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	<title>Blog zum Hof &#187; Salon Kitty</title>
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		<title>See&#223;len: Tarantino vs. Nazis: Buchkritik (3/3): Referenzen und Schluss</title>
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		<pubDate>Wed, 09 Sep 2009 22:49:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>kleo</dc:creator>
				<category><![CDATA[FILM GIBTS AUCH IM ALLTAG]]></category>
		<category><![CDATA[DAS DRECKIGE DUTZEND]]></category>
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		<description><![CDATA[Referenz 1: »American Dirty War Movie«: Das verkommene Subjekt in einem irrealen Schlachtfeld. DAS DRECKIGE DUTZEND (Robert Aldrich, 1967) Das dritte und vorletzte Kapitel von Georg See&#223;lens INGLOURIOUS-BASTERDS-Buch ist f&#252;r den ahnungslosen Kinog&#228;nger &#8211; ich ordne mich da gerne ein &#8211; sicher am interessantesten. See&#223;len sieht die Wurzeln von Tarantinos neuestem Film in den amerikanischen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.dasblogzumhof.de/wp-content/uploads/2009/09/51vwd3J8ToL.jpg" alt="51vwd3J8ToL" title="51vwd3J8ToL" width="250" height="358" class="alignleft size-full wp-image-2429" /></p>
<p><strong>Referenz 1: »American Dirty War Movie«: Das verkommene Subjekt in einem irrealen Schlachtfeld. DAS DRECKIGE DUTZEND (Robert Aldrich, 1967)</strong></p>
<p>Das dritte und vorletzte Kapitel von Georg See&#223;lens INGLOURIOUS-BASTERDS-Buch ist f&#252;r den ahnungslosen Kinog&#228;nger &#8211; ich ordne mich da gerne ein &#8211; sicher am interessantesten. See&#223;len sieht die Wurzeln von Tarantinos neuestem Film in den amerikanischen »Dirty war movies« einerseits und im italienischen Trashfilm andererseits. </p>
<p>Im Gegensatz zu den Propagandafilmen des Pentagon und den patriotischen, sauberen Kriegsfilmen &#8211; in denen die Ordnung am Ende wieder hergestellt ist &#8211;  charakterisiert See&#223;len die »Dirty war movies« als Filme, in denen ein paar wilde und unmoralische Kerle in einen sinnlosen Krieg geschickt werden. <span id="more-2418"></span> Paradebeispiel: DAS DRECKIGE DUTZEND (Robert Aldrich, 1967): Ein paar zum Tode bzw. auch lebensl&#228;nglich verurteilte Schwerverbrecher unternehmen in diesem Actionfilm ein Himmelfahrtskommando: Sie sollen im franz&#246;sischen Hinterland in ein Schloss eindringen und ranghohe SS-Offiziere und Nazis t&#246;ten. In diesen Filmen erscheint alles fragw&#252;rdig: die Protagonisten und der Krieg. Den moralisch sauberen Helden gibt es nicht.</p>
<p>Die Italo-Trashfilme, so See&#223;len, beziehen sich nicht ausschlie&#223;lich auf die amerikanischen »Dirty war movies«, sondern auch auf die neorealistischen Filme. Diese w&#228;ren von den deutschen und den amerikanischen Kriegsfilmen folgenderma&#223;en abzugrenzen: Der Krieg verursacht hier ein solches Chaos, dass es zu einer »Aufl&#246;sung der Fronten« komme. Gute und B&#246;se seien, angesichts eines kriminellen Partisanen (DER BUCKLIGE VON ROM, Carlo Lizzani, 1960) oder einer Kapo-J&#252;din (KAPÒ, Cillo Pontecorvos, 1961) nicht mehr klar trennbar. </p>
<p><img src="http://www.dasblogzumhof.de/wp-content/uploads/2009/09/kapo.jpg" alt="kapo" title="kapo" width="200" height="282" class="alignleft size-full wp-image-2430" /></p>
<p><strong>Referenz 2: Neorealismus: Aufl&#246;sung der Fronten im italienschen Kriegsfilm. KAPÒ (Cillo Pontecorvos, 1961)</strong></p>
