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	<title>Blog zum Hof &#187; Wendefilm</title>
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		<title>Von Wegen &#8211; Einst&#252;rzende Neubauten goes VEB Elektrokohle</title>
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		<pubDate>Thu, 12 Feb 2009 16:24:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>kleo</dc:creator>
				<category><![CDATA[Berlinale 2009]]></category>
		<category><![CDATA[Blixa Bargeld]]></category>
		<category><![CDATA[DDR]]></category>
		<category><![CDATA[heiner müller]]></category>
		<category><![CDATA[Konzert]]></category>
		<category><![CDATA[Uli M Schueppel]]></category>
		<category><![CDATA[VEB Elektrokohle]]></category>
		<category><![CDATA[Wendefilm]]></category>

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		<description><![CDATA[Regie: Uli M Schueppel Deutschland 2009 91 Min. »Halbg&#246;tter« tuckern in den Wilden Osten. (Foto: Berlinale 09) Am 21.12.1989 gaben die Einst&#252;rzenden Neubauten ihr erstes Konzert in der DDR. Regisseur Uli Schueppel, &#252;brigens auch Animator des Berlinale-Trailers, drehte mit diesem Film keine Musik- sondern eine Wende-Doku, die versucht, die Stimmung in der untergehenden DDR widerzuspiegeln. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Regie: Uli M Schueppel<br />
Deutschland 2009<br />
91 Min.</p>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-1874" title="einstuerz_neubauten8" src="http://www.dasblogzumhof.de/wp-content/uploads/2009/02/einstuerz_neubauten8.jpg" alt="einstuerz_neubauten8" width="345" height="220" /></p>
<p><strong>»Halbg&#246;tter« tuckern in den Wilden Osten. (Foto: Berlinale 09)</strong></p>
<p>Am 21.12.1989 gaben die Einst&#252;rzenden Neubauten ihr erstes Konzert in der DDR. Regisseur Uli Schueppel, &#252;brigens auch Animator des Berlinale-Trailers, drehte mit diesem Film keine Musik- sondern eine Wende-Doku, die versucht, die Stimmung in der untergehenden DDR widerzuspiegeln.</p>
<p><span id="more-1833"></span></p>
<p>Eine wackelige und unscharfe Handkamera zeigt wie die Einst&#252;rzenden Neubauten rumflappsend mit ihrem Tourenbus von Westberlin aufbrechen, um die Grenze nach Ostberlin zu passieren. Zwischendurch berichten ehemalige Konzertbesucher, die durchs heutige Berlin zum einstigen Kulturhaus VEB Elektrokohle in die Herzbergstra&#223;e nach Lichtenberg streifen, &#252;ber ihr Verh&#228;ltnis zur Band: »Blixa Bargeld war f&#252;r uns ein Halbgott« und »Sie standen f&#252;r Modernit&#228;t &#252;berhaupt«. </p>
<p>Wie moderne Halbg&#246;tter sehen sie eigentlich nicht aus, sondern eher wie ungewaschene Kneipen-Linke in Armeeklamotten, die aus <em>Herr Lehmann</em> entsprungen sein k&#246;nnten. Aber dann beim Gepose vor den Kameras und sp&#228;ter auf der B&#252;hne in ihren schwarzen Anz&#252;gen, kommen sie schon ein bisschen wie postmoderne 80er-G&#246;tter r&#252;ber. Blixa Bargeld hatte noch eine Punkfrisur und nicht so eine schleimige wie heute. Arrogante Anwandlungen hatte er allerdings schon damals &#8211; das wird in den Interviews, die er mit ELF99 und dem ZDF f&#252;hrte, deutlich. Insbesondere f&#228;llt der Kontrast zu den DDR-Leuten auf: Eine Roadie-Frau, in einem rosa Smiley-Shirt (!), erkl&#228;rt Blixa, dass Wilhelm-Pieck ein Arbeiterf&#252;hrer war &#8211; denn die Neubauten spielen im Wilhelm-Pieck-Saal des Kulturhauses. </p>
