tarantino mischt Historie mit Fiction: echter Nationalsozialismus vs. freierfundene Geschichte mit Operierenden im Hinterland. Und er l&#228;sst das moderne Trash-Kino auf einer Metaebene gegen Goebbels STOLZ DER NATION siegen. Andererseits ist das aber auch wieder die Logik eines Racheaktes. </p>
<p>Um es vielleicht etwas wissenschaftlicher auszudr&#252;cken: Der eher hermeneutische Ansatz von See&#223;len im letzten Kapitel, den Film von der Nationalsozialismus-Debatte aus zu diskutieren, wirkt irgendwie falsch herum. Da Tarantinos INGLOURIOUS BASTERDS ein Film mit lauter Diskursen ist, h&#228;tte sich ein diskursanalytischer Ansatz, ausgehend von den Filmen hin zur Thematik Nationalsozialismus, eher angeboten. </p>
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		<title>Pers&#246;nliche Buchkritik. Georg See&#223;lens: Quentin Tarantino gegen die Nazis und mein Tarantino, Teil 2/3</title>
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		<pubDate>Fri, 04 Sep 2009 20:36:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>kleo</dc:creator>
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		<description><![CDATA[»Der B&#228;renjude« INGLOURIOUS BASTERDS gesehen. Na upa! Nachdem ich mir keinerlei Kritiken durchgelesen hatte, war ich absolut platt: Das war ja gar kein Naziploitation-Film, wie der Trailer nahelegt, auch kein Edeltrash. Das war ja mein Pulp Fiction Nr. 2 auf den ich 15 Jahre lang warten musste: Tolle Dialoge, ultraspannende Story, gl&#228;nzende Schauspielerleistungen und irgendwie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: right;"><img class="alignright size-full wp-image-2622" title="eli-roth-inglorious-basterds" src="http://www.dasblogzumhof.de/wp-content/uploads/2009/09/eli-roth-inglorious-basterds.jpg" alt="eli-roth-inglorious-basterds" width="200" height="300" /><strong>»Der B&#228;renjude«</strong></p>
<p>INGLOURIOUS BASTERDS gesehen. Na upa! Nachdem ich mir keinerlei Kritiken durchgelesen hatte, war ich absolut platt: Das war ja gar kein Naziploitation-Film, wie der Trailer nahelegt, auch kein Edeltrash. Das war ja mein Pulp Fiction Nr. 2 auf den ich 15 Jahre lang warten musste: Tolle Dialoge, ultraspannende Story, gl&#228;nzende Schauspielerleistungen und irgendwie cool. Tarantino behandelt diesen Stoff, mit dem sich alle extrem schwer tun (ganz schlimm die Deutschen), mit einer begnadeten Leichtigkeit, ohne aber das Thema zu verharmlosen, die Nazis l&#228;cherlich zu machen, und macht daraus eine komische und extrem spannende Geschichte mit tollen Dialogen. Der Film des Jahres –  ohne Witz!</p>
<p><span id="more-2388"></span></p>
<p>Jetzt aber zur&#252;ck zu See&#223;len.  Im Kapitel <strong>»A Lot of Plot« </strong> erz&#228;hlt See&#223;len auf 60 Seiten den Film nach und analysiert ihn – mal &#252;berzeugend, mal weniger, mal ist es einfach und einleuchtend, mal sind die Verweise relativ komplex. Hier mal drei Beispiele:</p>
<p>1.) Bei den Nazis geht das Ger&#252;cht um, dass unter den Bastarden ein »B&#228;renjude« sei. Einer erz&#228;hlt sein Erlebnis mit dem »Ungeheuer«. R&#252;ckblende: Er ist mit seinen Kameraden im Wald; pl&#246;tzlich sind sie von Bastarden umstellt. Dialoge, Drohungen, etc. Dann: Kurz bevor der »B&#228;renjude« aus seiner H&#246;hle tritt, um den Anf&#252;hrer zu t&#246;ten, zeigt die Kamera im Schu&#223;-Gegenschu&#223;verfahren abwechselnd H&#246;hleneingang und das Gesicht des deutschen Anf&#252;hrers, der zermalmt werden soll. Typischer Horrorfilm-Stil. (Ich glaube beim Cut auf die H&#246;hle gibt es auch noch eine Kamerafahrt.) Wie auch immer: Der Gag: Es kommt nur Eli Roth heraus, der ziemlich normal menschlich und klein aussieht. Eli Roth ist Horror-Filmregisseur (»Hostel«) und diese Szene wie eine Horrorfilmszene zu drehen, schien naheliegend.</p>
