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	<title>Blog zum Hof &#187; WM-2006</title>
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		<title>Substitute (Forum) &#8211; Ersatzspieler sind die einsamsten Menschen auf der Welt</title>
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		<pubDate>Sun, 11 Feb 2007 23:50:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>kleo</dc:creator>
				<category><![CDATA[Berlinale 2007]]></category>
		<category><![CDATA[BERLINALE Archiv]]></category>
		<category><![CDATA[Dokumentarfilm]]></category>
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		<category><![CDATA[WM-2006]]></category>

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		<description><![CDATA[Dokument eines Scheiterns Regie: Fred Poulet, Vikash Dhorasoo Frankreich 2006 72 Minuten englische UT Bewertung:»Trotz unscharfer Bilder mit zum Teil eigenwilligen Bildausschnitten und nicht synchron laufendem Ton ist SUBSTITUTE von einer nicht zu leugnenden melancholischen Sch&#246;nheit. Der Film ist der pers&#246;nliche Bericht &#252;ber eine Entt&#228;uschung.« (Le Monde) Durch Zufall las der Fu&#223;ballspieler Vikash Dhorasoo einen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Dokument eines Scheiterns</strong><br />
<strong>Regie:</strong> Fred Poulet, Vikash Dhorasoo<br />
Frankreich 2006<br />
72 Minuten<br />
englische UT</p>
<table border="0">
<tr>
<td>
<img src="http://www.football.fr/fr/images/20073/dho.jpg" alt="Vikash Dhorasoo" title="Vikash Dhorasoo" align="left" hspace="14" />
</td>
</tr>
</table>
<p><strong>Bewertung:»Trotz unscharfer Bilder mit zum Teil eigenwilligen Bildausschnitten und nicht synchron laufendem Ton ist SUBSTITUTE von einer nicht zu leugnenden melancholischen Sch&#246;nheit. Der Film ist der pers&#246;nliche Bericht &#252;ber eine Entt&#228;uschung.« (Le Monde)</strong><br />
<span id="more-8"></span></p>
<p>Durch Zufall las der Fu&#223;ballspieler Vikash Dhorasoo einen Artikel &#252;ber sich, geschrieben vom Sportjournalisten Fred Poulet. Sie lernten sich kennen und Poulet gab Dhorasoo eine Super-8-Kamera, damit er seine pers&#246;nlichen WM-Erlebnisse filmt. Damit beginnt der Film: Poulet erkl&#228;rt Dhorasoo die Super-8-Kamera, die ohne Ton filmt und bei der keine Aufnahme l&#228;nger als drei Minuten dauert. Wer schon einmal Super 8 gefilmt hat, wei&#223;, was das bedeutet: Die Kamera ist extrem laut und im Vergleich zu den kleinen Digicams ein umst&#228;ndliches Riesenunget&#252;m. Das Filmmaterial ist empfindlich und schwer zu handhaben. Aufnahmen nebenbei und Schnappsch&#252;sse kann man vergessen. Man muss sich ganz konzentrieren. Genau das war der Hintergedanke Poulets: Dhorasoo sollte nicht wahllos 100 digitale B&#228;nder mit un&#252;berlegtem Zeugs vollfilmen, sondern er sollte wenige konzentrierte Aufnahmen machen. Herausgekommen ist ein einzigartiges Dokument eines gescheiterten Sportlers auf der Ersatzbank. Ein Antifilm des Profifu&#223;balls.<br />
Die Aufnahmen sind alles andere als professionell: Verwackelte, unscharfe, unterbelichtete Bilder &#8211; doch sie haben eine ungeheure Aussagekraft. Immer wieder tauchen die leeren, einsamen G&#228;nge der Hotels, vier wei&#223;e W&#228;nde und Dhorasoos hoffnungsloses Gesicht auf. Was auff&#228;llt: Die Abwesenheit von Menschen, seinen Mitspielern, dem Team.</p>