<p>Eigentlich passten die Neubauten nicht in die spie&#223;ige DDR und nur alle, die mehr wollten, als brav in Schablonen zu leben, sammelten sie auf Tapes. Aber da dann die Wende wieder extrem cool und postmodern war, weil jedes DDR-Anr&#252;chige zu einem Symbol des Untergangs wurde &#8211; passte es irgendwie auch, dass die Punk- und Post-Industrial-Band mit ihrer Zerst&#246;rungswut im Wilhelm-Pieck-Saal des VEB Elektrokohle spielte.</p>
<p>Der Film ist etwas mager und das Archivmaterial etwas d&#252;nn. Interessant sind die Interviews, die die Untergangs- und Aufbruchsstimmung, das ambivalente Feeling, sehr authentisch widerspiegeln: Die Ex-Roadie-Frau erz&#228;hlt, wie fremd ihr die Roadies der Band waren. Sie w&#228;re niemals zu einem zwanglosen Gespr&#228;ch hingegangen. So blieb es beim gegenseitigen Be&#228;ugen. Jemand erz&#228;hlt, wie er zu Ostzeiten geschmuggelte Neubauten-Platten-Meetings zelebriert hat und wie sie dann alle versucht haben, die seltsamen Texte, die von »Kernfusionen« und »Hirnlego« handelten, zu entschl&#252;sseln. Die Westberliner Underground-Band war ein Symbol f&#252;r das Andere, das Fremde, das R&#228;tselhafte, das wie der Reisewunsch einfach ein Wunsch nach Ausbruch aus Familie-Arbeit-Tod war. Doch nun, wo alles greifbar nahe schien &#8211; die DDR war noch nicht untergangen, die Wiedervereinigung noch in der Ferne &#8211; wusste man nicht so richtig, was man von dem jeweils Anderen halten sollte. </p>
<p>Die Konzertveranstalterin erz&#228;hlt eine Anekdote, die wohl nur w&#228;hrend der Wendewirren passieren konnte: Bargeld hatte eine Verabredung mit Heiner M&#252;ller, aber M&#252;ller hatte vorher eine Verabredung mit Francois Mitterrand und der ganzen franz&#246;sischen Ministerriege, die sich mit K&#252;nstlern und Intellektuellen treffen wollte, um sich ein Bild &#252;ber den Zustand der DDR zu machen. Erst dachte die Veranstalterin, M&#252;ller sagt wohl ab &#8211; doch dann &#8211; wer wei&#223;, was er denen erz&#228;hlt &#8211;  taucht M&#252;ller mit einigen franz&#246;sischen Ministern im Wilhelm-Pieck-Saal auf. Als sie Blixa Bargeld die Hand sch&#252;tteln, wirkt dieser auf einmal ganz brav und h&#246;flich. </p>
<p>Und als dann M&#252;ller die einleitenden Worte vor dem Konzert spricht, tauen die Fans pl&#246;tzlich auf, die vorher etwas befremdet und verbissen durch den Einlass dr&#228;ngelten. Als h&#228;tte Heiner M&#252;ller nun den Startschuss f&#252;r einen postmodern daherkommenden Westen in Gestalt der Einst&#252;rzenden Neubauten gegeben, der nun auch im Osten Einzug h&#228;lt. </p>
<p>VON WEGEN geh&#246;rt in eine Reihe von Wende- und DDR-Dokus wie <a target="blank" href="http://www.dasblogzumhof.de/festivals/ein-traum-in-erdbeerfolie-comrade-couture.php" >Ein Traum in Erdbeerfolie</a> und <a target="blank" href="http://www.dasblogzumhof.de/festivals/allgemein/sag-mir-wo-die-schoenen-sind-panorama-miss-sozialismus-im-westen.php" >SAG MIR, WO DIE SCH&#214;NEN SIND (Berlinale 08)</a>, die das Leben in der DDR aus heutiger Sicht dokumentieren. Einzigartig ist in dem Uli-Schueppel-Film der Kontrast zwischen Ost und West: Mit der Fokusierung auf die Einst&#252;rzenden Neubauten findet Schueppel eine gelungene Metapher auf das Ergebnis von 40j&#228;hriger Mauer: Ost- und Westvolk standen sich pl&#246;tzlich gegen&#252;ber wie Au&#223;erirdische von verschiedenen Universen. </p>
<p><strong><br />
13.02. 15.30, Colosseum 1<br />
14.02. 22.30, CineStar 7<br />
</strong></p>
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		<title>Sag mir, wo die Sch&#246;nen sind (Panorama) &#8211; Miss Sozialismus im Westen</title>