<p>Zusatz: See&#223;len schreibt jetzt auch noch, dass diese Szene in Cannes nicht so gut ankam, weil ja nichts passierte. Im Horrorfilm passiert aber auch h&#228;ufig nichts.  &#8211;  Erinnerte mich aber eher an eine Szene aus Monty Pythons »Ritter der Kokosnuss«: Das Ungeheuer vor dem sich alle f&#252;rchteten war ein harmlos aussehendes wei&#223;es Kaninchen, welches dann aber doch mit seinen Bei&#223;erchen m&#228;chtig zu hauen konnte (in dem es sich auf sein menschliches Opfer st&#252;rzte und es auffra&#223;). Wie Eli Roth mit seinem Baseballschl&#228;ger. Aber ich muss den Cannes-Kritikern irgendwie Recht geben: Bei Tarantino funktioniert der Witz irgendwie nicht so. Egal. Ausschweifungen. N&#228;chste Analyse.</p>
<p>2.) »Bar« hei&#223;t auf hebr&#228;isch »Sohn« und »bat« hei&#223;t »Tochter« und da Eli Roth mit einem Baseballschl&#228;ger (engl. »bat«) t&#246;tet, k&#246;nnte der »B&#228;renjude« mit seinem Schl&#228;ger auch f&#252;r die r&#228;chenden Kinder Israels stehen. Na, ja &#8211; das ist f&#252;r mich Kaffeesatzleserei.</p>
<p>3.) Andererseits hat Tarantino offensichtlich auch absichtlich einige komplizierte F&#228;hrten gelegt – wahrscheinlich in der Hoffnung, dass die Kritiker wie Detektive danach recherchieren: In einer Szene, die in England spielt, fragt Churchill, einen Kenner des deutschen Kinos: »Goebbels will also Leute wie Louis B. Mayer mit den eigenen Waffen schlagen?«  –  »Goebbels sieht sich eher wie ein David O. Selznick.« Nun schl&#228;gt die Stunde f&#252;r See&#223;len. Er hat seine Hausaufgaben gemacht und bef&#246;rdert – Analyse hin oder her – eine unheimlich interessante, etwas komplizierte Background-Story &#252;ber die Juden in Hollywood zu Tage: Der j&#252;dische Drehbuchautor Ben Hecht protestierte gegen die »amerikanisierten Juden« (solche wie Louis B. Mayer, ja genau der aus Metro-Goldwyn-Mayer), die ihre Macht, die sie in Hollywood besa&#223;en, nicht f&#252;r das Schicksal der Juden in Europa einsetzten. Sie seien so »amerikanisiert«, dass sie sich nicht mehr als Juden, sondern als Amerikaner betrachten w&#252;rden. In der Tat: Mayer wollte nur die »gesunde Unterhaltung« f&#252;r das amerikanische Volk. Ben Hecht schrieb also einen Artikel gegen diese »amerikanisierten Juden« und bekam u. a. Unterst&#252;tzung von einem gewissen Peter Bergson, der eben jene Idee verfolgte, die Tarantino mit seinen INGLOURIOUS BASTERDS umsetzte: Er wollte eine speziell »j&#252;dische« Truppe gr&#252;nden, die nicht der Befehlsgewalt der amerikanischen Armee unterstellt war.<br />
Von Selznick gibt es eine &#252;berlieferte Anekdote, dass dieser zun&#228;chst eine Benefiz-Veranstaltung von Hecht zugunsten einer j&#252;dischen »Basterd-Gruppe« in Europa nicht unterst&#252;tzen wollte, dann aber aufgrund einer Wette doch spendete usw.</p>
<p>In diesem Misch-Masch-Stil findet See&#223;len &#8216;zig Verweise auf die Historie, auf das italiensche Exploitation-Kino, auf den Italo-Western, auf Ami-Western, auf Nazi-Filme, auf Schauspieler&#8230;. Au&#223;erdem analysiert er auch geschnittene Szenen, die abhebend grau gedruckt wurden. Das liest sich alles sehr interessant und mag auch irgendwie stimmen, nur wissenschaftlichen Kriterien h&#228;lt das nat&#252;rlich nicht stand – da keinerlei Quellen benannt werden und keinerlei Reflektion &#252;ber das Quellenmaterial stattfindet. Daf&#252;r wird das ganze nat&#252;rlich umso unterhaltsamer, aber nicht gerade glaubw&#252;rdiger.</p>
