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	<title>Blog zum Hof &#187; Johann Kastenberger</title>
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		<title>Der R&#228;uber (Wettbewerb), Im Schatten (Forum) &#8211; Gangster auf der Berlinale</title>
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		<pubDate>Wed, 17 Feb 2010 22:56:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>kleo</dc:creator>
				<category><![CDATA[Berlinale 2010]]></category>
		<category><![CDATA[FESTIVALS]]></category>
		<category><![CDATA[Benjamin Heisenberg]]></category>
		<category><![CDATA[Berliner Schule]]></category>
		<category><![CDATA[Johann Kastenberger]]></category>
		<category><![CDATA[Martin Prinz]]></category>
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		<category><![CDATA[Thomas Arslan]]></category>

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		<description><![CDATA[Regie: Benjamin Heisenberg &#214;sterreich, Deutschland 2009 96 Min. L&#228;uft nicht mehr auf der Berlinale. Deutscher Kinostart: 4.3.2010 »Niemand h&#228;tte dem unauff&#228;lligen und nur in seiner Eigenschaft als guter Sportler bekannten Rettenberger jene ungeheure Serie an Straftaten zugetraut.« (Zeitungszitat, in: Der R&#228;uber, Martin Prinz) »Die Figur ist in meinen Augen sehr konsistent und eigentlich nicht schwer [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Regie:</strong> Benjamin Heisenberg<br />
&#214;sterreich, Deutschland 2009<br />
96 Min.<br />
L&#228;uft nicht mehr auf der Berlinale.<br />
<strong>Deutscher Kinostart: 4.3.2010</strong></p>
<p><a href="http://www.dasblogzumhof.de/wp-content/uploads/2010/02/r&#228;uber_fertig21.jpg"><img src="http://www.dasblogzumhof.de/wp-content/uploads/2010/02/r&#228;uber_fertig21.jpg" alt="" title="r&#228;uber_fertig2" width="365" height="257" class="alignleft size-full wp-image-3876" /></a></p>
<p>»Niemand h&#228;tte dem unauff&#228;lligen und nur in seiner Eigenschaft als guter Sportler bekannten Rettenberger jene ungeheure Serie an Straftaten zugetraut.« (Zeitungszitat, in: Der R&#228;uber, Martin Prinz)</p>
<p>»Die Figur ist in meinen Augen sehr konsistent und eigentlich nicht schwer zu fassen.« (Benjamin Heisenberg, cargo 4/2009)</p>
<p><span id="more-3331"></span></p>
<p>Ende der 80er beging der in der &#246;sterreichischen Presse als »Pumpgun-Ronnie« titulierte Marathonl&#228;ufer <a target="_blank"href="http://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Kastenberger">Johann Kastenberger (Wiki-Link)</a> &#8211; er trug eine Reagan-Maske &#8211; eine Serie von Bank&#252;berf&#228;llen und einige Morde. Und wie &#252;blich wunderte man sich &#246;ffentlich, wie das »Gute« zum »B&#246;sen« passt. Und wie &#252;blich war dieser scheinbare Widerspruch genau der Knackpunkt, an dem sich die Medien und andere Gem&#252;ter erhitzten. Kastenberger lieferte mit seiner spektakul&#228;ren Art und Weise, wie er die &#220;berf&#228;lle beging, allerdings auch gen&#252;gend Futter f&#252;r die Presse. </p>
<p>Martin Prinz, selbst L&#228;ufer, ver&#246;ffentliche 2002 einen Roman, der auf der realen Figur des Johann Kastenberger basiert. Prinz&#8217; Roman ist eine subtile und interessante Herangehensweise an den M&#246;rder und Bankr&#228;uber Kastenberger (im Roman: Rettenberger). </p>
<p>Anders als in Heisenbergs Filmadaption erz&#228;hlt Prinz nicht chronologisch. Der Roman beginnt mit den letzten vier Tagen: Rettenbergers Flucht aus dem Gef&#228;ngnis und dem abschlie&#223;enden Selbstmord. Dieser Erz&#228;hlstrang wird durch R&#252;ckblenden und Zeitungsnotizen durchbrochen. Die Einf&#252;hlung in die Figur ist &#228;u&#223;erst zur&#252;ckhaltend, auf den ersten Blick n&#252;chtern und an Fakten orientiert. Da aber Kastenberger ein Marathonl&#228;ufer war, ebenso wie Prinz, versucht der Autor &#252;ber diese Ebene des Gemeinsamen eine Ann&#228;herung. </p>
<p>»Er braucht einen Weg, mu&#223; ihn fest unter seinem Tritt sp&#252;ren, ihn im schwachen Mondlicht gl&#228;nzen sehen, um in der Finsternis nicht zu verzweifeln. Und der R&#228;uber l&#228;uft schneller, ihm ist, als m&#252;sse er fliegen. Jede Steigerung der Trittfrequenz im steileren Gel&#228;nde erzeugt den Eindruck eines Abhebens, eines kurzen Schwebens.«   </p>