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		<pubDate>Thu, 14 Feb 2008 23:45:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>kleo</dc:creator>
				<category><![CDATA[Berlinale 2008]]></category>
		<category><![CDATA[BERLINALE Archiv]]></category>
		<category><![CDATA[DDR]]></category>
		<category><![CDATA[Gerhard Gäbler]]></category>
		<category><![CDATA[Gunther Scholz]]></category>
		<category><![CDATA[Miss Leipzig 1989]]></category>
		<category><![CDATA[Mode]]></category>
		<category><![CDATA[Wendefilm]]></category>

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		<description><![CDATA[Regie: Gunther Scholz Deutschland 2008 90 Min. Ohne Worte 1989 suchte die Leipziger Volkszeitung die »Miss Leipzig 1989«. Gerhard G&#228;bler fotografierte die Bewerberinnen an ihrem Arbeitsplatz oder zu Hause und nahm zuf&#228;llig ein Tonbandger&#228;t mit. Gunter Scholz zeigt, was heute aus den jetzt Anfang 40j&#228;hrigen geworden ist und konfrontiert sie mit ihrem fr&#252;heren Ich. Eine [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Regie: </strong> Gunther Scholz<br />
Deutschland 2008<br />
90 Min.</p>
<p><a href="http://www.dasblogzumhof.de/wp-content/uploads/2008/02/sag-mir.jpg" title="sag-mir.jpg"><img src="http://www.dasblogzumhof.de/wp-content/uploads/2008/02/sag-mir.jpg" alt="sag-mir.jpg" /></a></p>
<h4>Ohne Worte</h4>
<p>1989 suchte die Leipziger Volkszeitung die »Miss Leipzig 1989«. Gerhard G&#228;bler fotografierte die Bewerberinnen an ihrem Arbeitsplatz oder zu Hause und nahm zuf&#228;llig ein Tonbandger&#228;t mit. Gunter Scholz zeigt, was heute aus den jetzt Anfang 40j&#228;hrigen geworden ist und konfrontiert sie mit ihrem fr&#252;heren Ich. Eine Feel-Good-Documentury, die noch ein kleines bisschen DDR-Alltag festh&#228;lt, aber vielmehr beleuchtet, wie die DDR-Frauen im Heute angekommen sind.</p>
<p>16.2., 15.30 Uhr, Colosseum</p>
<p><span id="more-264"></span></p>
<p>Sie habe alle eine Gemeinsamkeit, die neun Frauen, die Scholz vor die Kamera geholt hat: Sie haben sich zu DDR-Zeiten f&#252;r einen Sch&#246;nheitswettbewerb in Leipzig beworben. Ein Sch&#246;nheitswettbewerb im Sozialismus. Gleich zu Beginn des Films findet der Regisseur eine passende Metapher daf&#252;r, die ihm eine der Frauen im Interview liefert: So wie die H&#228;userfassaden in der Messestadt Leipzig auf Anweisung der Regierung gut aussehen mussten, so sollte auch die sozialistische Frau gut aussehen. Aber hinter den Fassaden verfiel alles. Wie sah es damals aus, in den K&#246;pfen der Bewerberinnen?</p>
<p>Die Erste, die Gunther Scholz mit den Tonbandaufnahmen konfrontiert, f&#228;llt fast um vor Lachen. Sie erkennt sich einfach nicht wieder. Gro&#223; rauskommen wollte sie. Obwohl sie eigentlich schon damals nichts Sch&#246;neres kannte als Stra&#223;enbahn fahren. Beruflich versteht sich. Aber man hat es eben mal probiert. Heute tr&#228;gt sie Briefe aus, denn in Westdeutschland, wo sie jetzt lebt, gibt es keine Stra&#223;enbahn.<br />
Eine ehemalige Pionierleiterin betrachtet das Foto, das G&#228;bler von ihr am Arbeitsplatz geschossen hatte. In FDJ-Bluse im Pionierleiterzimmer. Sie hatte damals kein gutes Gef&#252;hl mit dieser Berufswahl, hatte sich in irgendetwas verrannt. Das Foto trifft es. Unsicherer, ungl&#252;cklicher Gesichtsausdruck. Die Fotos von G&#228;bler sind »subversiv«. Zeigen, wie es damals ausgesehen haben mag, in den K&#246;pfen der Bewerberinnen. Auch wenn die sich heute nicht mehr so recht erinnern. Aber wirkliche Ausbruchsversuche waren das nicht. Was gab es schon bei einer &#8220;Miss Leipzig&#8221;-Wahl zu gewinnen? Ein Foto in der Leipziger Volkszeitung vielleicht?</p>