<p>Weiter bin ich noch nicht gekommen. Liegt jetzt nicht an der Lekt&#252;re, sondern an meinem etwas anstrengenden Arbeitsalltag. Morgen sehe ich mir INGLOURIOUS BASTERDS noch mal an und dann lese ich See&#223;len zu Ende. Dritter Teil folgt dann hoffentlich bald.</p>
<p>Jetzt noch mal ein kurzer Exkurs: Tarantino als Autorenfilmer (siehe Teil 1): Wie auch immer man diesen antiquierten Begriff definieren will  &#8211; See&#223;len tut es nicht &#8211; hier die simple, vereinfachte Blogdefinition: Autorenfilme = intellektuell, innovativ, mit einer Idee dahinter, die nicht vom Geld-scheffeln getrieben wird vs. Unterhaltungskino = billiger Schrott, x-te Fortsetzung vom Erprobten, Kohle (!), Zielpublikumsansteuerung, alte So&#223;e, die einem verdummten (zahlendem) Massenpublikum vorgesetzt wird.</p>
<p>Ich kann &#8211; angesichts von I.B. &#8211; nachvollziehen, warum es den Filmkritikern schwer f&#228;llt, Tarantino  einzuordnen. Er ist Querschl&#228;ger. Meine Ansicht: Handwerklich perfekt. Kennt das Kino, kann damit gut rumjonglieren. Benutzt daf&#252;r nicht den bewerten Mainstream, sondern das Gegenteil: Trash, Exploitation, Western. Er ist sozusagen der Mainstream-Trash-Filmer, weil er die besten Teile des Undergrounds verwertet. Er ist Handwerker. Bastelt verschiedene St&#252;cke aus unterschiedlichen Genres zu einer eigenen, funktionierenden (!) Story neu zusammen. Bei Tarantino ist das aber Talent (Riecher) &#8211; keine verkopfte Auseinandersetzung. Er ist einfach kein Intellektueller, der sich mit irgendwas auseinandersetzen will: Kinosprache, Themen etc.  Auch wenn er Univorlesungen zum 2. Weltkrieg besucht hat und irgendwelche aufgeschnappten Thesen und Namen  eingestreut, um die Kritiker zu begeistern. Das ist alles nur Show und PR.</p>
<p>Er ist einfach einfach nicht der Typ daf&#252;r, sondern einer, der sein ganzes Leben nichts anderes gemacht hat, als sich Filme anzusehen. Dabei hat er ziemlich gut kapiert, wie sie funktionieren. Er hat sich das Beste zusammengesucht und neu zusammenmontiert. Nichts weiter.</p>
<p>Teil 3 in K&#252;rze.</p>
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		<title>Pers&#246;nliche Buchkritik. Georg See&#223;lens: Quentin Tarantino gegen die Nazis und mein Tarantino, Teil 1</title>
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		<pubDate>Fri, 28 Aug 2009 01:59:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>kleo</dc:creator>
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		<description><![CDATA[See&#223;len, der sich gern als einen postmodernen Kritiker des postmodernen Kinos sieht, kann es mal wieder nicht lassen und gibt seinen Senf zum neuesten Trash von Tarantino dazu. Ich lese ganz gerne mal Texte von See&#223;len und hatte eigentlich gar keinen Bock mehr auf diesen Tarantino-Hype. Jetzt kommt dieser INGLOURIOUS BASTERDS heraus – da kommt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.dasblogzumhof.de/wp-content/uploads/2009/08/517YEvK472L._SS500_1.jpg" alt="517YEvK472L._SS500_" title="517YEvK472L._SS500_" width="150" height="229" class="alignleft size-full wp-image-2618" /></p>
<p>See&#223;len, der sich gern als einen postmodernen Kritiker des postmodernen Kinos sieht, kann es mal wieder nicht lassen und gibt seinen Senf zum neuesten Trash von Tarantino dazu. Ich lese ganz gerne mal Texte von See&#223;len und hatte eigentlich gar keinen Bock mehr auf diesen Tarantino-Hype. Jetzt kommt dieser INGLOURIOUS BASTERDS heraus – da kommt man wohl nicht wirklich drum rum. Also probiere ist es noch mal. Eine Buchkritik, <strong>Teil 1.<br />