<p>R&#252;ckblende: »Und mehr noch als die Befriedigung &#252;ber die zur&#252;ckgelegten Meter war es vermutlich die M&#252;digkeit, die ihn das &#220;brige wieder ertragen lie&#223;. Darin konnte er zur&#252;ck in den Alltag, in das Einkaufen, das Kochen, das Warten auf die Freundin und die N&#228;he des gemeinsamen Abende.«</p>
<p>Prinz ist weit davon entfernt, zu psychologisieren, Erkl&#228;rungen daf&#252;r liefern zu wollen, wie R&#228;uber und L&#228;ufer zusammenpassen. Das ist auch unn&#246;tig: Dass diese beiden Obsessionen &#8211; das R&#228;ubern ist f&#252;r Rettenberger auch eine &#8211; miteinander harmonieren, dass sie keinen Widerspruch bilden, wie es die Medien suggerierten, ist eigentlich offensichtlich. </p>
<p>Der Roman von Martin Prinz ist zu gro&#223;en Teilen ein L&#228;uferbuch, hypnotisch, konzentriert, der &#252;ber das K&#246;rperliche den Gem&#252;tszustand Rettenbergers ergr&#252;ndet, und manchmal auch &#8211; aber sehr vorsichtig &#8211; etwas dar&#252;ber hinausgeht geht. Offensichtlich lag hier genau der Reiz f&#252;r Benjamin Heisenberg, denn das konnte er nicht 1:1 umsetzen. Er musste &#252;ber viele Szenen genau wie Prinz &#228;u&#223;erlich bleiben, beschreiben und andere Mittel als der Roman finden, um subtile Andeutungen zur Figur Rettenberger zu gewinnen. Eine interessante Herausforderung. </p>
<p>Zun&#228;chst &#228;nderte er die Struktur. Er chronologisierte die Story weitestgehend. Lange Laufbeschreibungen waren f&#252;r ihn nicht brauchbar. Das obsessive Laufen/R&#228;ubern als Flucht vor dem Alltag l&#246;st Heisenberg zum einen szenisch auf, zum anderen musste Andreas Lust als Johann Rettenberger dieses Getriebensein verk&#246;rpern. Lust spielt den Rettenberger als vollkommen undurchdringlichen Menschen, der fast schon autistisch ist. Seine Gesichtsz&#252;ge sind star, maskenhaft. Nur in sehr wenigen Momenten, mit seiner Freundin, kann er diesen Graben kurzzeitig &#252;berwinden und aus sich herausgehen. </p>
<p>Es gibt keine Szene in der Rettenberger l&#228;chelt &#8211; au&#223;er einer einzigen: da sieht er sich einen Gangsterfilm im Kino an <img src='http://www.dasblogzumhof.de/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' /> . Nicht mal als er seine L&#228;ufe gewinnt, scheint er zufrieden. Den Sport betreibt er exakt so wie er auch Banken &#252;berf&#228;llt: risikoreich. Als sei es ihm vollkommen egal, ob er aus Ersch&#246;pfung stirbt und ob er geschnappt wird. </p>
<p><a href="http://www.dasblogzumhof.de/wp-content/uploads/2010/02/rettenberger_portrait.jpg"><img src="http://www.dasblogzumhof.de/wp-content/uploads/2010/02/rettenberger_portrait.jpg" alt="" title="rettenberger_portrait" width="300" height="200" class="alignright size-full wp-image-3371" /></a></p>
<p><strong>Johann Rettenberger (Andreas Lust): der Undurchdringliche, Foto (Berlinale 2010)<br />
</strong></p>
<p>Der Weg ist f&#252;r ihn das Ziel, die Obsession, das Laufen an sich, das R&#228;ubern an sich. Es ist der Moment der Befreiung &#8211; Heisenberg verwendet hier Opernkl&#228;nge, w&#228;hrend Rettenberger durch zauberhafte Landschaften &#252;ber P&#228;sse l&#228;uft. Die Verkn&#252;pfung zu den Bank&#252;berf&#228;llen muss der Rezipient &#8211; wie bei Prinz&#8217; Roman &#8211; selbst herstellen, selbstst&#228;ndig herstellen wollen. Der Regisseur deutet, wie der Autor, nur an. </p>
<p>DER R&#196;UBER ist gepr&#228;gt durch ruhige, statische Einstellungen. Heisenberg dramatisiert wenig, haupts&#228;chlich, wenn er die Flucht, das Gejagtwerden, Rettenbergers skizziert. Als er &#8211; kurzentschlossen &#8211; nach einem gegl&#252;ckten &#220;berfall gleich noch eine zweite Bank ausr&#228;ubert, ist ihm die Polizei dicht auf den Fersen. Sein Run in den Wald ist von Trommelschl&#228;gen begleitet. </p>