<p>Diese zaghafte Rebellion ist bei einigen auch geblieben. Ines ist die einzige, die heute noch auftritt. Der Regisseur spart sich diese B&#252;hne bis zum Schluss auf: Das Duo »Hacki und Ines« singt zum Akkordeon sonntags auf der Wiese Volkslieder, begleitet von dickb&#228;uchigen und rotgesichtigen M&#228;nnern, die sich gelbe Bierzeltpl&#246;rre hineinsch&#252;tten. Ines lebt dort, wo sie auch schon damals, 1989, gewohnt hat. In einer kleinen Neubauwohnung, die Tapeten inzwischen vergilbt, die Wohnung eng. Zwischen den Kuscheltieren auf der Couch ein Leipziger Messem&#228;nnlein. Warum solle sie hier ausziehen, wenn sie nicht muss?</p>
<p>Der Kontrast zu Ines ist die harte Karriere-Frau: Eine, die die PR-Agentur »MitteMedia« gegr&#252;ndet hat, mit Schwerpunkt Agenda Setting. Mittlerweile hat sie eine Filiale in Dubai, die gut l&#228;uft.</p>
<p>Doch zwischen den Extremen Ines und der MitteMedia-Frau gibt es auch noch die anderen: Eine Hebamme, bei der die Taschen klimpern, seitdem es alternative Geb&#228;rmethoden gibt. Eine, die als ehemalige Salzstangenfabrikarbeiterin in einem kleinen Hotel als Reinigungskraft arbeitet. Es ist auch eine dabei, deren Beruf wir nicht erfahren, weil ihre Definition von Gl&#252;ck eben Familie hei&#223;t. Besser hie&#223;. Gerade w&#228;hrend der Dreharbeiten st&#252;rzte das sch&#246;ne Geb&#228;ude Familie zusammen &#8211; denn das Paar lebt in Scheidung und die Frau, umgeben von Kindern, ist kaum f&#228;hig vor der Kamera zu sprechen. Eine andere wiederum hat ihr Gl&#252;ck an dem Tag gefunden, als sie eine kosmische Erscheinung hatte. Eine ist arbeitslos.</p>
<p>Der Dokumentarfilm lotet Begriffe wie Freiheit, Gl&#252;ck und Erf&#252;llung aus, Dinge, die sich die Bewerberinnen mit dem Titel f&#252;r »Miss Leipzig 1989« wohl damals alle ein bisschen erhofft hatten. Kurz darauf kam der »goldene Westen«, der f&#252;r viele der Inbegriff von Freiheit und Gl&#252;ck war. Dem Regisseur gelingt es, die Komplexit&#228;t und Zwiesp&#228;ltigkeit des so genannten freien Westens herauszuarbeiten: Jede der Frauen kann nun ihren eigenen Begriff von Freiheit definieren und ausleben. Die Vielfalt ist enorm &#8211; in der DDR unm&#246;glich. Es gibt Gl&#252;ckliche und Ungl&#252;ckliche, Sieger und Verlierer. Wer sind die systembedingten Verlierer? Frauen mit Kindern, insbesondere alleinstehende Frauen mit Kindern. Schuldner, die einen Kredit f&#252;r ein Baugrundst&#252;ck aufnehmen mussten, gering Qualifizierte, Arbeitslose.</p>
<p>Die heute 40-J&#228;hrigen haben die eine Art von Freiheit erlebt, die soziale, jetzt erleben sie eine andere, die der Vielfalt. Das ist nicht neu. Doch Scholz beschreibt damit noch einmal plastisch, wie es damals war &#8211; in der DE DE ER &#8211; und stellt einen Bezug zum Jetzt her. Viele zeitgen&#246;ssische Dokus mit DDR-Hintergrund wird es nicht mehr geben. In ein paar Jahrzehnten muss man wohl schon in den Archiven rumkramen.</p>
<p>Die ehemaligen Sch&#246;nheitsk&#246;niginnen unterscheiden sich kaum noch von den Westfrauen, auch wenn einer der verheirateten M&#228;nner der Meinung ist, Ostfrauen seien weniger anspruchsvoll. Der Depp hat noch nicht begriffen, dass Miss Sozialismus l&#228;ngst im Westen angekommen ist: Guten Morgen, du Sch&#246;ne!</p>
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