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	<title>Blog zum Hof &#187; Sono Sion</title>
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		<title>Caligari-Filmpreis f&#252;r Love Exposure</title>
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		<pubDate>Fri, 13 Feb 2009 21:45:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>holger</dc:creator>
				<category><![CDATA[Berlinale 2009]]></category>
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		<description><![CDATA[Die Jury hat entschieden, und sie hat gut entschieden. Der Caligari-Filmpreis, der wichtigste Preis f&#252;r die Filme des Forums, geht dieses Jahr an den japanischen Beitrag Love Exposure (Ai no Mukidashi) von Sono Sion. Die irrwitzige Genre-Mischung um Katholizismus und Perversion hatten wir ja bereits in unserer Kritik hochgelobt. Daher auch unser Beifall an Sono [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-medium wp-image-1973" src="http://www.dasblogzumhof.de/wp-content/uploads/2009/02/ai-no-mukidashi3-300x200.jpg" alt="" width="300" height="200" />Die Jury hat entschieden, und sie hat gut entschieden. Der Caligari-Filmpreis, der wichtigste Preis f&#252;r die Filme des Forums, geht dieses Jahr an den japanischen Beitrag <a title="Love Exposure: What's wrong with being a pervert?" href="http://www.dasblogzumhof.de/festivals/berlinale-2009/love-exposure-ai-no-mukidashi-whats-wrong-with-being-a-pervert.php">Love Exposure (Ai no Mukidashi)</a> von Sono Sion. Die irrwitzige Genre-Mischung um Katholizismus und Perversion hatten wir ja bereits in unserer Kritik hochgelobt. Daher auch unser Beifall an Sono Sion, dessen langj&#228;hriges Filmwerk damit endlich einmal geb&#252;hrend anerkannt wird und auch an die Jury, die den Mut hatte, diesen total durchgeknallten Film auszuzeichnen. Aber Mut ist man bei der Caligari-Jury im Gegensatz zum Wettbewerb ja gewohnt.</p>
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		<title>Love Exposure (Ai no Mukidashi): What&#8217;s wrong with being a pervert?</title>
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		<pubDate>Sun, 08 Feb 2009 13:00:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>holger</dc:creator>
				<category><![CDATA[Berlinale 2009]]></category>
		<category><![CDATA[Erektion]]></category>
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		<description><![CDATA[Regie: Sono Sion Japan 2008 237 Min. Bewertung: Bestes japanisches Trash-Kino mit einem durchgeknallten Stil- und Genremix im Spannungsfeld zwischen Katholizismus und Perversion. Der 17-j&#228;hrige Junge Yu hat ein Problem. Sein Vater, der nach dem Tod der sehr gl&#228;ubigen Mutter katholischer Priester geworden ist, zwingt ihn t&#228;glich zur Beichte, nachdem ihn eine hysterische Geliebte verlassen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Regie: Sono Sion<br />
Japan 2008<br />
237 Min.</p>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-1453" title="love_exposure2" src="http://www.dasblogzumhof.de/wp-content/uploads/2009/02/love_exposure2.jpg" alt="love_exposure2" width="344" height="207" /></p>
<p><strong>Bewertung: Bestes japanisches Trash-Kino mit einem durchgeknallten Stil- und Genremix im Spannungsfeld zwischen Katholizismus und Perversion.<br />
</strong></p>
<p>Der 17-j&#228;hrige Junge Yu hat ein Problem. Sein Vater, der nach dem Tod der sehr gl&#228;ubigen Mutter katholischer Priester geworden ist, zwingt ihn t&#228;glich zur Beichte, nachdem ihn eine hysterische Geliebte verlassen hat. Leider ist Yu ein allzu braver Junge – es gibt einfach nichts zu beichten. Also tritt er einer stehlenden und pr&#252;gelnden Jugendgang bei, um die begangenen S&#252;nden beichten zu k&#246;nnen. Aber selbst die schlimmsten Vergehen vergibt sein Vater ohne mit der Wimper zu zucken. Einer aus der Clique hat dann die rettende Idee, als er darauf hinweist, dass katholische Priester besonders interessiert an sexuellen Beichten sind. <span id="more-1459"></span></p>