</strong></p>
<p><strong>Das erste Kapitel: </strong></p>
<p>Der Untertitel »Alles &#252;ber Inglourious Basterds« ist irgendwie ebenfalls trashig und verweist schon mal darauf, was das 176-seitige B&#228;ndchen nicht sein will: Es ist keine wissenschaftliche Abhandlung &#252;ber Tarantino. Und so beginnt das erste Kapitel auch recht essayistisch und etwas sperrig. See&#223;len pr&#228;gt f&#252;r die Tarantino-Filme den Begriff des »Bastard-Kinos«, welcher vor allem Tarantinos Verh&#228;ltnis zu seinen Kinovorbildern beschreibt. <span id="more-2374"></span></p>
<p>Aufgewachsen in der unteren Mittelschicht, mit zwei Jahren von einer Halbblut-Mutter allein gro&#223;gezogen, verbrachte der nach einer Figur aus »Rauchende Colts« benannte Teenager seine Kindheit mit europ&#228;ischen und asiatischen Trashfilmen. Dies sind aber laut See&#223;len nicht die filmischen Vorbilder, denen Tarantino <strong>unhinterfragten</strong> Respekt zolle, sondern diesen B-Movies (= »verschwundenen V&#228;ter«) stehe der Kultregisseur in einer Mischung aus »Missachtung und Sehnsucht« gegen&#252;ber und zitiere sie obsessiv und in ma&#223;loser &#220;bertreibung. Der Bastard (oder die Bastarde) sei aber auch der Protagonist in Tarantinos Filmen: Nach eigenen Gesetzen lebend, ohne Identit&#228;t, getrieben von Rache. Rache an den Menschen, die, das Bild d e r Familie zerst&#246;rt haben. Die Dialoge bezeichnet See&#223;len als »brillant«, die den Fluss des Plots eher hemmen, als vorantreiben. </p>
<p>See&#223;len l&#228;sst Tarantinos Filmkarriere Revue passieren, gelangt dann zur Vorgeschichte von INGLOURIOUS BASTERDS: Tarantino widmet sich nun erstmalig einem historischen Stoff: dem zweiten Weltkrieg. Dabei geht See&#223;len knapp auf verschiedene Kriegsfilme, haupts&#228;chlich die Mainstreamfilme der letzten Jahre wie THE THIN RED LINE, FLAG OF OUR FATHERS und SAVING PRIVATE RYAN ein und beschreibt deren Sichtweise.<br />
&#220;ber die komisch-grotesken Nazi-Kom&#246;dien schreibt See&#223;len treffend:<br />
» […den Widerspruch, dass Hitler, nach allem wie man ihn mit den Mitteln der Pop-Kultur abbilden kann, nur zu einer grotesk-komische Gestalt taugt […] (und), dass dieses Volk […] von grausam-kindischen Krautz in der Lage war, den >Zivilisationsbruch< Ausschwitz zu begehen […], konnten diese […-]kriegsfilme nicht aufl&#246;sen«. </p>
<p>Die Intention See&#223;lens im ersten Kapitel beruht auf alle F&#228;lle darauf, Tarantino als einen verkappten, gr&#246;&#223;tenteils noch unerkannten postmodernen Autorenfilmer zu definieren, der sich zwar auch gekonnt als quer (meinetwegen auch bastardisch) vermarktet - und wie er sich erfolgreich mit INGLOURIOUS BASTERDS vermarktet, beschreibt See&#223;len ausf&#252;hrlich (diese ganze Ger&#252;chtek&#252;che monatelang vorher, die Geschichte mit dem Drehbuch im Internet usw.) -  der es aber auch trotzdem drauf hat, etwas Neues, Kluges zu fabrizieren. Tarantino ist zwar in aller Munde; trotzdem sind die Kritiker noch gespalten: Die einen, die sich gern als »modern« oder »postmodern« sehen, versuchen ihn zu hypen, die andern reagieren eher vorsichtig. Schlie&#223;lich zitiert Tarantino haupts&#228;chlich europ&#228;isches »Schundkino«: »Sch&#246;ner Stuss das Meiste, eine Flie&#223;bandproduktion, die darauf reagiert hatte, dass der B-Film-Nachschub aus der Traumfabrik Hollywood ausblieb« (See&#223;len). Auf der anderen Seite: »So wie es in der Musik Leute gibt, die das absolute Geh&#246;r haben, so kann man jemandem wie Quentin Tarantino einen >absoluten Blick< zuschreiben. Er erkennt das Bild, die Szene, die Aura, die Geste, die Entstellung, den Schnitt, der aus einem gewaltigen Rauschen des trivialen und seriellen Produzierens von audiovisueller Massenware herausragt […]« (See&#223;len). </p>