<p>Die letzte Szene ist die bewegenste: Anders als im Roman erschie&#223;t sich Rettenberger nicht. Nach einer spektakul&#228;ren Verfolgungsjagd bei der er durch Raffinesse und Gl&#252;ck entkommen konnte, f&#228;hrt er schwer verletzt in einem erbeuteten Auto auf der Autobahn. Er wei&#223;, dass er gleich verbluten wird und nicht mehr lange fahren kann. Er f&#228;hrt langsam blinkend auf den Standstreifen &#8211; genauso wie er nach einem Marathonlauf total ersch&#246;pft in die Ziellinie einl&#228;uft &#8211; mit allerletzter Kraft &#8211; und w&#228;hlt die Nummer seiner Freundin, weil er nicht einsam sterben m&#246;chte. </p>
<p><strong>Im Schatten </strong><br />
<strong>Regie:</strong> Thomas Arslan<br />
Deutschland 2010<br />
85 Min. </p>
<p><a href="http://www.dasblogzumhof.de/wp-content/uploads/2010/02/im_schatten.bmp"><img src="http://www.dasblogzumhof.de/wp-content/uploads/2010/02/im_schatten.bmp" alt="" title="im_schatten" class="alignleft size-full wp-image-3372" /></a></p>
<p><strong>Trojan (Misel Maticevic), der Profi (Foto: Berlinale 2010)<br />
</strong><br />
Es bietet sich an, an dieser Stelle einen Film zu besprechen, der ebenfalls eine R&#228;ubergeschichte beschreibt. Anders als DER R&#196;UBER ist IM SCHATTEN noch viel mehr Genrefilm. Beide sind dahingehend vergleichbar, dass sie beide nur minimal mit dramatisierenden Mitteln arbeiten.  </p>
<p>Thomas Arslan geh&#246;rt zur so genannten Berliner Schule, die genau dies tut: Entdramatisierung, statische Takes, ein Minimum an Off-Musik (wenn &#252;berhaupt), kosteng&#252;nstiges Arbeiten &#8211; kurz: Produktion minimalistischer Filme mit &#228;u&#223;erster N&#252;chternheit. Ich bin ein gro&#223;er Freund von Minimalismus, aber mit Filmen der Berliner Schule konnte ich nie etwas anfangen. Sie haben nichts zu erz&#228;hlen und sie sind nervt&#246;tend langweilig. Allein eine &#228;sthetische Doktrin zum Ma&#223;stab zu erkl&#228;ren, vollkommen egal welcher Thematik ich mich ann&#228;here &#8211; halte ich einfach f&#252;r zu formalistisch. </p>
<p>An IM SCHATTEN interessierte mich die Verbindung zwischen Genrethematik und Berliner-Schule-&#196;sthetik.  </p>
<p>Arslan erz&#228;hlt die Geschichte um Trojan, der aus dem Gef&#228;ngnis entlassen wird und sich wieder neue kriminelle Jobs sucht. Er sucht alte Verbindungen auf. Einige angeleierte Jobs l&#228;sst er platzen, da sie ihm zu risikoreich sind. Dann trifft er sich mit einer Pflichtverteidigerin (Karoline Eichhorn), die durch Zufall einen Geldtransporteur kennengelernt hat, der einen Transporter &#252;berfallen will. &#220;ber ihn kommt Arslan an Informationen und zieht den &#220;berfall schlie&#223;lich mit einem Typen durch, den er f&#252;r professionell h&#228;lt und der sich eigentlich schon zur Ruhe gesetzt hatte. Inzwischen sind ihm aber schon ein korrupter Bulle und andere Leute auf den Fersen&#8230;usw. </p>
<p>IM SCHATTEN ist genau das, was ich vermutet hatte, ein Genrefilm mit Berliner-Schule-&#196;sthetik und damit ein interessantes Studienobjekt f&#252;r den Genrefilm. </p>
<p>Anders als DER R&#196;UBER bezieht der Film die Spannung &#8211; ja, sie ist tats&#228;chlich da &#8211; nicht aus einem Charakter, sondern aus der Thematik. Hier ist es die Figurenkonstellation, die den Suspense ausmacht. Aslan f&#252;hrt &#8211; f&#252;r einen minimalistischen Film &#8211; sehr viele Figuren mit ganz unterschiedlichen Nuancen ein. Sie sind alle hervorragend gespielt, alle trocken (bis auf einen Trunkenbold) und trotzdem so verschieden. Jeder mi&#223;traut jedem und jeder m&#246;chten einen Anteil. Wer ist also am Schluss derjenige, der das Geld davontragen wird. Der Profi, der Brutalo, die blonde Frau, der Seri&#246;se&#8230;.?</p>
<p>Die Berliner-Schule-&#196;sthetik hat durchaus aus dem Genre noch etwas herauskitzeln k&#246;nnen: Dieses Geplante, diese extreme Spannung unter der die Akteure stehen, dieses Mi&#223;trauen &#8211; diese knallharte Atmossph&#228;re des Unbehagens. Sowas kann in gew&#246;hnlichen Mainstreamfilmen gar nicht zum Tragen kommen, weil es durch Action f&#252;r gew&#246;hnlich plattgewalzt wird. Die Strenge der Form erzeugt also durchaus &#8211; in diesem Genre (!) ganz neue Qualit&#228;ten. </p>
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