<p>Diese Sichtweise passte nat&#252;rlich nicht in das deutsche Bild vom Nationalsozialismus: »Der italiensche [Kriegs-]Film der f&#252;nfziger und sechziger Jahre hatte eine Aufl&#246;sung der Fronten beschrieben, in denen es die Konvention des deutschen Genres von der Auseinandersetzung der guten Soldaten mit den b&#246;sen Nazis nicht geben konnte. Der Widerstand war schon so prek&#228;r und irreal, wie er zuerst in den Trash-Movies und dann bei Tarantino wieder erscheint«. Parallel dazu liefen aber auch konventionelle patriotische Kriegsfilme im Italien der 60iger, die direkt an die »Mussolinische Heldenverehrung« ankn&#252;pften. </p>
<p>Ab 1967, so See&#223;len, explodierte der italienische Kriegs-Trashfilm, teilweise in europ&#228;ischer Co-Produktion (auch mit deutscher Beteiligung!): Das war eine wilde Mixtur aus Abenteuer-, Kriegsfilm und Gangstergeschichte, in der der 2. Weltkrieg nur noch Background war. Meistens ging es um eine abenteuerliche Mission hinter der Frontlinie. Beispiel UND MORGEN FAHRT IHR ZUR H&#214;LLE (Alberto De Martino, 1967): Drei fliehen aus einem deutschen Kriegsgefangenenlager in Holland und rauben den Nazis einen Diamantenschatz, den dann aber doch die holl&#228;ndischen Partisanen bekommen. Weitere seien, wegen der »wunderh&#252;bschen« deutschen Titel, nur benannt: TOTE FAULEN IN DER SONNE (1969), STOSSTRUPP AVOLA &#8211; JA, WO SIND DENN DIE KANONEN (1970), DIE HELDEN VON AFRIKA/5 GALGENV&#214;GEL AUF DEM WEG NACH TOBRUK (1973), HIMMELFAHRTSKOMANDO IN DIE H&#214;LLE (1971) etc. Es geht immer um eine Handvoll Soldaten, die irgendeinen Geheimauftrag erhalten, wobei sie dann Undercover operieren: »Mit nur wenigen &#196;nderungen h&#228;tte man in der Regel ein Drehbuch von einen ins andere Genre [z.B. Western, K.H.] &#252;bertragen k&#246;nnen [...]. Seinen eigenen Charakter erhielt der italiensche Trash-Kriegsfilm indes durch eine Beimengung von Elementen aus <em>giallo</em> und »gothischem« Empfinden des Schreckens. Die Ikonografie des Kriegsfilms verband auf direkte Weise pure, lustvolle Action mit dem Thrill von Camouflage, Verschw&#246;rung und Verrat mit einer manchmal reichlich infantilen Art von Humor [...].« (See&#223;len)</p>
<p>Und wie das beim Exploitation-Kino so ist: Wenn er sein Publikum irgendwann nicht mehr findet, transformiert er sich und mengt neue, verwertbare Stoffe bei, wie die Vietnam-und S&#246;ldner-Thematik, [»die jedem aufrechten, liberalen Kritiker die Galle &#252;berlaufen lie&#223;en, [weil] so randvoll mit Sexismus, Rassismus, Militarismus und Gewalt«] </p>
<p><img src="http://www.dasblogzumhof.de/wp-content/uploads/2009/09/salon-kitty.jpg" alt="salon-kitty" title="salon-kitty" width="246" height="334" class="alignright size-full wp-image-2425" /></p>
<p><strong>Referenz 3: Naziploitation (Sadiconazista): Gewalt und Sex &#8211; Historie nur als Background. SALON KITTY (Tinto Brass, 1976)</strong></p>
<p>Hinl&#228;nglich bekannt ist wohl SALON KITTY (dt. Titel: DOPPELSPIEL, 1976): Die SS funktioniert ihre Abh&#246;rzentrale in ein Bordell um. Alle Zimmer werden mit Abh&#246;rvorrichtungen versehen, die von Gestapo-Leuten im Keller &#252;berwacht werden. Das als Prostituierte getarnte BDM-M&#228;dchen Margherita verliebt sich in einen Flieger, der ihr von einem Sabotage-Akt erz&#228;hlt und daraufhin hingerichtet wird. Daraufhin r&#228;cht sie sich und bombt die »Diplomatenfalle« in die Luft. </p>
<p>In einem Teil geht See&#223;len direkt auf THE INGLOURIOUS BASTARDS (Enzo G. Castellari, 1978) ein, den Tarantino sich immer und immer wieder angesehen haben soll. Die direkten Bez&#252;ge zu diesem Film sind laut See&#223;len nicht so relevant, da er sich vom Italo-Trash und dessen Motiven nicht gro&#223;artig unterscheide. Tarantino sei wohl eher vom Style dieses Regisseurs, seinem Hang zu »bizarren Crossovern«, inspiriert gewesen. So hat Castellari z. B. Shakespeare mit Western vermischt (DJANGO &#8211; Die Totengr&#228;ber warten schon, 1968). Der urspr&#252;ngliche Titel sollte JOHNNY HAMLET lauten, war aber dem Verleih zu offensichtlich. Castellari hat auch ein freches Plagiat zu Spielberg gewagt (DER WEISSE KILLER, 1981), den die Spielberg-Produzenten erfolgreich aus den US-Kinos klagten. Bekannt wurde er vor allem durch seine Zusammenarbeit mit Franco Nero. Im Original-INGLOURIOUS BASTARDS gibt es wieder einen »schmutzigen Haufen«, der gegen die Deutschen antritt, aber eher im Style des Italo-Western gehalten wird (»kein Mythos, keine Geschichte«) &#8211; im Gegensatz zu Tarantinos INGLOURIOUS BASTERDS. </p>