<p>Diese Huldigung, dieser Hype, dieses »absolut« kommen mir schon etwas suspekt vor. </p>
<p>Jetzt mal Cut. Mein Tarantino: Irgendwann hab ich mir aus der Videothek PULP FICTION ausgeliehen, ohne irgendwelche Vorkenntnisse (ich war noch kein Cineast!). Die Anfangsszene fand ich so genial, dass ich den Film erstmal gar nicht weiter gesehen habe. Ich habe ´zig mal das Tape vorgespult und mir die Einstiegsszene erneut angesehen. Das ging eine Weile so. Dann habe ich meinen Freund angerufen und gesagt, das musst du sehen. Dann haben wir gemeinsam den Film zu Ende geguckt. Und dann zitierten wir wochenlang nur noch diesen Film. Er war einfach unerreichbar und ein paar andere sagten, man muss sich auch noch RESERVOIR DOGS ansehen – den Film fand ich ganz o.k. </p>
<p>Silvester habe ich diesen Hotel-Film gesehen – Tarantinos Episode (die ich inzwischen schon von anderen erz&#228;hlt bekommen hatte) war die Beste. Dann kam FROM DUSK TILL DOWN von Rodriguez. Der Anfang war ganz Tarantino und dann kam diese Vampire-Story. Mit Genrefilmen konnte ich damals noch gar nichts anfangen – ich dachte nur, was ist das f&#252;r ein Bl&#246;dsinn. Dann kam JACKIE BROWN (ich war immer noch kein Cineast, wusste nur, dass s&#228;mtliche Kritiker darauf abfuhren) und dachte mir, dass kann unm&#246;glich derselbe Typ gedreht haben, der diesen genialen PULP FICTION gedreht hatte. Ich hab JACKIE BROWN seitdem nicht wieder gesehen, weil ich ihn damals entt&#228;uschend fand. Ich wollte eine Fortsetzung von PULP FICTION sehen. </p>
<p>Dann gab es eine l&#228;ngere Pause. Ich fand eher  Filme wie TRUE ROMANCE und KILLING ZOE genial, ohne zu wissen, dass Tarantino daran beteiligt war. Wahrscheinlich habe ich damit die Vorliebe f&#252;r das Genre-Kino entwickelt. NATURAL BORN KILLERS hingegen fand ich total daneben. </p>
<p>Tarantino habe ich erst wieder wahrgenommen, als KILL BILL rauskam. Aber da war ich schon mitten in meinem Filmwissenschaftsstudium. Und nat&#252;rlich interessierten mich die Wurzeln. Tarantinos KILL BILL fand ich nicht gut. Ich fand ihn zu aufgemotzt. Edeltrash. Zu viel von allem. Das Original von Toshiya Fujita empfand ich von der Story her als wesentlich intensiver, w&#228;hrend bei Tarantino der Plot irgendwie in einem einzigen Bilderrauschen und in den Kulissen unterging. </p>
<p>Seitdem habe ich den Zugang zu Tarantino verloren und hatte schon einige Diskussionen deswegen. Es gibt eine Menge Tarantino-Anh&#228;nger. Ich bin kein Freund von Italo-Trash. Corbucci empfinde ich als scheu&#223;lich. Leone ist f&#252;r mich schon kein Trash mehr, sondern Klassiker. Klar sind die Story d&#252;nn und bei ihm ist auch alles reine &#196;sthetik - aber bei weitem nicht so aufgemotzt wie bei Tarantino. Tarantino war f&#252;r mich nie der visuelle K&#252;nstler, sondern eher einer der Dialoge.</p>
<p>Um wieder auf See&#223;len zur&#252;ckzukommen:<br />
Im <strong>zweiten Kapitel </strong> analysiert See&#223;len haarklein den Film und ohne ihn mir anzusehen, will ich dar&#252;ber nicht schreiben. Deshalb werde ich mir morgen wohl seit langem mal wieder einen Tarantino ansehen m&#252;ssen.  </p>
<p><strong>Fortsetzung folgt!</strong></p>
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