<p>Da die Super-8-Kamera keinen Ton hat, benutzt Dhorasoo ein Tonbandger&#228;t, das er anfangs wenig, sp&#228;ter immer h&#228;ufiger einbezieht. Deshalb hat Poulet zu Beginn des Films viele Telefongespr&#228;che mit ihm hineingeschnitten. Von Spiel zu Spiel hofft er dort auf einen lohnenden Einsatz &#8211; letztendlich stand er w&#228;hrend der gesamten WM nur sechzehn Minuten auf dem Rasen. &#220;ber seinen Ziehvater Domenech, der f&#252;r die Auswahl der Spieler verantwortlich war, sagt er: »Ich war sein Sohn, und er l&#228;sst den Sohn des Nachbarn spielen!« Wenn er mal auf dem Feld ist, &#252;bergibt er irgendjemandem die Kamera. Davon gibt es nur ganz wenige Aufnahmen und wer ihn dort sieht, wei&#223; genau, dieser Mann hat sich l&#228;ngst aufgegeben. Er l&#228;uft ganz gerade und stocksteif. Nach dem Sieg gegen Brasilien im Viertelfinale taucht er auf einmal zwischen den feiernden Teammitgliedern auf, doch dann dreht er sich ganz pl&#246;tzlich um und geht vom Feld. Als ob ihm im &#220;berschwang ein Ausrutscher passiert w&#228;re.<br />
Im Laufe der WM gew&#246;hnt sich der Spieler des fr&#252;heren Erstligisten <em>Paris St. Germain</em> an das technische Equipment. Er stellt sich vor den Spiegel in seinem Hotelzimmer, legt sich aufs Bett, spricht ins Tonbandger&#228;t und versucht sich zu rechtfertigen: Auch wenn er jetzt der Au&#223;enseiter sei, k&#246;nne er sp&#228;ter zumindest nicht sagen, er w&#228;re dabei gewesen? Wenn er in diesen tragischen Momenten pl&#246;tzlich in den Postkartenjargon &#252;berwechselt, »ich habe gut gegessen, vermisse aber meinen Schokoladenkuchen«, &#228;ndert sich die Tonlage ins Komisch-Banale. Absolute Sitcom ist auch ein Opa in irgendeinem deutschen Kaff, der die muckende Super-8-Kamera reparieren soll. Das wird noch von Poulets Kamera gefilmt, der ihn zu Beginn begleitet. Jedenfalls will der Opa &#8211; absolut berechtigt &#8211; herausfinden, warum zum Teufel heute im Zeitalter der Digitalisierung jemand auf Super 8 filmt. Er macht das sehr dezent, aber der Zuschauer wei&#223; genau, worauf er hinaus will, da er genauso denkt. Diese Szene ist witzig. Doch die tragische Qualit&#228;t des Ersatzspielers liegt so hoch, dass die wenigen deutschen Provinzszenen dem Ganzen nur einen genialen Hauch des Tragikkomischen geben k&#246;nnen. Ein paar mehr davon und dieser Film w&#228;re vielleicht ein Publikumsrenner. Nat&#252;rlich bekommt eine tragische Figur immer den Publikumsbonus und weckt mehr Sympathien als die erfolgreiche. Das liegt offenbar in der Natur des Menschen. Man erinnere sich nur an das Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft beim Italienspiel. Doch reicht dieser Umstand aus, um zu erkl&#228;ren, warum ein, nach Publikumsquote gemessen, erfolgreicher deutscher Kinofilm, der die WM aus einer anderen Perspektive schildert und der von professioneller Digi-Hand gefilmt wurde, um so vieles schlechter ist als ein verwackelter Super-8-Film eines Amateurs?</p>
<p>Kurz nachdem Poulet Dhorasoo die Super-8-Kamera gezeigt hat, sieht der Zuschauer ein paar Jungs, die mit einer lockeren Behendigkeit kicken, als w&#228;re es ihnen angeboren. Nichts davon steckt mehr in Dhorasoos Bewegungen. Doch er spielt in der Nationalmannschaft und war mal ein Erstligist. Er ist zwar oben angekommen, doch eigentlich ist er ein Nobody unter den Stars. Aber zu gut, um in der Ligue Fédérale du Football Amateurs zu spielen. Wenn man im Profisport ganz unten steht, ist man schlimmer dran als ein Amateur in irgendeiner Liga. In diesem Film verbirgt sich eine kritische Sprengkraft bez&#252;glich des Profisports. Was dieser anrichtet und auf welcher Ebene dort verhandelt wird, bassiert auf Erfahrungen, die nur Insider kennen.  Kein Wunder, dass der franz&#246;sische Fu&#223;ballverband &#252;ber »Substitute« nicht gerade begeistert war.  Dhorasoo wurde aus seinem Verein ausgeschlossen.</p>
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