<p>Dieses Kapitel (»Aufl&#246;sung der Frontlinien: Tarantino und die verwirrten Kriegsfilme«) ist vollkommen &#252;berzeugend und beschreibt die Referenzen an das italiensche Genrekino. </p>
<p>Um so &#228;rgerlicher ist das letzte Kapitel, in dem See&#223;len, der Versuchung nicht widerstehen kann und einen intellektuellen Einordnungsversuch wagt: Dort geht es um das Wesen des Nationalsozialismus und um Tarantinos Filmende: Die Nazis samt Hitler und Goebbels sterben im Kino. </p>
<p>Es ist ein schwierig zu lesendes Res&#252;mee ungeordneter, wenn auch nicht unkluger, Gedankeng&#228;nge. See&#223;len ringt damit, dass sich Tarantino &#252;ber die wirkliche Geschichte »r&#252;pelhaft« hinwegsetzt und stellt sich die Frage: Was mag dies hinsichtlich der Nationalsozialismus-Debatte bedeuten. Zum anderen sieht er in der Figur des Hans Landa einen neuen Diskurs &#252;ber das Wesen des Nationalsozialismus und das B&#246;se im Menschen er&#246;ffnet, da mit ihr der aristokratische B&#252;rgerliche nicht nur eine das System unterst&#252;tzende Funktion erh&#228;lt, sondern zu einem wesentlichen Drahtzieher wird. Im Gegensatz zu den anderen ist er keiner Ideologie verfallen, sondern verf&#252;gt lediglich &#252;ber keinerlei moralische Grunds&#228;tze &#8211; egal in welchem System er operiert. Zus&#228;tzlich geht es auch um den Umgang mit nationalsozialistischer Symbolik, die viele Filme (z. B. Fassbinders LILI MARLEEN, 1981) wiederholen und ihr damit erliegen, w&#228;hrend Tarantino sich dieser enth&#228;lt. </p>
<p>Die Gedanken, die See&#223;len in diesem Kapitel &#228;u&#223;ert, sind generell nicht neu. Das Hauptproblem aber ist, ich will dieser Debatte so nicht folgen &#8211; nach mehreren Kapiteln, die etliche Filmreferenzen aufgez&#228;hlt haben. Der Film ist in erster Linie ein Genre-Film, eine Revenge-Story à la Tarantino &#8211; und von dort aus kann diese Diskussion gef&#252;hrt werden. See&#223;len z&#228;umt das Pferd von hinten auf.  </p>
<p>Tarantino baut eine spannende Collage von vielen schon vorhandenen (Film-)Diskursen zusammen und mixt sie neu. So stellt er Typen neben den Charakter Hans Landa. Er mischt also Trash- und Genreelmente mit einem Dramenelement. INGLOURIOUS BASTERDS enth&#228;lt den Genderaspekt asiatischer Rache-Filme, die Tarantino-Filme immer enthalten: Weibliche Shosanna r&#228;cht sich an m&#228;nnlichen Nazis. Der Film verweist auf die Naziploitation-Filme der 70er: Die Bastards k&#228;mpfen gegen die Nazis. Und Tarantino mischt Historie mit Fiction: echter Nationalsozialismus vs. freierfundene Geschichte mit Operierenden im Hinterland. Und er l&#228;sst das moderne Trash-Kino auf einer Metaebene gegen Goebbels STOLZ DER NATION siegen. Andererseits ist das aber auch wieder die Logik eines Racheaktes. </p>
<p>Um es vielleicht etwas wissenschaftlicher auszudr&#252;cken: Der eher hermeneutische Ansatz von See&#223;len im letzten Kapitel, den Film von der Nationalsozialismus-Debatte aus zu diskutieren, wirkt irgendwie falsch herum. Da Tarantinos INGLOURIOUS BASTERDS ein Film mit lauter Diskursen ist, h&#228;tte sich ein diskursanalytischer Ansatz, ausgehend von den Filmen hin zur Thematik Nationalsozialismus, eher angeboten. </p>
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