<p>Es wird beschlossen, dass Yu sich bei einem Meister der Upskirt-Fotografie zum Perversen ausbilden lassen soll. In einer herrlich komisch choreographierten Kung-Fu Ausbildungs-Parodie werden Yu nun die Tricks des Unter-die-R&#246;cke-Fotografierens beigebracht. Die anschlie&#223;ende Beichte hat umschlagenden Erfolg. Der Beichtvater verwandelt sich in Sekundenbruchteilen zur&#252;ck in den vermissten leiblichen Vater und streckt Yu mit einem gezielten Faustschlag zu Boden.</p>
<p>Als er bei einer Wette gegen seine Kameraden, die ihn inzwischen als ihren Meister-Perversen anerkannt haben, verliert, muss Yu als Drag Queen Miss Scorpion verkleidet durch die Stadt ziehen. Dabei trifft er auf auf die m&#228;nnerhassende Yoko, die gerade von einer Horde Jungs bel&#228;stigt wird. Gemeinsam verpr&#252;geln die beiden die Meute und verlieben sich auf der Stelle unsterblich ineinander. Yu in Yoko, Yoko in Miss Scorpion. Das passt leider nicht zusammen, muss Yu kurz darauf erfahren, als Yoko in seine Klasse kommt. Yoko denkt Tag und Nacht nur an Miss Scorpion und hat f&#252;r den verliebten Yu folglich keine Augen. Kurz darauf zieht sie aber sogar zu ihm ins Haus, weil sie die Tochter der hysterischen Geliebten des Vaters ist, die nun zu ihm zur&#252;ck gekommen ist und beschlossen hat, den Priester zu heiraten, nachdem sie ihn kurz zuvor mit sanfter Gewalt genommen hat.</p>
<p>Als dritte im Bunde kommt nun noch das Schulm&#228;dchen Koike ins Spiel, ebenso sexuell stimulierend wie hinterh&#228;ltig fies. Nachdem sie ihren vergewaltigenden Vater kastriert hat, ist sie in der Zero Church aufgestiegen, einer kruden antikatholischen Sekte, deren Zeichen das Kruzifix in einer Null ist. Mit einer kompliziert angelegten Verschw&#246;rung gelingt es ihr, Yoko Glauben zu machen, sie sei Miss Scorpion, Yu als Perversen zu outen, und auf diese Weise die Familie zu zerst&#246;ren und alle au&#223;er Yu zur Zero Church zu bekehren.</p>
<p>Kommt noch irgendwer mit? Gut, dann kann ich ja weitermachen. Die Sekte zwingt Yu, f&#252;r sie als Upskirt-Fotograf in einem Porno-Filmstudio zu arbeiten, damit er seine Familie wiedersehen kann. Yus Freunde entf&#252;hren daraufhin Yoko und sperren sie mit Yu in einen Bus am Strand ein, um die Gehirnw&#228;sche der Sekte r&#252;ckg&#228;ngig zu machen. Das Vorhaben schl&#228;gt aber fehl. Die Sekte findet den Bus und Yu wird unter Androhung der Kastration selbst gezwungen, Mitglied der Zero Church zu werden. Ein Gl&#252;ck, dass er zuvor im Pornostudio einen Bombenbastler kennen gelernt hat. Mit einem gro&#223;en Knall l&#228;sst Yu die Sekte auffliegen. Koike begeht mit einem Samurai-Schwert Harakiri, als sie sieht, dass Yu trotz all ihrer Bem&#252;hungen immer noch Yoko liebt.</p>
<p>Nach der Aufl&#246;sung der Zero Church lebt Yoko in einer neuen Familie und Yu, der inzwischen selber glaubt, er sei Miss Scorpion in einer Irrenanstalt. Als Yoko beim Betrachten von Yus Upskirt-Pornos endlich erkennt, dass Yu ihre gro&#223;e Liebe Miss Scorpion ist und ihn in der Nervenheilanstalt besucht, kommt es bei Yu zu einem heilsamen Schock. In der Schlusssequenz sehen wir Yu, wie er hinter dem Polizeiauto hinterherrennt, in dem Yoko abtransportiert wird. Das Auto bleibt schlie&#223;lich stehen, Yu schl&#228;gt mit brachialer Gewalt die Glasscheibe des Polizeiautos ein. Dann geben sich Yu und Yoko durch die zerschlagene Fensterscheibe zum ersten Mal im Film die Hand. Und das ist vielleicht das sch&#246;nste Happy-End der Filmgeschichte.</p>
<p><img class="alignright size-medium wp-image-1464" src="http://www.dasblogzumhof.de/wp-content/uploads/2009/02/ai-no-mukidashi2-300x168.jpg" alt="" width="300" height="168" />Was diese krude Story, diesen st&#228;ndigen Wechsel der zitierten oder parodierten Filmgenres und die permanenten Stilbr&#252;che zusammenh&#228;lt, ist Yus St&#228;nder. Seit Pynchons <em>Enden der Parabel</em> ist wohl keine Geschichte mehr so stringent entlang der Erektionen der Hauptfigur erz&#228;hlt worden. Mit dem nicht unbetr&#228;chtlichen Unterschied allerdings, dass die Erektionen Tyrone Slothrops in den <em>Enden der Parabel</em> ein Symbol f&#252;r die m&#228;nnliche Zerst&#246;rungsgewalt der V2-Raketen darstellt, w&#228;hrend Sono Sion Yus versteiftes Glied gerade zu plump interpretiert: „Liebe ist eine Erektion.“ So ist dieser Meister-Perverse trotz Millionen Fotos zarter H&#246;schen japanischer Schulm&#228;dchen vollkommen impotent. Er sei ein „Perverser mit W&#252;rde“, sagt Yu &#252;ber sich selbst. Nur beim Anblick der entbl&#246;&#223;ten Beine Yokos erwacht in ihm die sexuelle Begierde, w&#228;hrend er allen anderen M&#228;dchen-Slips ein rein k&#252;nstlerisches Interesse entgegenbringt.</p>
<p>Mit der christlichen Religion ist das nat&#252;rlich nur schwer vermittelbar, auch wenn erst Yoko und dann Yu ausf&#252;hrlich mit einem langen Auszug aus Korinther 13 das zentrale christliche Liebeskonzept zitieren: „Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die Gr&#246;&#223;te unter ihnen“ (nicht ganz passend zitiert nach der Lutherbibel). Sicherlich umfasst das christliche Liebeskonzept auch diese Form der Liebe, aber das ist es bestimmt nicht, was Paulus hier den Korinthern vermitteln wollte, auch wenn die aus Liebe begangenen S&#252;nden zu den verzeihlichsten in Dantes H&#246;lle geh&#246;ren.</p>
<p>Filme &#252;ber den Zusammenhang von Katholizismus und Perversion haben in Europa seit den surrealistischen Anf&#228;ngen eine lange Tradition. Aus Japan &#252;berrascht das Thema aber dennoch. Wie viele Katholiken es denn in Japan &#252;berhaupt gebe, wird im anschlie&#223;enden Q&amp;A gefragt, und Sion antwortet etwas flapsig, „ein paar gebe es schon“. Etwa 450.000, um mal eine Zahl zu nennen, die Wikipedia nennt, das entspricht bei einer Gesamtbev&#246;lkerung von ca. 127 Millionen Japanern einem Bev&#246;lkerungsanteil von 0,35 %. Sions Erkl&#228;rung, warum er den Film im katholischen Milieu angesiedelt habe, lautet, er sei schon immer ein gro&#223;er Fan von Jesus Christus gewesen. Eine Zeit lang h&#228;tte er sogar mit dem Gedanken gespielt, sich taufen zu lassen, um Mitglied im Jesus-Christus-Fanclub zu werden. Tats&#228;chlich ist es aber wohl eher so, dass keine andere Religion &#252;ber eine so fein strukturierte unterdr&#252;ckte und verdr&#228;ngte Sexualit&#228;t verf&#252;gt, die sich in perversen Phantasien wieder Bahn bricht. So lautet denn auch die n&#228;chste Frage aus dem Publikum, ob es in Japan wirklich so viele Perverse gebe? Statistiken kenne er zwar nicht, antwortet Sono Sion, seiner Auffassung nach sei aber ohnehin die ganze Menschheit pervers. Die sch&#246;nste Antwort hat er allerdings auf die Frage, ob er denn selbst an Gott glaube: „Ich glaube an Gott und ich denke er hat einen Steifen“. Das h&#228;tte auch Bunuel nicht sch&#246;ner sagen k&#246;nnen.</p>
<p>Love Exposure ist mit Sicherheit der schr&#228;gste Film des diesj&#228;hrigen Forums und allen Freunden des schlechten und abseitigen Films w&#228;rmstens ans Herz gelegt. Von den vier Stunden Filml&#228;nge sollte man sich nicht abschrecken lassen. Wie Programm-Chef Christoph Terhechte vor dem Film ganz richtig versprochen hat, ist Love Exposure subjektiv empfunden einer der k&#252;rzesten Filme des Programms.</p>
<p><strong>8.2., 17.30 Uhr, Arsenal 1<br />
14.2., 20.00 Uhr, Cubix 9</strong><br />
<strong>Wiederholung: 22.2.,  Arsenal 1, 20.00 Uhr</strong></p>
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